Bier statt Bargeld: Dividende im Brauhaus Cronemeyers

Neuhaus. Frisch gezapftes Bier bekommt man überall in Gaststätten. In Neuhaus an der Oste aber ist das Bier nicht nur frisch gezapft, sondern auch frisch gebraut. Der Besitzer der Kneipe "Brauhaus" stellt als einziger selbständiger Brauer im Landkreis Cuxhaven sein eigenes Bier her.
19.05.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Helmut Stapel

Neuhaus. Frisch gezapftes Bier bekommt man überall in Gaststätten. In Neuhaus an der Oste aber ist das Bier nicht nur frisch gezapft, sondern auch frisch gebraut. Der Besitzer der Kneipe "Brauhaus" stellt als einziger selbständiger Brauer im Landkreis Cuxhaven sein eigenes Bier her.

Es ist früher Nachmittag im "Brauhaus". Hinter dem Tresen läuft das erste Cronemeyers mit Schaumkrone ins Glas. Olaf Schlichting zapft eine Runde für Stammgäste aus dem Ort. "Ich habe das Bier nach meinem Ururgroßvater benannt" sagt der Gastwirt nicht ohne Stolz. "Er war hier in der Gegend als Reichstagsabgeordneter ein sehr bekannter Mann und hat unter anderem dieses Haus gebaut."

Seit 2005 stellt Schlichting sein eigenes Bier her - eine dunkle und ein helle Variante. Bei den Gästen kommt beides gut an. "Ich mag allerdings das dunkle Bier lieber", sagt Stammgast Gustav Hillebrecht. "Das liegt am malzigen Geschmack. Eigentlich trinke ich nämlich gern Malzbier, aber davon wird einem nicht so schön schwindelig."

Rund 80000 Liter Bier hat Schlichting mittlerweile in Keller der Kneipe gebraut. Um das Geld für die teure Brau-Anlage zusammenzubekommen, hat er sich etwas einfallen lassen: Er hat mit Freunden, Nachbarn und Gästen eine Braugemeinschaft gegründet. "Dafür hat jeder 500 Euro eingezahlt. Auf die Summe gibt es jährlich 40 Prozent Zinsen. Ausgezahlt wird die Dividende allerdings nicht in Geld, sondern in Bier", sagt Schlichting. Die rund 40 Mitglieder der Braugemeinschaft finden das nicht nur prima, sondern auch lecker.

"Machst Du mir noch ein Dunkles, Olaf?", ruft Hillebrecht von hinten aus dem Schankraum. Er ist Vorsitzender der Braugemeinschaft und kennt das Geschmacksgeheimnis von Cronemeyers. "Dieses Bier wird mit Tiefen-Quellwasser aus der Wingst gebraut. Es ist durch geographische Untersuchungen nachgewiesen, dass der Ursprung der Quelle in Norwegen liegt", erzählt er.

Tatsächlich erfreut sich Cronemeyers auch gut sechs Jahre nach dem ersten Anstich ungebrochener Beliebtheit in der Region. "Bei der Eröffnung haben wir gleich acht Fässer ausgetrunken", erinnert sich Olaf Schlichting trotz der Biermenge deutlich. Seitdem braut er rund 450 Liter Bier pro Woche, die nur in dem kleinen Gasthaus verkauft werden dürfen. "Wir haben als Klein-Braustätte keine Lizenz für den Groß-Vertrieb und verkaufen nur an Endkunden", so Schlichting. Was nicht bedeutet, dass man das Bier nur in der Kneipe trinken kann. Cronemeyers wird auch in praktischen Zwei-Liter-Bügelflaschen frisch abgefüllt und gern von Einheimischen und Touristen mitgenommen. "Manche buchen hier auch gleich die Schnaps-Tour mit", erzählt der Wirt und gelernte Destillateur. 50 verschiedene Schnäpse von Absinth bis zum Zitronenlikör stellt er selbst her. "Und die werden alle bei der Besichtigung der Destille probiert. Wir machen die Tour ja schließlich nicht zum Vergnügen", sagt Schlichtiung und

lacht.

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