AUS DEM NOTIZBLOCK Weihnachtsbesuche im Gefängnis und im Stall

Weihnachten ist die Zeit der milden Gaben und noblen Gesten. Und für Politiker bedeutet das: Tue Gutes und rede darüber. So geht Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) wie alle Jahre ins Gefängnis. Am Heiligabend besucht er die Justizvollzugsanstalt in Meppen, um den dortigen Bediensteten Dank und Anerkennung zu sagen und auch einzelnen Häftlingen Trost zu spenden. Geschenke bringt Busemann freilich nicht mit, selbst Kekse lässt er lieber zu Hause. Damit vermeidet der Minister die übliche Sicherheitsprozedur, aber auch denkbare Konflikte. Die Annahme von größeren Gefälligkeiten ist Beamten und Amtsträgern schließlich nicht erlaubt. Busemanns früherer Chef, der heutige Bundespräsident Christian Wulff, weiß ein Lied davon zu singen, welchen Ärger man sich mit solchen Dingen einhandeln kann.
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Von peter mlodoch

Weihnachten ist die Zeit der milden Gaben und noblen Gesten. Und für Politiker bedeutet das: Tue Gutes und rede darüber. So geht Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) wie alle Jahre ins Gefängnis. Am Heiligabend besucht er die Justizvollzugsanstalt in Meppen, um den dortigen Bediensteten Dank und Anerkennung zu sagen und auch einzelnen Häftlingen Trost zu spenden. Geschenke bringt Busemann freilich nicht mit, selbst Kekse lässt er lieber zu Hause. Damit vermeidet der Minister die übliche Sicherheitsprozedur, aber auch denkbare Konflikte. Die Annahme von größeren Gefälligkeiten ist Beamten und Amtsträgern schließlich nicht erlaubt. Busemanns früherer Chef, der heutige Bundespräsident Christian Wulff, weiß ein Lied davon zu singen, welchen Ärger man sich mit solchen Dingen einhandeln kann.

Vorsichtigen Umgang mit Geschenken ließ auch CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler walten. Er wollte der niedersächsischen Polizei mit einem Besuch beweisen, dass die Politik hinter den Ordnungshütern steht und insbesondere

deren Leistungen beim diesjährigen

Castor-Transport zu schätzen weiß. Aufwändige Mitbringsel durften aber nicht sein, diese hätten ja die bedachten Beamten in die Bredouille gebracht. Also verfiel Thümler auf eine nach eigenen Angaben pfiffige Idee. Er machte der in Hannover beheimateten und mit reichlich Gorleben-Erfahrung ausgestatteten Reiterstaffel seine Aufwartung. Gastgeschenke erhielten nicht die Polizisten, sondern deren Pferde. Der Fraktionschef schleppte einen ganzen Sack Möhren an und verfütterte das Gemüse im Stall eigenhändig an die treuen Vierbeiner. Und die freuten sich

tierisch.

Was Weihnachten auf Französisch heißt, kann sicherlich die niedersächsische FDP-Fraktion wie aus der Pistole geschossen

beantworten. Die Abgeordneten und Mitarbeiter üben sich nämlich neuerdings in der Sprache des Nachbarlandes. Vorbild ist der Kollege Jan-Christoph Oetjen aus Sottrum, der nicht nur fließend französisch spricht, sondern auch mit einer Französin verheiratet ist. So machen denn in den

Büroräumen keine schnöden "Vermerke" mehr die Runde. Die Papiere nennen sich höchst wohlklingend "aide-mémoires". Parlamentsanfragen und Reden sollen aber auch künftig in Deutsch gehalten

werden.

Mit normalen Weihnachtskarten begnügt sich die CDU-Abgeordnete Ingrid Klopp aus Gifhorn nicht. Sie beglückt Freunde und Parteifreunde mit einer 16-seitigen Broschüre. Diese enthält Wünsche, Weisheiten und Gedichte. Der Knüller aber sind die speziellen Rezepte für die Feiertage wie "Tante Waltrauds Nussecken" oder "Omas saure Kringel". Und sogar an die Nachwehen von Silvester denkt die staatlich geprüfte Hauswirtschaftsleiterin. Ihr "Kater-Cocktail" besteht aus kaltem Mokka, Rum und Zitronensaft. In dem Sinne: Frohes Fest!

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