Bio-Eier-Händler zieht Konsequenzen aus Skandal

Aus für Marke Wiesengold

Twistringen. Wiesengold brachte täglich eine halbe Millionen Bio-Eier auf den Markt. Nach Skandalen gibt Unternehmer Heinrich Tiemann die Vermarktung und Verpackung in Twistringen zum Ende des Jahres auf.
11.12.2013, 06:00
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Aus für Marke Wiesengold
Von Silke Looden
Aus für Marke Wiesengold

Nach dem Skandal um Bio-Eier kommt nun das Aus für die Marke Wiesengold.

Bernd Settnik, dpa

Wiesengold brachte täglich eine halbe Millionen Bio-Eier auf den Markt. Nach Skandalen gibt Unternehmer Heinrich Tiemann die Vermarktung und Verpackung in Twistringen zum Ende des Jahres auf.

Früher hat Heinrich Tiemann sein Geld mit Käfigeiern verdient. Früh erkannte der Unternehmer das Geschäft mit der Bio-Discountware und stellte die Produktion um, lieferte bis zu 500000 Bio-Eier am Tag. Gestern bestätigte die Firma Wiesengold, dass sie zum Ende des Jahres schließen werde. Das aber betrifft wohl nur die Verpackung und Vermarktung in Twistringen. Etwa 50 Jobs stehen auf dem Spiel.

Das Aus kommt nicht von ungefähr. 2002 erlebte der Bio-Eier-Produzent den ersten Skandal, als Nitrofen in Eiern nachgewiesen wurde. Der Landkreis verhängte eine Vermarktungssperre für Wiesengold. 2012 begann ein neuer Skandal wegen der Überbelegung von Hühnerställen. Tierschützer hatten heimlich Aufnahmen in Tiemanns Ställen in Bassum gemacht. Die Bilder zeigten gequälte und tote Tiere. Tiemann erklärte die Aufnahmen und die Notschlachtung von fast 30000 Hühnern mit einer Rotlauf-Infektion, die Wildschweine eingeschleppt hätten. Der Skandal weitete sich aus. Bundesweit ermittelten die Behörden gegen mehr als 1000 Betriebe aller Haltungsformen wegen Überbelegung. Allein in Niedersachsen sind noch mehr als einhundert Verfahren anhängig, bestätigt Frauke Wilken, Sprecherin der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg.

„Wir bedauern die Entwicklung, aber das ist eine unternehmerische Entscheidung“, sagt der neue Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes Niedersachsen, Ex-Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke. Tiemann habe bereits im Sommer einige Farmen verkauft und schließe nun auch die Packstelle in Twistringen.

„Die Gesellschaft will echte Bio-Eier, kein Industrie-Bio“, sagt Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Gleichwohl bleibe abzuwarten, was aus aus den Ställen werde.

„Der Imageschaden war groß“, sagt Naturland-Sprecher Jürgen Fadl. Der Bio-Zertifizierer, unter dessen Label Tiemann Eier verkauft, hat Umbaupläne. Ab 2018 will Naturland nur noch Bio-Eier aus vier Tiemann-Ställen mit je 12000 Legehennen vermarkten, die in vier Abteilungen à 3000 Tieren leben. „Wir wollen hin zu kleineren Einheiten“, betont Fadl. Tiemann habe zugesagt, zu verpachten oder zu verkaufen.

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