Zehntausende wollen demonstrieren Castoren rollen wohl schon früher

Gorleben (rp). Der Atommülltransport nach Gorleben startet wohl schon einen Tag früher als zunächst geplant. Französische Anti-Atom-Aktivisten teilten am Wochenende mit, die Abfahrt des Zuges vom Bahnhof Valognes (Normandie) sei um 24 Stunden auf Mittwochnachmittag vorverlegt worden. Grund: Die Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague und die französische Bahngesellschaft SNCF befürchteten auch für Frankreich so massive Proteste, dass eine reibungslose Fahrt gefährdet sein könnte.
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Von Reimar Paul

Gorleben (rp). Der Atommülltransport nach Gorleben startet wohl schon einen Tag früher als zunächst geplant. Französische Anti-Atom-Aktivisten teilten am Wochenende mit, die Abfahrt des Zuges vom Bahnhof Valognes (Normandie) sei um 24 Stunden auf Mittwochnachmittag vorverlegt worden. Grund: Die Betreiber der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague und die französische Bahngesellschaft SNCF befürchteten auch für Frankreich so massive Proteste, dass eine reibungslose Fahrt gefährdet sein könnte.

Eine offizielle Bestätigung für die Vorverlegung gab es nicht, ein Sprecher der niedersächsischen Landesregierung konnte gestern keinen konkreten Termin nennen. Unbekannt bleibt auch, wann und an welchem Übergang der Transport die deutsch-französische Grenze passiert. Von drei Möglichkeiten ist aber ein Grenzübertritt zwischen Lauterbourg und Wörth (Rheinland-Pfalz) am wahrscheinlichsten. Die DB Regio RheinNeckar kündigte an, dass diese Strecke am Freitag für den Bahnverkehr gesperrt wird. Statt Regionalzügen verkehren dann Busse.

Rückschlüsse für die Ankunft des Transportes im Wendland lassen sich aus einer früheren Abfahrt kaum ziehen. Theoretisch könne der Zug zwar schon vor der für Samstag geplanten Großdemonstration in Dannenberg eintreffen, sagt "Ausgestrahlt"-Sprecher Jochen Stay. Gegen eine so frühe Ankunft spreche aber, dass das Versammlungsverbot an der Castor-Transportstrecke von Lüneburg bis Gorleben erst am 26. November um Mitternacht beginnt.

Die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg reagierte gelassen auf die Nachricht aus Frankreich. Die Camps und Küchen im Wendland seien ab Mittwoch bereit, Menschen zu beherbergen, zu beköstigen, zu informieren und zu versorgen, sagte die BI-Vorsitzende Kerstin Rudek. An dem Zeitplan für die heiße Phase der Protestaktionen im Wendland ändert sich zunächst nichts. Sie beginnen am Donnerstagmorgen mit einer Schüler-Demonstration in Lüchow. Auch an dem Termin für die große Kundgebung in Dannenberg am Samstag werde nicht gerüttelt, bekräftigen die Organisatoren. Alleine zu dieser Demonstration werden Zehntausende Menschen erwartet.

Nach Angaben von Greenpeace lehnen 68 Prozent der Deutschen den Castortransport ab, weil der Streit um die Strahlenmessungen am Zwischenlager in Gorleben nicht hinreichend geklärt sei. Die Umweltorganisation berief sich auf eine von ihr in Auftrag gegebene repräsentative Meinungsumfrage unter rund 1000 Bürgern.

Während das Umweltministerium in Hannover zu dem Ergebnis kommt, der Strahlengrenzwert werde in diesem Jahr nicht überschritten, prognostizieren die Umweltschützer für 2011 eine Strahlendosis oberhalb des Grenzwertes von 0,3 Millisievert. Damit wäre eine weitere Einlagerung hochradioaktiven Mülls nicht zulässig. Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat nach einem "Spiegel"-Bericht Zweifel, ob die Atommülllieferung zu Recht genehmigt wurde.

Gestern riefen Landwirte aus ganz Norddeutschland zur Beteiligung an Protesten gegen den Castortransport auf.

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