Umgehung und Umfahrung in Bremervörde Auf der Nebenstrecke zum Ziel

Die Lösung für Bremervörde liegt in der Bezeichnung „Nebenstrecke“– ein Zauberwort. Es löst mit einem Schlag ein ziemlich vertracktes Problem der Stadt, über das manche erregte – bisweilen auch belustigte Diskussion geführt worden ist.
04.07.2015, 00:00
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Auf der Nebenstrecke zum Ziel
Von Michael Lambek

Die Lösung für Bremervörde liegt in der Bezeichnung „Nebenstrecke“ – ein Zauberwort. Es löst mit einem Schlag ein ziemlich vertracktes Problem der Stadt, über das manche erregte – bisweilen auch belustigte Diskussion geführt worden ist.

Das Problem, mit dem die 19 000-Seelen-Stadt Bremervörde im Landkreis Rotenburg zu kämpfen hat, ist alt – ein Verkehrsproblem. Die Bundesstraßen (B) 71 und 74 durchschneiden die Stadt ziemlich genau in der Mitte, und damit rollt der gesamte überregionale Verkehr, insbesondere der Schwerlastverkehr in einer nicht enden wollenden Lastwagenkolonne durch die City. 15 000 bis 24 000 Kraftfahrzeuge haben die Verkehrszähler pro Tag dokumentiert. Die Zahl der Lastwagen liegt bei täglich rund 2000 – Tendenz steigend.

So war schon frühzeitig der Ruf nach einer Umgehungsstraße für die Bremervörder Innenstadt laut geworden. Die ersten konzeptionellen Überlegungen reichen rund 40 Jahre zurück, und die Lage ist seitdem nicht besser geworden. Eine Weile glaubte man, es sei möglich, dass Bremervörde durch die geplante Küstenautobahn A 20 langfristig entlastet werden könne. Die Idee erwies sich allerdings nicht als tragfähig, weil Trassenverlauf und Zeitkorridor für das Projekt kaum zu kalkulieren waren und sind.

Schließlich kam aber doch Bewegung in die Sache. Relativ schnell entstand im Rahmen eines Programms zur „Neuordnung des Kreisstraßennetzes um Bremervörde“ die Ortsumgehung Minstedt. Die Kreisstraße 125 führt um die Stadt herum in Richtung Gnarrenburg, im weiteren Verlauf Richtung Kreisstadt Rotenburg – und ist damit genau das, worauf die entlastungshungrigen Bremervörder all die Jahre gewartet hatten. Der Verkehr aber quälte sich – für viele unbegreifbar – weiterhin auf der Bundesstraße durch die Stadt, als gäbe es die neue Umgehungsstraße gar nicht. Deren Nutzung blieb nach ihrer Fertigstellung im Frühjahr eher verhalten.

Auffällig war dabei, dass die schöne neue Straße als Umgehung Richtung Rotenburg nicht ausgeschildert war, sondern lediglich als Verbindung nach Gnarrenburg – und dahin zog es nun einmal die allerwenigsten Brummi-Fahrer. Bei nicht wenigen kam der Verdacht auf, dass es sich bei den fehlenden Schildern um einen verkehrsplanerischen Schilda-Fall handeln könnte. Tatsächlich aber hatte sich in der Debatte um das vermeintlich fehlgeplante Projekt sehr schnell ein Missverständnis eingeschlichen, für das die Bremervörder Öffentlichkeit nur allzu empfänglich war.

Die nagelneue Straße mit Umgehungsfunktion war eben von Beginn an keine Umgehungsstraße für den Fern- und damit den größten Teil des Schwerlastverkehrs. Es ist eine 18 Millionen Euro teure Ortsumgehung für den örtlichen und zwischenörtlichen Verkehr zwischen der Kreisstraße 105 im Norden der Stadt bis zur Bundesstraße 71 südlich von Bevern. Was dagegen weder geplant worden war, noch gebaut wurde, stellte der Rotenburger Landrat Hermann Luttmann schon im November vergangenen Jahres klar, war eine „Umgehung oder Verlegung der B 71“.

Auf eine Kreisstraße für zwischenörtlichen Verkehr, so sind nun einmal die Regeln, kann kein Fernverkehr geleitet werden – weshalb eine entsprechende Ausschilderung von Anfang an nicht möglich war. Der Grund liegt in der jeweiligen baulichen Anlage der unterschiedlichen Straßentypen: Kreisstraßen sind schmaler und für weniger Gewicht ausgelegt als Bundesstraßen. Dennoch: Obwohl die Ortsumgehung für den kleinräumigen und überörtlichen Verkehr gebaut worden war, wurde schon Ende 2014 die Möglichkeit geprüft, auch andere Verkehre über die neue Straße zu leiten.

Und tatsächlich wird nun Abhilfe geschaffen. „Augreund vielfältiger Wünsche aus der Bevölkerung“ und mit freundlicher Genehmigung des Landes erklärt der Landkreis die neu geschaffene Ortsumgehung kurzerhand zur „Nebenstrecke Rotenburg“ – und als solche wird sie nun auch ausgeschildert. Die vorbereitenden Arbeiten für die Schilderaufstellung sind bereits begonnen worden. Die alten Schilder wurden abbestellt, die neuen in Auftrag gegeben. Rotenburg wird künftig nicht über eine „Umgehung“ erreicht, sondern per „Umfahrung“ über eine Nebenstrecke. Den genervten Bürgern in Bremervörde wird es mit Sicherheit egal sein.

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