Bahnstrecke Bremen-Hamburg Baustelle macht Bahnfahren zum Abenteuer

Verden·Oyten·Bremen. Zwischen Ottersberg und Sottrum wird eine Autobahnbrücke abgerissen - das bedeutet: Fernreisezüge werden nach Verden umgeleitet. Die Bahn zeigt sich vorbereitet auf die erneute Ausnahmesituation.
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Von Johannes Heeg

Verden·Oyten·Bremen. Zwischen Ottersberg und Sottrum wird eine Autobahnbrücke abgerissen - das bedeutet: Fernreisezüge werden nach Verden umgeleitet. Die Bahn zeigt sich vorbereitet auf die erneute Ausnahmesituation.

Großstadtflair auf dem Bahnsteig in Verden. Mit dem Niedersachsenticket ausnahmsweise mal ganz legal im Intercity fahren. Und: Als Bahnpendler zwischen Oyten-Sagehorn und Rotenburg die Landschaft mal ganzanders, nämlich vom Bus aus betrachten - die Sprengung einer Autobahnbrücke zwischen Ottersberg und Sottrum macht es möglich. Überraschend dabei: Dass Fahrgäste vor Wut über Verspätungen und andere Unannehmlichkeiten in die Luft gegangen sind, ist nicht überliefert. Die Bahn hatte sich vorbereitet.

Von Verden mit dem Zug ohne Umsteigen bis nach Westerland oder gar Passau? Seit gestern macht's die Bahn möglich - indes eher unfreiwillig. Aufgrund von Brückenarbeiten an der Autobahn 1 ist derzeit ein Teil der Bahnstrecke zwischen Bremen und Hamburg gesperrt. Fernreisezüge werden daher nach Verden umgeleitet. Ab morgen Mittag soll aber wieder der reguläre Fahrplan gelten, hofft man bei der Bahn.

Lenker der Reisenden

Wer per IC oder ICE nach Bremen will, muss seit gestern in Verden aussteigen, um die Hansestadt von dort aus per Regionalzug anzusteuern. Reisende aus Richtung Osnabrück werden über Minden und Nienburg nach Verden gebracht, wo sie den Zug wechseln müssen. Dass es im Verdener Bahnhof geordnet zugeht, wie sich gestern Mittag bei einer kleinen Stichprobe zeigte, ist zum großen Teil Hermann Bollmann zu verdanken. Der Bremer Bahnhofsmanager betätigt sich dort als "Reisendenlenker". Im Zweischicht-Betrieb sorgt er mit Kollegen dafür, dass alle Reisenden in die richtigen Züge steigen.

Geduldig beantwortet Bollmann typische Fragen nach Verspätungen, nach dem richtigen Bahnsteig und nach Anschlüssen. Und er erklärt, warum Verden für zweieinhalb Tage zu einer regionalen Verkehrsdrehscheibe geworden ist: "Bei Stuckenborstel wird eine Autobahnbrücke gesprengt." Die Kundschaft reagiere "relativ gelassen" auf die Situation, sagt Bollmann, "es funktioniert ja." Für besondere Notlagen hält er besondere Trostpflaster bereit. So durften gestern einige Reisende, die mit dem Niedersachsenticket unterwegs waren, ausnahmsweise den IC benutzen.

Zurzeit fährt nämlich kein Regionalzug von Verden nach Rotenburg, weil die Strecke durch die vielen Fernzüge ausgelastet ist. Der Bus, der ersatzweise zwischen den Kreisstädten pendelt, war aber zeitweise so voll, dass zahlreiche Reisende eine Stunde auf den nächsten hätten warten müssen. Also verteilte Bollmann Berechtigungsscheine für den IC. Davon profitierte gestern unter anderem ein Pärchen aus Bremen, das in Hamburg einen Flieger nach Stuttgart erreichen musste und es ziemlich eilig hatte: "Wir wollen dort Verwandte besuchen."

Die einen können mit dem Intercity fahren, andere müssen mit dem Bus vorliebnehmen. Das trifft vor allem die Bahnpendler zwischen Bremen und Hamburg. Bis morgen Mittag müssen sie in Sagehorn aussteigen und in einen Bus steigen. Für Reisende ab Bremen, die im Hauptbahnhof mit zahlreichen Hinweisschildern auf die Änderungen aufmerksam gemacht werden, heißt das laut Bahn: Die Züge fahren zwischen 43 und 52 Minuten früher los, in Sagehorn müssen die Passagiere in den Bus umsteigen, bis Rotenburg fahren und von dort aus per Zug weiter nach Hamburg. Auch in der Gegenrichtung Rotenburg-Sagehorn verkehren Busse. Ab Sagehorn fahren die Züge Richtung Bremen

46 bis 48 Minuten später als planmäßig. Heute und morgen werden zudem jeweils vier Metronom-Züge über Verden umgeleitet: Die ME 82001 und 82003 (planmäßig 5.28 Uhr und 6.26 Uhr ab Bremen) fahren 32 bis 37 Minuten früher ab, machen einen Schlenker über Verden und verkehren ab Rotenburg in den planmäßigen Zeiten weiter Richtung Hamburg. Auch die ME 82030 und 82032 (planmäßige Ankunft in Bremen 21.24 und 22.23 Uhr) werden nach Bahnangaben über Verden geleitet und verspäten sich dadurch um bis zu 27 Minuten.

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