Ausgelassene und vor allem friedliche Stimmung auf dem Hurricane-Festival in Scheeßel "Da geht bestimmt noch mehr"

Nach einer kurzen Nacht erwacht die Zeltstadt, die für drei Tage am Scheeßeler Eichenring aufgebaut ist. Die Rotenburger Polizei freut sich über ein friedliches Hurricane-Festival - bis gestern nahmen die Beamten knapp 25 Diebstahldelikte auf. Mehr zu tun hatten die Rettungssanitäter auf dem Festivalgelände: Sie mussten rund 900 Mal helfen.
24.06.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrike Prange

Nach einer kurzen Nacht erwacht die Zeltstadt, die für drei Tage am Scheeßeler Eichenring aufgebaut ist. Die Rotenburger Polizei freut sich über ein friedliches Hurricane-Festival - bis gestern nahmen die Beamten knapp 25 Diebstahldelikte auf. Mehr zu tun hatten die Rettungssanitäter auf dem Festivalgelände: Sie mussten rund 900 Mal helfen.

Scheeßel. Festivalbesucher stecken die Köpfe aus den Zelten und blicken müde erst in den Himmel, dann in die Runde. "Der Tag fängt morgens schon lustig an, wenn man sich gegenseitig anschaut", sagt Susan Schuchardt und lacht. Seit einigen Jahren steht bei der 26-Jährigen aus Neustadt in Holstein und ihren Freunden das Hurricane-Festival jedes Jahr im Kalender. "Der Höhepunkt des Jahres, wie Urlaub", sagt sie und blickt zufrieden in die Runde.

Nebenan steuern andere Camper wortkarg, mit um den Hals geschlungenen Handtüchern und Kulturbeuteln unter dem Arm die Duschen auf dem Campingplatz an. Währenddessen ziehen die Rauchschwaden über das Gelände. Die ersten Gruppen werfen den Grill an, zum Frühstück gibt’s dann Wurst und Bier. Oder Toastbrot mit Ketchup, wie bei der Gruppe aus Neustadt. "Zum Grillen war es uns zu windig", erzählt Ann-Kathrin Schmidt. Lena Danker kramt derweil in ihrem Zweitzelt. Darin haben sie und ihr Freund alles verstaut, was nicht mehr ins Schlafzelt passte: Schubkarre, Klappstühle, Ghettoblaster, Taschen, Spiele, Getränke. Schließlich verbringe man viel Zeit auf dem Campingplatz. "Meist will man bestimmte Bands sehen, und es ist ja schon auch teuer, auf dem Gelände zu essen und zu trinken", schiebt Daniel Grundt hinterher.

Überall Musikfetzen

Der Zeltplatz ist jetzt erwacht, die Nachtschwärmer stocken ihre Vorräte in Scheeßeler Supermärkten auf und pilgern mit Getränken und Snacks bepackt zurück zum Eichenring. Dort vertreiben sie sich ihre Zeit mit Sackhüpfen, Ballspielen oder Tanzen. Von überall her wabern Musikfetzen über den Platz. Die Gruppe um Lena Danker schaut dem bunten Treiben zu – schließlich haben sie den Standort ihrer Zelte so gewählt, dass sie alles im Blick haben. "Das ist wie eine Flaniermeile hier, und auch nachts gut zu finden." Nicht ganz unwichtig in dem Meer von Zelten.

Zwar kommen die Neustädter auch wegen der Bands nach Scheeßel, ein bisschen Gewohnheit sei aber auch dabei. "Man ist mit Leuten zusammen, es ist total entspannt hier", sagt die 26-Jährige.

Diese Atmosphäre ist es auch, die Jörg Heyer so schätzt. "Die Leute hier sind offener, es ist gemütlich, und das Publikum mischt sich – schließlich sind auch ältere Besucher hier", findet der Mann aus Siegburg. Ihm haben es besonders die Hauptbands The Cure und die Ärzte angetan, die heute Abend das Hurricane beschließen. Dann aber wird Heyer nebenan stehen, bei den Briten von New Order. "Die Ärzte habe ich schon mal gesehen, und ich würde immer den internationalen Bands den Vorzug geben."

Andere lassen sich überraschen. Vor der Hauptbühne sitzen die Menschen entspannt in der Sonne, hüpfen oder tanzen. "Free Hugs" – kostenlose Umarmungen steht auf dem Schild, das Tammy Wallstab sich umgehängt hat. "Ich brauche Liebe und gebe Liebe weiter – davon kann man ja nie genug haben", sagt sie. Die junge Frau ist mit ihrem besten Freund Jens Jungmann aus Havelland in Brandenburg angereist. Um ihr Abitur zu feiern, haben sie sich gegenseitig das Festivalticket geschenkt. 20 Leute, schätzt die 19-Jährige, habe sie in der letzten Stunde umarmt. "Da geht bestimmt noch mehr", sagt ihr Kumpel.

Umarmt wird auch, wer kein entsprechendes Schild hat. Denn je später der Abend, desto mehr Menschen strömen zwischen den Bühnen hin und her. Bis auf dem Eichenring der letzte Ton verklingt und die Masse langsam Richtung Zeltplatz schlendert – entweder in die Disco oder gleich ins eigene Zelt – schließlich beginnt in ein paar Stunden der letzte von drei Festivaltagen.

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