Ende 2015 ziehen Streitkräfte ab / Stadt in der Heide droht Verlust eines Drittels seiner Einwohnerschaft Bergen will Briten zum Bleiben bewegen

Im Herbst verlassen erste britische Soldaten die Lüneburger Heide, Ende kommenden Jahres ist der Abzug abgeschlossen. Noch weiß keiner, wie Militärflächen und Wohnungen künftig genutzt werden. Unter dem Motto „Considering Bergen“ lädt die Stadt die Briten zum Bleiben ein.
24.01.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Michael Evers

Im Herbst verlassen erste britische Soldaten die Lüneburger Heide, Ende kommenden Jahres ist der Abzug abgeschlossen. Noch weiß keiner, wie Militärflächen und Wohnungen künftig genutzt werden. Unter dem Motto „Considering Bergen“ lädt die Stadt die Briten zum Bleiben ein.

Für die vom Abzug der britischen Streitkräfte im kommenden Jahr betroffenen Orte in der Lüneburger Heide stehen die größten Herausforderungen noch bevor. Eine ursprünglich bereits Ende 2013 erwartete Entwicklungsstudie werde nun Ende März veröffentlicht, teilte ein Sprecher des Heidekreises in Bad Fallingbostel mit. Dringend erwartet werde eine Entscheidung des Bundes zum Umgang mit den Militärflächen, ohne die die Kommunen weder planen noch Investoren anwerben können. Konkrete Pläne zur Nutzung der Armeegelände gibt es noch nicht – rund 100 Unternehmen kamen allerdings zu einem Ideen-Workshop der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Im vergangenen März hatten die Briten den beschleunigten Abzug bekannt gegeben, vor einem halben Jahr kamen das Innenministerium mit Landräten und Kommunen in der Heide erstmals zu einem Runden Tisch zusammen. Die Briten wollen die großen Kasernen in Bergen-Hohne und Bad Fallingbostel bis Ende 2015 räumen. Tausende Soldaten und ihre Angehörigen kehren nach Großbritannien zurück, erste derzeit in Afghanistan eingesetzte Truppen verlassen Bergen bereits im Herbst. Rund 2000 Wohnungen in dem vom demografischen Wandel besonders betroffenen Landstrich werden frei.

„Man muss sich auf einen mehrjährigen Konversionsprozess einrichten“, sagt der IHK-Standortexperte Martin Exner in Lüneburg. „Es gibt aus meiner Sicht noch keinen zündenden Funken.“ Zumindest liege inzwischen aber ein exakter Zeitplan der Briten für den Abzug vor. „Wir stecken nach wie vor in einem Dilemma“, meint Exner. Unklar sei, welche Liegenschaften für eine Nachnutzung zur Verfügung stünden. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben müsse die Voraussetzung für die Vermarktung schaffen und den Kommunen zum Planungsrecht verhelfen.

„Die Wohnquartiere im Ort sind die Herausforderung“, sagt Stephan Becker, der Projektmanager der Stadt Bergen, die mit dem Abzug um den Verlust von einem Drittel ihrer Bewohner bangt. Bei etlichen der Mehrfamilienhäuser aus den Siebzigerjahren müsse über einen Abriss nachgedacht werden, zwei achtgeschossige Hochhaustürme stünden bereits leer. Obwohl sich der Abzug bereits abzeichnete, hätten die Briten zwischen 2007 und 2011 noch 265 neue Wohnungen in Doppelhäusern errichten lassen. Nun wollten die Streitkräfte versuchen, aus den noch acht bis zehn Jahre laufenden Mietverträgen für die Häuser herauszukommen.

Seitens des Landes werden die Kommunen vom Konversionsbeauftragten unterstützt, außerdem sucht ein interministerieller Arbeitskreis „Konversion“ nach Förderungsmöglichkeiten für die betroffenen Kommunen. Für Stadtentwicklungskonzepte steht auch Geld bereit. „Aufgabe der kommenden Monate wird zudem sein, die neu eingesetzten Landesbeauftragten und deren Ämter für regionale Landesentwicklung, in deren Zuständigkeitsbereich das Thema „Konversion“ ebenfalls fällt, mit den Herausforderungen der Kommunen vertraut zu machen“, sagt Innenministeriumssprecher Philipp Wedelich.

Unterdessen setzt die Stadt Bergen darauf, dass nicht alle Briten der Lüneburger Heide den Rücken kehren werden. Unter dem Motto „Bleiben in Bergen“ werden Briten am 4. Februar im Stadthaus bei einem Informationstreffen willkommen geheißen, bei dem über Arbeitsmarkt, Wohnen und Möglichkeiten des Schulbesuchs informiert wird. Becker schätzt, dass vor allem mit Deutschen verheiratete Briten daran interessiert sind. Unter dem Titel „Considering Bergen“ gibt es künftig auch monatliche Sprechstunden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+