Bund beschließt Förderprogramm Breitbandausbau im Landkreis Osterholz?

Mit 2,7 Milliarden Euro wollen Bund und Länder die Internetanschlüsse in unterversorgten Gebieten verbessern. Davon profitiert auch der Landkreis Osterholz, der ein Glasfasernetz mit 50 Mbit/s favorisiert.
03.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter von Döllen

Mit 2,7 Milliarden Euro wollen Bund und Länder die Internetanschlüsse in unterversorgten Gebieten verbessern. Davon profitiert auch der Landkreis Osterholz, der ein Glasfasernetz mit 50 Mbit/s favorisiert.

Glasfasernetze gelten als wichtige Infrastruktur der Zukunft. Videos, Musik, Filme, TV, Cloud-Dienste oder das vernetzte Zuhause sind inzwischen normal. Und Unternehmen sind auf schnellen Datenaustausch angewiesen. Doch das ist erst der Anfang, glaubt Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des Breitband-Kompetenzzentrums Niedersachsen in Heilshorn. „Wir stehen vor einer digitalen Revolution, deren Auswirkungen wir noch nicht einschätzen können“, sagt er.

Dabei hat Deutschland ohnehin Nachholbedarf, wenn es um die Versorgung mit schnellen Internetanschlüssen geht. Insbesondere auf dem Land finden sich Regionen, die unterversorgt sind. Das soll sich nun ändern. Der Bund hat ein umfangreiches Förderprogramm beschlossen. Bis 2018 stehen inklusive Landesmittel insgesamt 2,7 Milliarden Euro bereit, mit denen unterversorgte Gebiete mit Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erschlossen werden sollen. „Mehr Förderung gab es noch nie“, sagt Beyersdorff.

Beim niedersächsischen Breitbandgipfel am 4. Dezember in der Stadthalle Osterholz-Scharmbeck machte sich eine Aufbruchstimmung breit. 280 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung ließen sich in einem Dutzend Referaten darlegen, welche Projekte und Modelle Hannover und Berlin bezuschussen wollen und wie die privaten Telekommunikationsdienstleister ihre Rolle dabei sehen. „Das Förderprogramm schafft gute Voraussetzungen für einen weiteren Ausbau“, findet Beyersdorff.

Über 300 Millionen Euro für niedersächsische Kommunen

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) steckte beim Breitbandgipfel den Rahmen für die niedersächsischen Kommunen ab. Das Land stelle 120 Millionen Euro bereit. Aus dem Fördertopf des Bundes kommen bis Ende 2018 weitere gut 200 Millionen Euro dazu. Jetzt lautet die Frage, was mit dem Geld gemacht werden kann und soll.

„Das Startsignal ist gefallen. Alle Landkreise bereiten sich auf die eine oder andere Weise vor“, erläutert Beyersdorff. Am Anfang steht für alle Kommunen ein so genanntes Markterkundungsverfahren. Förderung gibt es nur für Bereiche, in denen die Telekommunikationsanbieter nichts für den Ausbau tun wollen. Das müssen die Antragssteller vorher prüfen.

Das ist nicht immer einfach. „Unsere Fragen nach Ausbaustand und Planungen werden von den Unternehmen unterschiedlich beantwortet“, bemerkt Werner Schauer, Dezernent und Breitband-Beauftragter des Landkreises Osterholz. Die Telekom, so ist zu hören, zeige sich nicht gerade kooperativ. Belastbare Angaben über die tatsächliche und die geplante Versorgung der Haushalte seien nur schwer zu bekommen. Die Beteiligten Kommunen forderten deshalb: Bund und Land müssten mehr Druck machen.

Der Landkreis Hameln-Pyrmont hat das schon hinter sich und ist derzeit auf Suche nach einem Pächter für ein eigenes Glasfasernetz. Erstmals werden auch diese Betreibermodelle gefördert. Dabei realisieren die Kommunen ein eigenes Netz – meist mit Glasfaserkabel bis ins Haus – auf eigene Faust und vermieten sie an einen Betreiber. Das bedeutet zwar hohe Kosten. Die können allerdings durch die Pachteinnahmen teilweise refinanziert werden. „Uelzen ist noch einen Schritt weiter“, berichtet Beyersdorff. Ein Pächter wurde bereits gefunden. Der Landkreis wird nun einen entsprechenden Förderantrag stellen.

Soweit ist der Landkreis Osterholz noch nicht. „Wir hatten das schon 2008 überlegt. Aber wir waren zu früh dran. Das war vom Land damals nicht gewollt“, sagt Schauer. Die Kosten lagen bei 78 Millionen Euro. Allein war das nicht machbar. Mit den neuen Fördermöglichkeiten könnte nun ein neuer Vorstoß gemacht werden.

Landkreis Osterholz favorisiert Glasfasernetz

Klar ist das aber noch nicht. „Wir wollen nichts falsch machen“, erläutert Schauer die vorsichtigen Aussagen. In Frage käme auch eine klassischen Förderung, bei der Kommunen den TK-Anbietern helfen, Wirtschaftlichkeitslücken zu schließen. Sie werden damit in die Lage versetzt, unterversorgte Gebiete aufzurüsten. Dieses Modell kam bei der vergangenen Runde hauptsächlich zum Einsatz. Im Landkreis Osterholz ertüchtigte die EWE die Kabelverzweiger mit Glasfaserkabel. Von dort werden die Nutzer mittels Kupferkabel versorgt. Das hat physikalische Grenzen.

Schauer will für alle Lösungen offen bleiben, sagt aber: „Wir wollen ein Modell, das einer Versorgung mit 50 Mbit/s für alle Haushalte möglichst nahe kommt. Wahrscheinlich läuft es auf ein Glaserfasernetz hinaus.“ Das hält auch Beyersdorff für ideal – wenn es sich finanzieren lässt. „Sonst steht man in fünf Jahren vor der gleichen Frage“, sagt er. Ein Glasfasernetz könnte laut Beyersdorff theoretisch auch durch einen privaten Anbieter mittels Wirtschaftlichkeitsausgleich realisiert werden. „Wir stehen vor einer spannenden Zeit“, findet Beyersdorff.

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