Verein aus Syke sorgt für Schlagzeilen "Das klassische Männerbild leidet"

Syke. Der Verein Agens ist eine Arbeitsgemeinschaft von Männern und Frauen, die die heutige Gleichstellungspolitik als einseitige Frauenförderung kritisieren. Im Interview erzählt der Vorsitzende Eckhard Kuhla, wo nach seiner Meinung Männer benachteiligt werden.
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Von Silke Looden

Syke. Der Verein Agens ist eine Arbeitsgemeinschaft von Männern und Frauen, die die heutige Gleichstellungspolitik als einseitige Frauenförderung kritisieren. Die "Agenser" sind gegen die "Gleichmacherei der Geschlechter". Agens hat im Internet großen Zulauf. Silke Looden sprach mit dem Vorsitzenden Eckhard Kuhla aus Syke.

Herr Kuhla, Feminismus ist für Sie ein Schimpfwort. Warum?

Eckhard Kuhla:Früher hat der Feminismus Großartiges geleistet, nämlich die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Heute haben wir einen Radikalfeminismus.

Sie kritisieren die "staatlich verordnete Gleichmacherei von Mann und Frau", die insbesondere Jungen in eine Identitätskrise stürzen soll...

Das Bild von Mann und Frau wird durch die heutige Gleichstellungspolitik in Frage gestellt. Wenn die Vielfalt der Geschlechter soweit geht, dass alles möglich ist, fehlen die identitätsstiftenden Vorbilder. Natürlich muss ein Mann auch die Freiheit haben, schwul zu sein. Aber das klassische Männerbild darf deshalb nicht schlecht gemacht werden. Dabei fällt es vor allem den Jungen schwer, Mann zu werden, also Stärke zu zeigen,wenn das Männliche überwunden werden soll.

Aber faktisch haben wir heute genauso Hausmänner wie Karrieremänner...

Es kommt darauf an, dass Frauen und Männer die partnerschaftliche Arbeitsteilung gemeinsam und frei ohne staatlichen Einfluss entscheiden können.

Wo sehen Sie die Männer benachteiligt?

Die krassesten Fälle sind die Männer, die zu Trennungsvätern werden. Diese werden im Umgangs- und Besuchsrecht beschnitten. Denn meist sprechen die Gerichte den Müttern die Kinder zu. Viele Männer gehen daran kaputt, werden von Leistungsträgern zu Leistungsempfängern.

Das gilt doch umgekehrt genauso...

Ja, aber das ist die Minderheit. Die allein erziehende Mutter ist die Ikone der feministischen Gesellschaft.

Agens fordert ein Betreuungsgeld für Mütter, damit diese in den ersten Lebensjahren des Kindes zu Hause bleiben können. Damit manifestieren sie doch, dass Gerichte der Mutter die Kinder zusprechen...

Da haben Sie recht. Aber wir dürfen hier nicht die familenrechtliche mit der familienpolitischen Ebene vermengen. Das Betreuungsgeld ist von der sorgerechtlichen Zuordnung der Kinder unabhängig. Wenn aber beide berufstätig sind, müssen Eltern immer wieder neu aushandeln, wer sich wann worum kümmert. Das funktioniert nur, wenn beide mit gegenseitiger Empathie die Rolle des anderen wahrnehmen. Das funktioniert nicht, wenn die Frau allein entscheidet, dass sie wieder arbeiten geht.

Nun, jede Frau sollte selbst entscheiden können, ob sie arbeiten geht...

Genau deshalb fordern wir Wahlfreiheit. Die Mutter sollte die ersten ein bis zwei oder drei Jahre beim Kind bleiben. Der Staat müsste das Geld, das er für einen Krippenplatz ausgibt, also durchschnittlich etwa 1000 Euro im Monat, der Mutter geben. Mit diesen 1000 Euro kann die Mutter dann eine Tagesmutter oder einen Krippenplatz bezahlen oder eben zu Hause bleiben. Anschließend brauchen Frauen ein staatliches Wiedereinstiegsprogramm.

Das gibt es doch schon...

Das greift aber nicht.

Wo sehen Sie Männer noch benachteiligt?

Frauen werden bei gleicher Qualifikation im öffentlichen Dienst und besonders an den Hochschulen männlichen Bewerbern vorgezogen. Das ist keine Bestenauslese. Und was die Gesundheit betrifft, da werden zig Programme für Frauengesundheit aufgelegt, aber Männer sterben schlicht und ergreifend sechs Jahre früher.

Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer.Viele arbeiten in Teilzeit...

Ja, das entspricht dem Berufswahlverhalten von Frauen, es bedeutet also keine Diskriminierung der Frauen. Es gibt nur wenige Beispiele, wo Frauen wirklich weniger verdienen. Wo Männer und Frauen die gleichen Qualifikationen mitbringen und die gleichen Arbeiten verrichten, werden sie in der Regel auch gleich bezahlt.

Gleichwohl schaffen es nur wenige Frauen in die Chefsessel...

Wenn die gesetzliche Frauenquote kommt, ist das der Weg der Gleichstellungspolitik in die Privatwirtschaft. Vom Aufsichtsrat aus können die Frauen dann Einfluss auf die Männer im Vorstand nehmen, damit der zum Beispiel mehr Frauen einstellt.

Was ist daran so schlecht?

Die Frauenquote ist eine doppelte Diskriminierung: Einerseits der Männer, die für den Posten ebenso geeignet wären wie die Quotenfrau. Andererseits werden Frauen diskriminiert, die im Unternehmen aufgebaut worden sind und denen dann eine Quotenfrau vor die Nase gesetzt wird. Die meisten Frauen wollen ihren Lebensentwurf selbst bestimmen, haben keine großen Karriereambitionen. Das ist typisch Frau.

Agens setzt sich für eine paritätisch besetzte Gleichstellungsstelle in den Rathäusern ein. Warum?

Frauen können keine Männerinteressen vertreten, weil sie die Probleme der Männer nicht verstehen.

Laut Familienministerium wird jede vierte Frau Opfer von körperlicher Gewalt. Sie thematisieren Gewalt gegen Männer?

Gewalt im häuslichen Bereich hat kein Geschlecht. Laut Polizeistatistik geht die Gewalt im häuslichen Bereich aber zu 90 Prozent von Männern aus. Woran liegt das? Frauen rufen die Polizei an, Männer nicht. Damit erscheinen sie auch nicht in der Polizeistatistik. Männer trauen sich nicht zuzugeben, dass sie Opfer einer Frau wurden.

Und was haben Sie gegen Frauenhäuser?

Man kann das Gewaltproblem nicht lösen, indem man Frauen von der Familie isoliert.

Aber Frauen in Not brauchen doch eine Zufluchtstätte...

Männer auch. Ich meine, es müsste eine Anlaufstelle für beide geben.

Warum wundert es Sie, dass sie in die rechte Ecke gestellt werden?

Wir wollen ein Betreuungsgeld für junge Mütter, damit diese die Wahl haben, ob sie arbeiten oder nicht. Wir wollen, dass Männer wieder Männer sein dürfen und Väter nach einer Trennung Väter bleiben können. Wir halten die Frauenquote für eine Diskriminierung beider Geschlechter. Warum ist das rechts?

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