Fischsterben

Auf dem Trockenen

Große und kleine Gewässer sind betroffen: Auch in diesem Sommer erstickten wieder massenhaft Fische in Niedersachsen. Jetzt stellt der Anglerverband klare Forderungen.
17.10.2019, 19:31
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Auf dem Trockenen
Von Peter Mlodoch
Auf dem Trockenen

In zahlreichen Gewässern im Norden erstickten auch in diesem Sommer Fische aufgrund von Trockenheit.

Assanimoghaddam/DPA

Hannover. Es trifft große und kleine Gewässer, fließende und stehende: Im Juni erstickten massenhaft Fische in der Elbe, im August und September traf es Teiche in Wolfsburg und in Meine bei Gifhorn, im Oktober vermeldeten das Friedeburger Tief in Friesland und die Stuhlleide im Landkreis Wittmund ein Fischsterben. Schuld waren neben Verunreinigungen oft niedrige Wasserstände und Sauerstoffmangel; zumindest haben die Folgen der Trockenheit in den vergangenen beiden Sommern den Tod der Tiere mitverursacht oder Gifteinträge verschlimmert.

Der Anglerverband Niedersachsen (AVN) fordert nun flächendeckend Gewässerrandstreifen und den Anbau von Gehölzen, um die Uferbereiche ausreichend zu beschatten. Außerdem verlangen die Angler finanzielle Hilfen für die Entsorgung der Fischkadaver. Während die Grünen diese Vorschläge konkret unterstützen, bleibt Umweltminister Olaf Lies (SPD) vage. „Die Landesregierung bereitet Strategien und Maßnahmen vor, die notwendige Vorsorge zu betreiben“, heißt es in der Antwort auf eine Parlamentsanfrage der Grünen-Fraktion. Wie diese genau aussehen könnten, steht dort allerdings nicht.

In seinem Jahresbericht für 2018 schlug die amtlich anerkannte Naturschutzorganisation mit mehr als 97 000 Mitgliedern und 340 Vereinen Alarm. „In manchen Fällen trockneten kleine und flache Gräben, Flüsse, Seen und Teiche einfach aus.“ Entweder seien die Fische in den Restpfützen verendet oder schon vorher gefressen worden, berichtete der AVN. So habe es eine starke Zunahme der Grau- und Silberreiher in solchen Flachwassergebieten gegeben. „Dieser Räuberdruck führte auch dazu, dass die Fischsterben für den Menschen teilweise unerkannt blieben.“ Beispiele fand der AVN in fast allen Regionen zwischen Harz, Heide und Küste. Betroffen waren danach vor allem junge Bachforellen, Schmerlen und Stichlinge. Mancher Angelverein versuchte mit Zupumpen das Schlimmste zu verhindern, meistens aber vergeblich.

Ein stärkerer Uferbewuchs sorge für Schatten, stoppe den Temperaturanstieg des Wassers und vermeide dadurch Stress bei den heimischen Kaltwasserfischarten, begründet der Anglerverband seine Forderung. „Gewässerrandstreifen müssen daher auch an Gewässern dritter Ordnung vorgeschrieben werden“, verlangt auch Grünen-Fraktionsvizechefin Miriam Staudte Schutzzonen an kleineren Flüssen und Bächen. Das Ministerium in Hannover müsse die Wasserbehörden per Erlass anweisen, ihre Möglichkeiten zur Anordnung von Pflanzungen standortgerechter Gehölze auszuschöpfen.

Den Ruf der Angler, den Wasserverbrauch der Landwirtschaft in Dürreperioden zu regulieren und so Mindestwassermengen für Oberflächengewässer sicherzustellen, macht sich die Grünen-Abgeordnete ebenfalls zu eigen. „Wir müssen die Wasserentnahme strenger beschränken und auch kontrollieren.“ Scharf kritisiert Staudte dabei Ressortchef Lies. „Der Umweltminister macht genau das Gegenteil.“ Dieser hatte im April angesichts eines befürchteten neuen Hitzesommers die Vorschriften für die künstliche Beregnung von landwirtschaftlichen Flächen erheblich gelockert. Das Ministerium verlängerte den Zeitraum für die Nutzung der festgeschriebenen Wasserkontingente von zehn auf 15 Jahre. Bauern, die ihre Mengen bereits ausgeschöpft hatten, bekamen auf Antrag kurzfristig die Erlaubnis, weiter Grund- oder Oberflächenwasser für ihre Beregnungsanlagen auf den Äckern zu entnehmen. In seiner Parlamentsantwort gibt Lies zwar technischen Lösungen für Wasserrückhalt und Grundwasserneugewinnung den Vorrang. Im Extremfall bei einem zeitweiligen Austrocknen von Gewässern deutet der Ressortchef jetzt aber zumindest eine Prüfung der Wasserentnahmen durch landwirtschaftliche Betriebe an. „Gegebenenfalls“ seien deren Mengen „neu festzusetzen“. Bei den Randstreifen verweist der Minister auf die bestehenden Gesetze in Bund und Land. Diese schreiben bislang keine Schutzzonen bei Gewässern dritter Ordnung vor.

Das könnte sich allerdings ändern: Bei der geplanten Novelle des niedersächsischen Wassergesetzes sei vorgesehen, die bestehenden „Regelungen zu modifizieren und aktuellen Anforderungen zum Gewässerschutz, Insektenschutz u.a.m. anzupassen“ heißt es in der Regierungsantwort. Nähere Details könne man aber erst nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens benennen. In der vergangenen Legislaturperiode hatten die Randstreifen einen heftigen Krach zwischen den rot-grünen Koalitionären ausgelöst. Damals war es insbesondere SPD-Mann Lies, der noch als Wirtschaftsminister mit Blick auf die Belange der Bauern schärfere Vorschriften vehement abgelehnt hatte.

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