Niedersachsen

Bodenfelde ringt um seine Existenz

Bodenfelde. Eigentlich ist Bodenfelde pleite. Dem Städte- und Gemeindebund zufolge geht es dem Dorf im Weserbergland damit ähnlich wie jeder zehnten Gemeinde in Niedersachsen. Doch einen so rigiden Sparkurs wie Bodenfelde hat sich bisher wohl keine Gemeinde auferlegt.
16.01.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von JEAN-CHARLES FAYS

Bodenfelde. Eigentlich ist Bodenfelde pleite. Dem Städte- und Gemeindebund zufolge geht es dem Dorf im Weserbergland damit ähnlich wie jeder zehnten Gemeinde in Niedersachsen. Doch einen so rigiden Sparkurs wie Bodenfelde hat sich bisher wohl keine Gemeinde auferlegt. 'Wegen der hohen Betriebskosten hat sich die Gemeinde sogar per Bürgerentscheid dazu entschieden, das drei Jahre zuvor für 3,5 Millionen Euro sanierte Hallenbad zu schließen', sagt Bürgermeister Hartmut Koch verblüfft. Dennoch wuchsen Bodenfelde die Schulden über den Kopf.

Neben dem Hallenbad, dessen Betrieb jährlich 200.000 Euro Neuschulden verursachte, schloss die überschuldete Kommune eine in der Weseridylle gelegene Lesehalle, übergab Dorfgemeinschaftshäuser an Trägervereine, strich sämtliche Vereinszuschüsse, überließ die Pflege der Sportanlagen den Vereinen und die Hege sämtlicher kommunaler Grünanlagen - unter anderen des Friedhofsrasens - Ehrenamtlichen.

Ohne das Engagement eines ehrenamtlichen Fördervereins wäre auch das örtliche Freibad bereits geschlossen worden, denn die Betriebskosten zu tragen, wäre die Gemeinde nicht imstande. Aktuell versucht der Förderverein Freibad die Kosten zu decken, indem er das zugefrorene Schwimmbecken zur Schlittschuhfläche umfunktioniert hat. An Kreativität mangelt es den Bodenfeldern also nicht.

1,15 Millionen Euro eingespart

Trotzdem musste die Gemeinde im Landkreis Northeim in den vergangenen zehn Jahren 1,7 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen. Konsterniert sagt Bürgermeister Koch: 'Wir haben alle Leistungen gestrichen, zu denen wir nicht gesetzlich verpflichtet sind.' In 13 Jahren hatte das überschuldete 3400-Einwohner-Dorf damit 1,15 Millionen Euro eingespart. 'Sogar in der Verwaltung haben wir fünf Kräfte eingespart, indem wir auslaufende Verträge nicht verlängert haben. Mehr geht nicht', sagt Koch. Unter fünf Millionen Euro konnte er den Haushalt, mit dem auch die Kindergärten, Verwaltung, Feuerwehr und Jugendhilfe finanziert werden müssen, nicht drücken. Erschwerend kam auch noch die Finanzkrise hinzu. Im vergangenen Jahr nahm Bodenfelde rund 60 Prozent weniger Gewerbesteuer ein. Arbeitsplätze sind rar. Außer den Kanu- und Fahrradtourismus gibt es hier nur wenig.

Koch will bis 2015 Haushalt sanieren

Das hat zur Folge, dass die Bevölkerung überaltert und der Nachwuchs wegzieht. In zwei Jahren hat sich die Zahl der Einwohner um mehr als drei Prozent auf nur noch 3400 verringert - ein Dorf fürchtet um seine Existenz.

Das Land hat den Hilferuf Bodenfeldes im Oktober 2009 endlich erhört. Innenminister Uwe Schünemann lobte die Kommune für den konsequenten Sparkurs und gab ihr nach Angaben des Bürgermeisters als erster Gemeinde Niedersachsens eine sogenannte kapitalisierte Bedarfszuweisung von 1,2 Millionen Euro. Das entspricht rund 70 Prozent der in zehn Jahren aufgehäuften 1,7 Millionen Euro, die über den laufenden Haushalt nicht mehr ausgeglichen werden konnten.

Im Gegenzug verpflichtete sich die Gemeinde die restlichen Schulden von einer halben Million Euro bis 2015 selbst einzusparen. Sanierer Koch, der in einer seiner ersten Amtshandlungen vor rund acht Jahren schweren Herzens das Hallenbad schloss, ist sich sicher: 'Wenn wir die Steuerentlastungen des Bundes nicht mitfinanzieren müssen und so weitermachen wie bisher, dann schaffen wir das auch noch.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+