Halbes Jahr nach der Mehrwertsteuer-Senkung Tickets im Niedersachsentarif werden günstiger

Ein halbes Jahr nach der Mehrwertsteuer-Senkung für Bahnreisen setzt auch der Niedersachsentarif diese um. Wie man mit der zusätzlichen Senkung ab Juli umgeht, ist jedoch noch unklar.
12.06.2020, 08:28
Lesedauer: 3 Min
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Tickets im Niedersachsentarif werden günstiger
Von Peter Mlodoch

Bahnfahren im niedersächsischen Regionalverkehr über 50 Kilometer wird ab diesen Sonntag deutlich billiger. Davon profitieren auch Reisende von und nach Bremen sowie aus dem Umland. So sinkt der Normalpreis für eine einfache Fahrt von der Hansestadt nach Nienburg in der 2. Klasse von derzeit 15,80 Euro auf 14,40 Euro. Wer nach Vechta will, zahlt 13,50 Euro statt wie bisher 14,80. Die Tickets für die Regionalexpress-Züge nach Hamburg und Hannover werden ebenfalls günstiger: um 2,40 Euro auf 24,60 Euro und um 2,50 Euro auf 25,30 Euro. Allerdings ist ohne Bahncard-Ermäßigung bei diesen Zielen an Wochenenden oder ab 9 Uhr wochentags das Niedersachsen-Ticket die preiswertere Alternative. Die landesweit gültige Tageskarte kostet ab dem Fahrplanwechsel nur noch 23 Euro statt wie bisher 24 Euro für die erste Person.

Mit diesen neuen Preisen setzt die Niedersachsentarif GmbH (Nitag) die Mehrwertsteuer-Senkung um, die eigentlich schon zum Jahresbeginn in Kraft treten sollte. Der Bund hatte ab Januar für sämtliche Bahnreisen den ermäßigten Satz von sieben Prozent eingeführt; vorher galten für Fahrten ab 50 Kilometern noch 19 Prozent. Während die Bahn AG dies für ihren Fernverkehr zügig vollzog, brauchte es bei den Regio-Tickets fast sechs Monate. „Der Nahverkehr ist etwas komplexer. Da können Sie nicht einfach auf den Knopf drücken“, erklärt Nitag-Sprecher Thilo Knoblich im Gespräch mit dem WESER-­KURIER. Für eine Tarifänderung müsse man nämlich sämtliche beteiligten Nahverkehrsunternehmen unter einen Hut bekommen und deren Vertriebssysteme umstellen. „Für jede Maßnahme brauchen wir eine Vorlaufzeit von rund einem halben Jahr.“

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Niedersachsentarif legt die Preise für insgesamt 17 Zug-Anbieter im Land und die beiden Nachbarn Bremen und Hamburg fest. Darunter befinden sich neben der Bahn AG unter anderem der Metronom, Errix, die Nord-West-Bahn oder die EVB. Und die nächste Herausforderung steht bereits vor der Tür. Die Bundesregierung will im Rahmen ihres Corona- Konjunkturpakets ab Juli für ein halbes Jahr die Mehrwertsteuer allgemein senken, also auch den für Bahnfahrten geltenden Satz von sieben auf dann fünf Prozent. Wie dies an die Reisenden weitergegeben werden könne, sei noch völlig offen, bekennt Knoblich. „Wir haben das Thema auf dem Schirm.“ Die Nitag- Gesellschafter würden sich in Kürze damit befassen und über „kundenfreundliche Lösungsansätze“ nachdenken.

Zum Fahrplanwechsel gibt es neben den günstigeren Tarifen auch weitere Sonderangebote für die Passagiere. So führt der Preisverbund ein neues Sparticket ein. Fahrten unter 50 Kilometer kosten werktags ab 9 Uhr sowie ganztägig an Wochenenden und Feiertagen pauschal nur noch sechs Euro. Dies kann laut Nitag bis zu 45 Prozent Ersparnis bringen. Außerdem ist die Weiterfahrt am Zielort mit Bussen und Straßenbahnen inbegriffen. So kostet die Strecke Bremerhaven- Cuxhaven künftig normal 10,30 Euro, mit dem Sparticket dagegen nur noch sechs Euro. Nachteil: Innerhalb der Verkehrsverbünde gilt das neue Billett nicht. Wer etwa von Verden zum Bremer Hauptbahnhof will, muss weiter den VBN-Normalpreis von 7,15 Euro zahlen.

Die Gültigkeit des Niedersachsen-Tickets, das man bereit mit einem kleinen Aufpreis bis ins niederländische Groningen nutzen kann, wird erneut über die Landesgrenzen hinweg erweitert. Künftig kann die erste Person für 27 Euro nach Nordhausen in Thüringen und wieder zurück fahren. Bis zu vier Mitreisende können sich für jeweils sechs Euro anschließen. Schließlich tut die Nitag auch etwas für Zeitkarten-Inhaber. Diese können ihr Abonnement für zusätzlich 9,90 Euro pro Monat zum „Abo-XL“ aufwerten und es an Wochenenden und an Feiertagen als Netzkarte für alle Nahverkehrszüge in Niedersachsen, Bremen und Hamburg nutzen. Dabei ist die kostenlose Mitnahme von einem Erwachsenen und bis zu drei Kindern bis 14 Jahren möglich.

„Mit diesen umfassenden Verbesserungen machen wir einen weiteren großen Schritt dahin, dass Fahrgäste in Niedersachsen noch einfacher, günstiger und gleichzeitig klimafreundlich unterwegs sein können“, betont Nitag-Aufsichtsratschef Lorenz Kasch. „Die Eisenbahnen in Niedersachsen leisten damit ihren Beitrag zur Erfüllung der Klimaziele.“

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