Dornumersiel nimmt Einladung zu Feuerwerk zurück / 25 000 Euro Bußgeld drohen

Böllern am Strand verboten

Nicht überall darf das neue Jahr mit Raketen und Böllern begrüßt werden. So gilt für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer übers ganze Jahr ein absolutes Böllerverbot, an das sich allerdings nicht alle halten. So hat die Gemeinde Dornumersiel für heute Abend Bevölkerung und Gäste zum Feuerwerk an den Strand geladen – die Rechnung aber ohne den Wattenrat gemacht.
31.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Böllern am Strand verboten
Von Hans Ettemeyer

Nicht überall darf das neue Jahr mit Raketen und Böllern begrüßt werden. So gilt für den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer übers ganze Jahr ein absolutes Böllerverbot, an das sich allerdings nicht alle halten. So hat die Gemeinde Dornumersiel für heute Abend Bevölkerung und Gäste zum Feuerwerk an den Strand geladen – die Rechnung aber ohne den Wattenrat gemacht.

Der Landkreis Aurich hat die Dornumer Tourismus GmbH zurückgepfiffen und an das im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer geltende Verbot von Silvesterfeuerwerk erinnert. Noch am Montag hatte die Touristikgesellschaft auf ihrer Internetseite und in Presseveröffentlichungen Urlaubsgäste und Einheimische für heute Abend zu einer „kleinen, rustikalen Veranstaltung“ mit Glühwein am Strand in Dornumersiel eingeladen und vorfreudig geschrieben: „Dann ist es endlich soweit, das Feuerwerk über den Inseln und an der Küste beginnt, und die Besucher selbst legen los und starten ihre Raketen.“ Doch daraus wird heute Abend nichts – zumindest am Strand in unmittelbarer Nähe zum Wattenmeer.

Nach Ansicht von Manfred Knake vom Wattenrat verstößt die Silvesterknallerei am Strand eindeutig gegen das Nationalparkgesetz. „Im Wattenmeer rasten zurzeit Abertausende von arktischen Gastvögeln. Böller und Raketen versetzen sie in Panik, sie verlassen fluchtartig ihre Schutzgebiete. Dabei verbrauchen sie die Fettreserven, die sie sich für den Weiterzug in die Überwinterungsgebiete angefressen haben.“ Knake erstattete deshalb am Montag Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Aurich. Gleichzeitig informierte er den Landkreis Aurich als Aufsichtsbehörde.

Der Landkreis reagierte prompt: „Wir haben die Dornumer Tourismusgesellschaft in einem Schreiben auf die Gesetzeslage hingewiesen“, sagte gestern Landkreissprecher Torsten Redenius auf Nachfrage. Danach können Verstöße gegen das Böllerverbot mit einem Bußgeld von bis zu 25 000 Euro geahndet werden. Die Dornumer Tourismusgesellschaft habe umgehend geantwortet und erklärt, der Einladungstext stamme aus dem Jahr 2012 und sei aus Versehen veröffentlicht worden, berichtete Redenius. Inzwischen gebe es einen aktualisierten Text.

Die Dornumer Touristiker laden nun „zu einer ruhigen, besinnlichen Silvesterveranstaltung am Strand“ ein. Die Gäste werden jetzt gebeten, „aus Rücksicht auf die vor Ort lebenden Tierarten, auf das Zünden von Silvester-Feuerwerk zu verzichten und so einen Teil dazu beizutragen, den einzigartigen Lebensraum für Millionen von Rast- und Zugvögeln zu erhalten“.

„Da hat sich die Dornumer Tourismus GmbH innerhalb weniger Stunden vom Saulus zum Paulus gewandelt“, ätzt Wattenrat-Sprecher Knake. Über die Erklärung, man habe versehentlich einen Text aus dem Jahre 2012 veröffentlicht, kann er sich nur wundern: „Auch 2012 war es schon verboten, im Nationalpark Feuerwerk zu zünden.“

Damals habe der Wattenrat ebenfalls Anzeige gegen die Verantwortlichen in Dornumersiel erstattet, sagt Knake. Man habe auch wochenlang gegen die Veranstalter ermittelt, doch schließlich sei das Verfahren eingestellt worden, weil die Polizei keine Störung der Vögel habe feststellen können. Dabei hätten Gäste und Dorfgemeinschaft am Neujahrsmorgen auf Einladung des Tourismusgesellschaft am Strand von Dornumersiel 130 Kilogramm Böllermüll eingesammelt.

Dass es heute Abend still bleibt am Strand von Dornumersiel, glaubt Knake nicht: „Eine wirksame Kontrolle des Feuerwerksverbots wird es wie in den vergangenen Jahren nicht geben.“ Dafür fehle den wenigen ehrenamtlichen Nationalpark-Rangern die Handhabe, und die Polizei habe in der Silvesternacht sicher anderes zu tun. Das Einschreiten des Landkreises sei gleichwohl ein Novum in der 29-jährigen Geschichte des Nationalparks. Und zum Glück herrsche diesmal genau zur Jahreswende Niedrigwasser, da seien die Vögel weit draußen im Watt und nicht unmittelbar dem Licht und Lärm von Raketen und Böllern ausgesetzt. „Aber es stört dennoch gewaltig.“

Auf Spiekeroog hat man deshalb in diesem Jahr erstmals das Silvesterböllern verboten. „Beispielhaft“, sagt Knake. Für Norderneys Bürgermeister Frank Ulrichs ist Spiekeroog kein Vorbild: „Böllern gehört Silvester dazu. Das ist es, was die Leute wollen“, zitiert ihn die „Ostfriesenzeitung“.

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