Wiederaufbau der Friesenbrücke wird mindestens fünf Jahre dauern

Das Millionen-Projekt

Weener. Die vor einem Monat von einem Frachtschiff zerstörte längste deutsche Klappbrücke in Ostfriesland wird nach Bahnangaben frühestens in fünf Jahren wieder befahrbar sein. Beim bisherigen Stand der Untersuchungen werde es frühestens dann einen Neustart der Bahnlinie von Leer ins niederländische Groningen geben.
11.01.2016, 00:00
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Von Michael Evers

Die vor einem Monat von einem Frachtschiff zerstörte längste deutsche Klappbrücke in Ostfriesland wird nach Bahnangaben frühestens in fünf Jahren wieder befahrbar sein. Beim bisherigen Stand der Untersuchungen werde es frühestens dann einen Neustart der Bahnlinie von Leer ins niederländische Groningen geben. Wenn statt einer Wiederherstellung der Bahnbrücke bei Weener weitergehende Ausbauten vereinbart werden, kann alles noch länger dauern. Kalkuliert wird mit zwei- bis dreistelligen Millionenkosten.

Die 100 Meter lange „Emsmoon“ war am Abend des 3. Dezember in die geschlossene Friesenbrücke gekracht und hatte die Klappbrücke in ihren Grundfesten verschoben. Der beschuldigte russische Kapitän und sein Lotse schwiegen weiter, sagte die Auricher Oberstaatsanwältin Katja Paulke. Ausgewertet wird noch der Voyage-Data-Rekorder, der ähnlich wie ein Flugschreiber Stimmaufnahmen und verschiedene technische Daten speichert. Die Ermittlungen könnten noch Wochen dauern.

Der Landrat von Leer, Bernhard Bramlage (SPD), geht davon aus, dass in den nächsten Monaten geklärt wird, in welcher Form die Brücke wieder hergestellt wird. Auf ein Planfeststellungsverfahren, das die nötige Zeit dauert, könne rein rechtlich nicht verzichtet werden, sagte ein Bahnsprecher. Sicher sei, dass bei der Wiederherstellung der Brücke neue Technik zum Einsatz komme. Genietete Stahlträger wie bei der Nachkriegsbrücke gebe es nicht mehr.

Die Niederlande, die schon vor dem Unfall ein sehr großes Interesse an einem Ausbau der Bahnverbindung gezeigt hatten, griffen für die Sondierung der Lage zu einem ungewöhnlichen Mittel. Pioniere der niederländischen Streitkräfte rückten in Zivil zu der deutschen Brücke vor, um zu schauen, ob sie nicht eine Notbrücke anlegen können. Allein schon wegen der Klapptechnik erwies sich das als unmöglich.

Unterdessen wollen Deutsche und Niederländer den Ersatzverkehr auf der Verbindung verbessern. Der Umstieg von dem aus Groningen kommenden Zug auf den Ersatzbus soll nicht wie bislang in Win-

schoten, sondern erst in Weener erfolgen. Wie das Bahnunternehmen Arriva mitteilte, sollen die zusätzlich eingelegten Schnellbusse von Groningen nach Leer zunächst bis Ende Februar weiter fahren.

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