Landesamt ordnet Rückbau der Eldöl-Deponien im Emsland an Bohrschlamm belastet Boden

Zehntausende Tonnen belasteter Bohrschlamm lagern unweit des Erdölfeldes Rühlermoor im Emsland im Boden. Jetzt hat das Landesbergamt die umweltverträgliche Entsorgung der Altlasten angeordnet. Die Rückbaukosten gehen in die Millionen Euro.
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Von Silke Looden

Über Jahrzehnte wurde belasteter Bohrschlamm aus der Erdölförderung einfach im Boden vergraben. Die Altlasten stellen eine potenzielle Gefahr fürs Grundwasser dar. Jetzt hat das Landesbergamt die Sanierung der letzten noch in Betrieb befindlichen Bohrschlammgrube in Niedersachsen angeordnet. Zehntausende Kubikmeter kontaminierter Schlamm müssen im Emsland entsorgt werden.

Rühlermoor. Unbeeindruckt senken und heben sich 130 Pferdekopfpumpen auf dem Erdölfeld Rühlermoor bei Meppen im Emsland. Täglich werden dort 750 Tonnen Erdöl gefördert. Es handelt sich um das wohl größte Vorkommen in Deutschland. Etwa ein Drittel von geschätzten 100 Millionen Tonnen Erdöl wurden seit den 50er- Jahren gefördert. Entsprechend groß ist die Menge an Bohrschlamm, der bis heute in Gruben unweit des Erdölfeldes zwischengelagert wird.

Ab 2015 ist damit Schluss. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat den Rückbau der Ölschlammgrube Rühlermoor angeordnet. 46000 Kubikmeter kontaminierte Erde müssen dort ausgehoben werden. Die Betreiberfirma GDF Suez E&P Deutschland GmbH mit Sitz in Lingen rechnet mit mehreren Millionen Euro Rückbaukosten. „Wir haben Rücklagen für den Rückbau gebildet“, sagt Sprecherin Annika Richter. Bis 2018 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Anschließend soll die ehemalige Deponie regelmäßig überprüft werden, um etwaige Gefahren fürs Grundwasser rechtzeitig zu erkennen. Die Fläche selbst soll in ein Biotop umgewandelt werden.

Die Ölschlammgrube Rühlermoor ist die einzige noch in Betrieb befindliche in Niedersachsen. Neue unabgedichtete Deponien werden seit vielen Jahren nicht mehr genehmigt. Die Förderfirmen müssen den für das Grundwasser so gefährlichen Schlamm umweltverträglich entsorgen. Allerdings stehen noch acht stillgelegte Ölschlammgruben in Niedersachsen unter Bergaufsicht. Diese wurden teils bereits zurückgebaut. Die Gruben in Barenburg-Dillenburg (16500 Kubikmeter) sowie die Gruben Erika (35000 Kubikmeter) und Rühlertwist (16000 Kubikmeter) müssen noch saniert werden. Alle drei befinden sich in der Nähe des Erdölfeldes Rühlermoor, das vom Energieriesen Exxon Mobil betrieben wird.

Die Menschen in der Region sind besorgt ums Grundwasser. Und Exxon will die Förderrate in Rühlermoor erhöhen. Der Konzern verspricht, das Leitungsnetz für mehrere Millionen Euro zu modernisieren. Für die Altlasten in den Gruben aber ist die GDF Suez zuständig, die bereits im vergangenen Jahr deutschlandweit 40 Rückbauprojekte umgesetzt hat – vor allem in Sachsen-Anhalt, aber auch in Niedersachsen.

„Wir müssen die Sorgen der Menschen ernst nehmen. Der Grundwasserschutz hat Priorität“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Pasche bei seinem Besuch in Rühlermoor. Gleichwohl sei die Erdölförderung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region, nicht nur für Niedersachsen, auch für Deutschland sei das Erdölfeld von großer Bedeutung.

Neuer Ölschlamm wird als Sondermüll entsorgt, aufgearbeitet und meist verbrannt. Tatsächlich aber weiß nicht einmal das Landesbergamt, wie viel der Altlasten noch im niedersächsischen Boden schlummern. Zuletzt war im Landkreis Rotenburg nördlich von Stemmen eine Grube entdeckt worden, die das Landesbergamt stillgelegt und dem Landkreis übergeben hatte. Die Behörde aber wusste nichts von den Altlasten, bis sich ein Anwohner im Frühjahr wegen Ölschlieren meldete.
Das niedersächsische Umweltministerium indes hat eine Überprüfung stillgelegter Ölschlammgruben angeordnet, um diese gegebenenfalls sanieren zu lassen. Das könnte teuer werden. Nach dem geltenden Verursacherprinzip müssen die ehemaligen Betreiber oder deren Rechtsnachfolger dafür aufkommen. Ob diese in jedem Fall auszumachen sind, ist fraglich.

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