Dauerregen in Niedersachsen Dämme halten - Frau vermisst

Bei dem Dauerregen, der viele Gewässer anschwellen lässt, ist im Harz eine Frau verschwunden. In Goslar wurden Einwohner evakuiert. In Hildesheim ist die Evakuierung eines Viertels geplant.
25.07.2017, 08:40
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Während des Dauerregens ist im Harz ist eine 69-Jährige in der Nähe eines Flusslaufes verschwunden. Die Frau wohne direkt an der Holtemme in Wernigerode (Sachsen-Anhalt), sagte ein Polizeisprecher.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau am Dienstag in den stark angestiegenen Fluss gefallen ist. Die 69-Jährige wurde bis zum Mittwochvormittag noch nicht gefunden. Die Region um den Harz war von dem Dauerregen besonders getroffen worden. Zahlreiche Straßen wurden überflutet, Keller liefen voll. Rettungskräfte waren im Dauereinsatz.

Nach dem starken Regen kämpfte die Feuerwehr in Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt am Mittwochmorgen vielerorts gegen drohende Überschwemmungen. „Bisher halten unsere Dämme. Wir sind hier aber nach wie vor auf alles vorbereitet. Auch auf eine Evakuierung“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Hildesheim. Sollte ein bedrohtes Wohngebiet geräumt werden, wären laut Stadt 1100 Menschen betroffen.

„Die Türen einer Notunterkunft stehen offen“, betonte der Sprecher in Hildesheim. Zunächst habe sich nur rund ein Dutzend Menschen von selbst in die Unterkunft begeben und werde mit dem Nötigsten versorgt.

Die Feuerwehr in Hildesheim war in der Nacht mit rund 200 Kräften im Einsatz. „Wir verbauen Sandsäcke und prüfen, ob sie dem Druck stand halten“, sagte der Sprecher weiter. An einigen Stellen sickere Wasser durch die aufgeschichteten Säcke - jedoch ausschließlich an Grünflächen entlang der Innerste, einem Nebenfluss der Leine.

„Die Innerste hat in der Nacht am Pegel Heinde einen Rekord erreicht“, sagte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch. Beim Hochwasser 2007 stand das Wasser bei 675 Zentimeter, in der Nacht zum Mittwoch erreichte es die Marke von 694 Zentimeter. Eine unmittelbare Gefahr für die Menschen bestehe jedoch nicht.

In Thüringen rückten die Rettungskräfte am Mittwochmorgen zu keinen größeren wetterbedingten Einsätzen aus. „Seit Mitternacht war hier im Grunde Ruhe“, sagte eine Sprecherin des Lagezentrums. Die Pegelstände steigen demnach nur langsam. In Göllingen im Kyffhäuserkreis verstärkte die Feuerwehr nach heftigen Regenfällen einen Damm an der Wipper.

Bei Thüringens Flüssen wird im Laufe dieses Mittwochs allerdings mit weiter steigenden Pegelständen gerechnet. Das berichtete die Hochwassernachrichtenzentrale. Am Vormittag war an acht Stellen der sogenannte Meldebeginn, allerdings nur an der Schmalkalde die Alarmstufe 1 erreicht worden.

„Die Welle läuft jetzt weiter flussabwärts“, sagte Sprecher Lutz Baseler auf Anfrage. Deswegen sei zu erwarten, dass an weiteren Pegeln vereinzelt Alarmstufe 1 und 2 erreicht werden. Die Warnungen vor Dauerregen blieben aktiv. So sei mit weiteren 20 bis 30 Litern Regen pro Quadratmeter zu rechnen, in Staulagen bis zu 50 Litern. Erst in der Nacht sollte der Regen von Westen her abklingen.

Wegen Dauerregens und Überflutungen hat der Landkreis Goslar Katastrophenalarm ausgerufen. Damit übernehme der Katastrophenschutzstab des Kreises die Einsatzleitung im Hochwassergebiet, teilte der Landkreis am Mittag mit.

Wegen starker Überschwemmungen ist in der niedersächsischen Stadt Bad Harzburg der Bahnverkehr komplett ausgefallen. Der Bahnhof der 23 000-Einwohner-Stadt sei gesperrt und auch die Bundesstraße 4 teilweise unpassierbar, sagte eine Polizeisprecherin. „Hier ist Land unter“, sagte eine Verwaltungsmitarbeiterin. Am Bahnhof des Ortes im Kreis Goslar stand das Wasser nach heftigem Dauerregen mindestens 20 Zentimeter hoch. 350 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz. Die Polizei orderte Verstärkung an.

Auch in Goslar war die Situation angespannt. Die Innenstadt wurde laut Polizei gesperrt. Das Hotel Kaiserworth sowie die Seniorenresidenz Theresienhof mussten evakuiert werden. Die Polizei erhielt Unterstützung von 60 Bereitschaftspolizisten.

Die Pegelstände der Innerste in Heinde (Landkreis Hildesheim) und der Nette in Groß Rhüden (Kreis Goslar) erreichten nach Angaben der niedersächsischen Hochwasservorhersagezentrale (HWVZ) neue Rekordwasserstände. Bereits am Vormittag lag der Wasserstand am Pegel Heinde 40 Zentimeter über dem Höchststand von 2007. Die Wasserstände seien an diesen Pegeln immer noch steigend, bis zum Abend würden aber die Scheitel voraussichtlich erreicht sein.

Dauerregen und teils kräftige Böen führten in Mecklenburg-Vorpommern vereinzelt zu Schäden. Ein Campingplatz in Hohenkirchen wurde überschwemmt. Auf Straßen gab es wegen des Wetters lange Autokolonnen. In Greifswald stürzte am Dienstag ein Baugerüst um und beschädigte vier Autos. Bei einem Unfall bei Dauerregen auf der Insel Rügen wurden zwei Urlauber lebensgefährlich verletzt.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sind in knapp zwei Tagen in der Mitte Deutschlands - von Südniedersachsen über Teile Thürigens und Hessens bis nach Nordbayern - mehr als 100 Liter pro Quadratmeter gemessen worden.

Wie der DWD am Mittwoch auf Facebook erläuterte, war bis zum Morgen der Spitzenreiter die Station Seesen am Harz mit 158 Litern. Es sei „ein breites Regenband, das sich von der Ostsee über die Mitte bis in den Süden zieht. Da dieses Band nach Osten wandert, lässt von Westen her der Regen nach. Aber von der Uckermark bis nach Ostsachsen sowie in Südostbayern regnet es noch bis morgen früh weiter.“ (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+