Rettungsplan für Elbfähre

Cuxhaven sucht Fährkonzept mit Tiefgang

Cuxhavens Oberbürgermeister Ulrich Getsch hat einen Spezialauftrag vom Stadtparlament bekommen: Suche Verbündete, rette die Fähre - so lautet die Forderung nach einer „ergebnisoffenen“ Hilfesuche.
12.12.2017, 21:13
Lesedauer: 4 Min
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Cuxhaven sucht Fährkonzept mit Tiefgang
Von Justus Randt
Cuxhaven sucht Fährkonzept mit Tiefgang

Große Klappe, zu wenig dahinter – das soll sich mit einem kommunalen Konzept für den Betrieb der Elbfähre ändern.

dpa

„Zeit spielt eine enorme Rolle“, wenn die Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel ohne die insolvente Elb-Link Fährgesellschaft weiter betrieben werden soll, davon ist Cuxhavens parteiloser Oberbürgermeister Ulrich Getsch überzeugt. „Wenn ich drei Jahre Pause mache, ist der Drops weitgehend gelutscht.“ Deshalb soll es jetzt Schlag auf Schlag gehen. Nachdem Elb-Link zwei Betriebsjahre nur mit Unterbrechung durchgehalten hatte und nach einer Umfirmierung im Frühjahr erneut zahlungsunfähig geworden ist, hat der Stadtrat Getsch beauftragt zu prüfen, ob und wie Cuxhaven gemeinsam mit Partnern oder allein eine Elbfähre betreiben könnte.

Kaum eine Woche ist vergangen, seit die Stadtratsfraktionen von CDU/FDP, SPD und Grünen ihrem Oberbürgermeister den Auftrag erteilt haben, „die Voraussetzungen für eine nachhaltige Fährverbindung“ zu prüfen und „wenn möglich, einen umsetzbaren Vorschlag zur Entscheidung“ vorzulegen. Am besten, so die politische Vorgabe, solle dies gemeinsam mit dem Landkreis Cuxhaven, dem Fährhafen-Gegenüber Brunsbüttel und dem Landkreis Dithmarschen geschehen. Auch die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein und die Metropolregion Hamburg ins Boot zu holen sei wünschenswert. „Notfalls“ aber müsse Cuxhaven allein einen Weg finden, die Fährverbindung aufrecht zu erhalten.

Getsch will alle Möglichkeiten nutzen

Oberbürgermeister Getsch ist bereits seit Oktober, als der Fährbetrieb ins Stocken geriet und sich die Betreibergesellschaft um ein Darlehen der Kommunen bemühte, im Gespräch. Bürgermeister Stefan Mohrdieck werde Kontakte knüpfen zu Land und Landkreis am anderen Elbufer. Zuhause, in Niedersachsen, will Getsch alle Möglichkeiten nutzen, die ihm sein Kommunalparlament eingeräumt hat: „Ich darf mich des Wissens von Experten bedienen“, sagt er und hat bereits erfolgreich betriebene Fähren im Blick, deren Konzept vielleicht zum Vorbild werden könnte. Getsch denkt beispielsweise an die Verbindung Brake-Sandstedt und Bremerhaven-Blexen.

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Und ein erstes Expertengespräch hat Ulrich Getsch ebenfalls bereits hinter sich: Jürgen Grzeskowiak, Ingenieur und früher bei der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Cuxhaven unter anderem zuständig für die Begutachtung und Zulassung von Fähren, hatte den Oberbürgermeister seiner Wahlheimat Cuxhaven zum Austausch in Sachen Elbfähre eingeladen. Dabei unterstrich Grzeskowiak, „was ich ständig wiederhole“, seit Elb-Link 2015 an den Start gegangen ist.

Genau genommen hat es der frühere Bremer sogar noch eher gewusst: Mit den mehr als 90 Meter langen, auf Seebetrieb ausgerichteten Fähren könne die Verbindung nicht wirtschaftlich befahren werden. Das sei bereits absehbar gewesen, als 2001 die mit ähnlich großen Schiffen verkehrende Elbe-Ferry des Bremer Unternehmers Egon Harms den Betrieb zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel einstellte – nach knapp zwei Jahren. Zu hoher Treibstoffstoffverbrauch und zu viel Personal an Bord – bedingt durch die Seeverkehrszulassung der von Elb-Link eingesetzten Schiffe – seien auch Auslöser der aktuellen Unternehmensmisere gewesen.

Experte plädiert für kleinere Schiffe

Grzeskowiak hat den Elb-Link-Betrieb akribisch dokumentiert und tausendfach Daten, etwa über die Auslastung der Fährfahrten, ausgewertet. Das Ergebnis seiner Kalkulation führt zum Stand von 2014. Damals hatten die Wirtschaftsförderungsgesellschaften von Cuxhaven und Brunsbüttel eine bereits zehn Jahre alte Studie zur Machbarkeit einer Fährverbindung über die Elbe aktualisieren lassen. Mit dem Ergebnis: „grundsätzlich ja“. Grzeskowiak meldete sich zu Wort und plädierte dafür, kleinere Schiffe einzusetzen, möglichst mit Gas- und Hybridantrieb.

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Mit einem Bremer Partner hat der Ingenieur eine Ausschreibung für entsprechende Schiffe gestartet, zwei deutsche und zwei türkische Werften hätten Angebote gemacht, sagt er, mindestens eine Fährgesellschaft sei als potenzielle Betreiberin im Gespräch. Rund 20 Millionen Euro koste demnach ein Schiff mit Gas-/Hybridantrieb, das 19 Knoten schnell sei und einen stündlichen Überfahrt-Takt gewährleiste – sofern zwei Fahrzeuge zur Verfügung stünden.

Das haben Jürgen Grzeskowiak und Mitstreiter Oberbürgermeister Ulrich Getsch Anfang der Woche in einem „reinen Informationsgespräch“ dargelegt. „Wir haben da ja vieles schon geleistet“ sagt der Ingenieur. „Meine Aufgabe sehe ich darin, die Politik endgültig auf den richtigen Weg zu bringen.“ Dazu gehört, dass künftige Fähren kleiner, auf Wind- und Wetter in der Elbmündung zugeschnitten und als Binnenschiffe zugelassen sind. „Wir können dann auf jeden Fall zwei bis drei Millionen Euro Gewinn pro Jahr erzielen, mit Catering zwei Millionen Euro mehr.“

Fähren aus Griechenland im Gespräch

Während Ulrich Getsch die Zeit unter den Nägeln brennt, ist Jürgen Grzeskowiak weiterhin überzeugt davon, dass es exakt auf den Bedarf zugeschnittene Schiffe nicht zu kaufen gebe, „man muss sie bauen“. Das würde nach seiner Schätzung zwei Jahre dauern. Der Oberbürgermeister, der „in alle Richtungen prüfen“ soll, glaubt unterdessen: „Es gibt genug Schiffe, die man charten oder kaufen könnte. Die sind vielleicht nicht optimal, wären aber ohne große Verzögerung zu bekommen. In Griechenland gibt es aktuell Zugriff auf 15 Fähren.“

Auch wenn es schnell gehen muss: Noch ist nicht geklärt, welche rechtlichen Möglichkeiten die Kommunen haben, ins Fährgeschäft einzusteigen. Laut Getsch ist dazu – beispielsweise – eine Infrastrukturgesellschaft denkbar. Die Städte Cuxhaven und Brunsbüttel und die Landkreise Cuxhaven und Dithmarschen könnten entsprechende Schiffe kaufen oder bauen und sie an einen privaten Betreiber verchartern.

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