Trauer um Hybridbärin Darum musste Bärin Tips sterben

Zwei Tage nach dem Ausbruch von Bärin Tips im Osnabrücker Zoo ist die Betroffenheit noch immer groß. Bruder Taps hat nun zunächst Stubenarrest verordnet bekommen.
14.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Darum musste Bärin Tips sterben
Von Martin Wein

Zwei Tage nach dem Ausbruch von Bärin Tips im Osnabrücker Zoo ist die Betroffenheit noch immer groß. Bruder Taps hat nun zunächst Stubenarrest verordnet bekommen.

Tierpfleger hatten das 300 Kilogramm schwere Tier am Sonnabendnachmittag nach nur zehn Minuten im Teich der Klammeraffenanlage gestellt und nach vergeblichen Beruhigungsversuchen erschossen. Das Tier habe „eindeutige Angriffsgebärden“ gegenüber einem Mitarbeiter gemacht. Und ein Narkoseschuss hätte erst in zehn bis 20 Minuten gewirkt, erklärte Zoodirektor Michael Böer am Montag bei einer Pressekonferenz.

„Da Tips unglücklicherweise an einem Wochenende und nachmittags aus dem Gehege entwich, und der Zoo zu diesem Zeitpunkt ziemlich voll war, waren wir zu diesem schweren Schritt gezwungen, um unsere Besucher zu schützen“, sagte Böer weiter. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hatten sich rund 4000 Besucher im Zoo aufgehalten. Nach sofortigen Lautsprecherdurchsagen hatten sich fast alle ruhig in den Tierhäusern in Sicherheit gebracht. Eine Mitarbeiterin wurde von dem flüchtenden Tier umgestoßen, zog sich aber nur leichte Schürfwunden zu.

Eisbären als Botschafter des Klimawandels

Mit dem Ausbruch sorgte die 13 Jahre alte Bärin nun letztmalig für Schlagzeilen. Schon ihre Geburt hatte mit einiger Verzögerung ein internationales Medienecho hervorgerufen. Niemand im Zoo hatte damals erwartet, dass der alte Eisbär Elvis ein Auge auf die Braunbärin Susi werfen würde. In der gemeinsamen Anlage passierte aber genau das, nachdem Elvis mit Eisbärin Sonja die gemeinsamen Kinder nicht großgezogen, sondern getötet hatte. „Am 21. Januar 2004 lagen zwei kaffeebraune Wollknäuel in Susis Wurfbox“, erinnerte sich später Tieroberpfleger Ortwin Imming. Die an sich unbeteiligte Braunbärin Ossi hielt sich damals wohl für die Mutter, wurde scheinschwanger und säugte als Leihmutter den tiergärtnerischen Betriebsunfall.

Lesen Sie auch

Zunächst hatte der Zoo die Geburt der beiden Hybriden nicht öffentlich gemacht. Später wurden Tips und Taps zu Botschaftern des Klimawandels. Denn auch aus der freien Wildbahn tauchten Jahre später erste Meldungen über Mischlinge auf, nachdem sich Eis- und Braunbären aufgrund des schmelzenden Meereises zunehmend ein Habitat teilen.

Nach dem Ausbruch von Tips hat Zoochef Böer ihrem Bruder Taps jetzt Stubenarrest verordnet. Zunächst soll geklärt werden, wie die Bärin erst einen Elektrozaun, dann einen nur 40 Zentimeter großen Durchlass zum Nachbargehege und anschließend den dortigen Gitterzaun durchbrechen konnte. Dies sei nur möglich gewesen, da die Bärin gerade erst aus der Winterruhe aufgewacht und entsprechend abgemagert und dünn gewesen sei. „In dieser Phase zeigen Bären ein erhöhtes Erregungspotenzial, sie sind leicht reizbar, und ihr Verhalten ist daher schwer einzuschätzen“, erklärte Böer. Ansonsten sei Tips nicht nur ein Besucherliebling gewesen, sondern auch bei Mitarbeitern eine langjährige beliebte Zoobewohnerin.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+