Krebs durch Erdgasförderung? Bangen in Bothel

In Bothel bebt die Erde und im vergangenen Jahr wurde eine erhöhte Krebsrate festgestellt. Ob dies mit der Erdgsförderung zusammenhängt, ist nicht eindeutig geklärt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch.
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Bangen in Bothel
Von Silke Looden

In Bothel bebt die Erde und im vergangenen Jahr wurde eine erhöhte Krebsrate festgestellt. Ob dies mit der Erdgsförderung zusammenhängt, ist nicht eindeutig geklärt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch.

In Bothel bebt die Erde und im vergangenen Jahr wurde eine erhöhte Krebsrate festgestellt. Ob dies mit der Erdgsförderung zusammenhängt, ist nicht eindeutig geklärt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch.Die Erdgasförderung lässt Bothel nicht zur Ruhe kommen. Im vergangenen Jahr war eine erhöhte Krebsrate in der 7000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Rotenburg festgestellt worden, in diesem Sommer bebte die Erde. Während die jüngste Erschütterung im August wahrscheinlich auf die Erdgasförderung zurückgeht, ist die Ursache für die hohe Krebsrate noch nicht geklärt. Erhöhte Quecksilberwerte im Umfeld der Erdgasförderplätze in der Region lassen jedoch einen Zusammenhang vermuten.

Von 2003 bis 2012 erkrankten insgesamt 41 Einwohner der Samtgemeinde an Krebs. Das waren doppelt so viele wie statistisch zu erwarten gewesen wäre. Es traf vor allem Männer. Das geht aus dem niedersächsischen Krebsregister hervor. Der Landkreis veranlasste eine Untersuchung in den umliegenden Gemeinden. Ergebnis: Auch in der Stadt Rotenburg war die Krebsrate im gleichen Zeitraum besonders hoch. Statt der zu erwartenden 55 Neuerkrankungen, gab es 72 Neuerkrankungen. Wieder waren vor allem Männer betroffen.

>>> Kommentar: Erschreckend

Um der Ursache für die hohe Krebsrate in Bothel auf den Grund zu gehen, hat der Landkreis alle Einwohner der Samtgemeinde über 16 Jahren befragt. In einem ersten Fragebogen ging es darum, Erkrankte und Angehörige zu identifizieren. In einem weiteren Fragebogen wurden diese über ihre Lebensumstände befragt. So wurde unter anderem danach gefragt, ob Betroffene in der Erdöl- oder Erdgasindustrie gearbeitet haben und möglicherweise mit krebserregenden Stoffen in Berührung gekommen sind.

Tatsächlich hatte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) bereits im vergangenen Jahr erhöhte Quecksilberwerte in der Erdgasregion festgestellt. Insbesondere im Umfeld des Förderplatzes Söhlingen unweit von Bothel lagen die Messungen teils deutlich über dem Grenzwert. Etwaige Sanierungsmaßnahmen, aber auch strafrechtliche Konsequenzen wurden geprüft, aber bislang nicht eingeleitet. Das Landesbergamt wartet weitere Untersuchungen ab. 1,8 Millionen Euro investiert das Land in Bodenmessungen an 200 Erdgasförderplätzen in Niedersachsen. Dabei wird vor allem nach Krebs auslösenden Stoffen wie Quecksilber oder Benzol im Boden gesucht.

Die Bürgerinitiative in Bothel warnt schon lange davor, dass Schwermetalle bei der Erdgasförderung an die Oberfläche und über die Atemluft in den menschlichen Körper gelangen und dort Krebs auslösen können. Erst auf Drängen der Bürgerinitiative startete der Landkreis seine Fragebogenaktion. Landkreis-Sprecherin Christine Huchzermeier sagt: „Wir gehen das ergebnisoffen an. Wir wollen wissen, warum die Krebsrate in Bothel und in der Stadt Rotenburg so hoch ist.“

Um das herauszufinden, wurde beim Gesundheitsministerium in Hannover eigens eine Landesarbeitsgruppe eingerichtet. Dort werden die Daten des Krebsregisters mit den Untersuchungsergebnissen des Landesbergamtes und der Befragung des Landkreises verglichen und analysiert. Nach Einschätzung des Rotenburger Gesundheitsamtes wird die Ursache für die hohe Krebsrate in Bothel erst dann identifiziert werden können, wenn die Ergebnisse der Befragung vorliegen.

Bis dahin ist nicht auszuschließen, dass die erhöhte Krebsrate in Bothel auf die Erdgasförderung zurückzuführen ist.

Beim Erdbeben im August indes ist sich das Landesbergamt sicher, dass es wahrscheinlich einen Zusammenhang gibt. Schließlich hatte die Erde nur fünf Kilometer weiter in den Jahren 2004 und 2012 bereits viermal gebebt.

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