Beim Göttinger Treffen zeigen Erfinder Hunderte neuer Ideen Das Gesellschaftsspiel lebt

Göttingen. „Irgendwann erkennt man, dass es noch etwas anderes gibt als Boxen“, sagt Gerhard Piaskowy. Auch deshalb hat der frühere Profi-Europameister im Halbmittelgewicht vor 30 Jahren damit begonnen,
12.06.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Matthias Brunnert

Göttingen. „Irgendwann erkennt man, dass es noch etwas anderes gibt als Boxen“, sagt Gerhard Piaskowy. Auch deshalb hat der frühere Profi-Europameister im Halbmittelgewicht vor 30 Jahren damit begonnen,
Gesellschaftsspiele zu entwickeln. Trotz der Schläge, die auch ein erfolgreicher Boxer einstecken muss, habe er sein Denkvermögen zum Glück nicht eingebüßt, sagt der 73-Jährige. „Mir fallen immer wieder neue Spiele ein.“

In Göttingen präsentiert der Ex-Boxer
seine aktuelle Kreation, ein Würfelspiel, das logisches Denkvermögen erfordert. Pias­kowy ist einer von mehr als 200 Erfindern, die am Wochenende am Spieleautoren-Treffen teilnahmen. Ins Leben gerufen wurde das Treffen 1983 vom Göttinger Spielerfinder Reinhold Wittig. Der 80-Jährige, der diesmal mit „Trödel-Trecker“ vertreten ist, sitzt dicht an dicht mit den anderen Autoren an Tischen in der Stadthalle. Überall wird erklärt, gezeigt, Probe gespielt. Manche
Autoren kommen schon seit Jahren nach Göttingen, so wie die Heidelbergerin Anna Oppolder. „An die 30 Spiele habe ich bisher erfunden“, sagt die Kunsthistorikerin. Drei davon wurden veröffentlicht. Das Treffen zieht aber immer wieder auch neue
Autoren an. Bertold Werkmann stellt sein erstes Spiel „Ziegenpeter“ vor. „Daran habe ich zwei Jahre lang getüftelt“, sagt der Grafik-Designer aus Frankfurt.

In Teamarbeit mit seinen Kindern hat der Göttinger Physiklehrer Martin-Ernst Kraus ein Spiel konzipiert, bei dem es um Grabräuber in einer Pyramide geht. Die Kinder freuen sich, weil schon mehrere Verlage
Interesse bekundet haben. Die digitale Konkurrenz verringert den Erfolg der Gesellschaftsspiele nicht. Im Gegenteil: Von vielen ursprünglichen Brett- oder Kartenspielen gibt es mittlerweile digitale Versionen.

Für die Spieleverlage ist das Göttinger Treffen fast ein Muss. Die Zahl der Unternehmen, die regelmäßig auf der Suche nach neuen marktgängigen Ideen sind, ist mittlerweile auf über 40 gestiegen. Auf der
Suche in Göttingen ist auch Alexander Wechsler vom Bochumer Spieleklub „Hippodice“. Er und seine Mitstreiter testen neue Spiele, geben den Autoren Feedback und stellen ihre Favoriten Verlagen vor. Fast 130 neue Spiele hat der Klub innerhalb eines Jahres unter die Lupe genommen. Zwei, drei Dutzend fanden die Tester wirklich gut.

Vom Spiele-Erfinden kann nach einer Schätzung mittlerweile etwa jeder zehnte der rund 450 in der Spiele-Autoren-Zunft organisierten Autoren leben.„Für mich ist es wie ein bezahltes Hobby“, sagt Ex-Boxer Piaskowy, der bisher fünf seiner Spiele veröffentlicht hat. Die Hoffnung des früheren Europameisters dürften allerdings die meisten Autoren teilen: „Man glaubt ja daran, dass man irgendwann den ganz großen Treffer landet.“

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