Wahlkreis Unterweser

Das sind die Direktkandidaten im Wahlkreis 59

Der Wahlkreis 59 umfasst die Gemeinden Beverstedt, Hagen im Bremischen, Lokstedt, Schwanewede und Hambergen. Gleich neun Kandidaten kämpfen um das Direktmandat. Wir stellen sie Ihnen vor.
10.10.2017, 18:20
Lesedauer: 11 Min
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Von Christian Valek, Jonas Mielke, Michael Schön, Albrecht-Joachim Bahr, Peter von Döllen, Ulf Buschmann

Im Wahlkreis 59 (Unterweser) bewerben sich neun Kandidaten bei der Landtagswahl am 15. Oktober um das Direktmandat. Wir stellen sie heute auf einer Doppelseite vor. Der Wahlkreis 59 umfasst die Gemeinden Beverstedt, Hagen im Bremischen, Loxstedt und Schwanewede sowie die Samtgemeinde Hambergen.

SPD: Oliver Lottke

Oliver Lottke (SPD) ist davon überzeugt, dass es in den kommenden Jahren nicht um Schlagworte geht. "Jeder ist doch für den Breitband-Ausbau", stellt er klar. Stattdessen sei wichtig, mit einer starken Stimme in Hannover vertreten zu sein, so der 44-jährige Diplom-Sozialpädagoge aus Loxstedt. "Entscheidend ist, dass Gelder aus Hannover in den Wahlkreis fließen."

Damit der ländliche Raum eine Zukunft hat, müssten junge Menschen in der Region gehalten werden. Kita-Gebühren sollten schrittweise abgeschafft werden. Lottke setzt auf eine kostenfreie Ausbildung. Das betrifft auch den Erwerb von Meistertiteln und Weiterqualifizierungen. Damit könnten auch Nachfolger für Betriebe herangezogen werden, die vor einem Generationenwechsel stünden. Eine Abwanderung von jungen Menschen, die in Großstädten an Hochschulen und Universitäten studieren wollen, sei kontraproduktiv. "Wir müssen Anreize schaffen, um die Leute zu halten."

Dazu zähle auch, eine kostenlose Schülerbeförderung bis zum Abitur zu ermöglichen. Um die Unterrichtsversorgung zu verbessern, müssten mehr Seiteneinsteiger durch spezielle Programme für den Lehrerberuf gewonnen werden. Gleiches gelte für Berufe in Pflegebereichen. Um Menschen bis ins hohe Alter ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, setzt er auf den Ausbau von Pflegediensten und mehr öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Toll findet Oliver Lottke die Idee von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Der möchte den Kommunen in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Euro zukommen lassen. "Jede Kommune soll selbst entscheiden, ob sie damit den Breitband-Ausbau, den ÖPNV oder vielleicht den Bau von Sportplätzen voranbringen will", erläutert Lottke. Auch das helfe, den ländlichen Raum zu stärken, ist er überzeugt.

Oliver Lottke setzt auf das SPD-Direktmandat. Für eine Aufgabe als Landtagsabgeordneter fühlt er sich gut gerüstet. "Als Leiter einer Einrichtung mit 40 bis 50 Mitarbeitern habe ich auch die betriebswirtschaftliche Seite immer im Auge."

CDU: Bernd Beckmann

Christdemokrat Bernd Beckmann ist zum ersten Mal im Rennen um ein Direktmandat für den Landtag. Er beerbt Astrid Vockert, die bei der vergangenen Landtagswahl mit 6,9 Prozentpunkten Vorsprung das Direktmandat geholt hattee. Politisch ist der Beverstedter vor allem auf kommunaler Ebene etabliert: Seit 2006 ist er Mitglied im Samtgemeinde- und später Gemeinderat, seit 2016 hat er dort den Vorsitz der CDU-Fraktion und der CDU/FDP-Gruppe, zudem gehört er ebenfalls seit 2016 dem Cuxhavener Kreistag an.

Sein Ziel, sollte er per Direktmandat für die CDU in den Niedersächsischen Landtag einziehen, ist auch der Grund, warum er vor elf Jahren in die Kommunalpolitik ging: "Die Lebensbedingungen im ländlichen Raum zu verbessern", sagt Bernd Beckmann, "dafür trete ich an." Der Ausbau des Breitband-Netzes für einen schnellen Internetzugang, die Sicherstellung der medizinischen Versorgung, sowie die Erhaltung der Schulvielfalt sind für den Christdemokraten die zentralen Anliegen, damit die Lebensqualität im ländlichen Raum nicht hinter den Angeboten der Städte zurückfalle. Als Landwirt ist ihm zudem die Agrarpolitik ein wichtiges Anliegen: Er setzt sich dafür ein, verlässliche Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Agrarwirtschaft zu schaffen.

Der 49-jährige kennt die Region: Beckmann ist in Bremervörde geboren und in Köhlen aufgewachsen. Er ist Diplom-Betriebswirt, nach seinem Studium an der Fachhochschule Lüneburg arbeitete er in leitender Position als kaufmännischer Angestellter in Bremerhaven zunächst in der Fischwirtschaft und später im Elektro-Anlagenbau. Seit 1999 arbeitet Beckmann als Landwirt in Wollingst. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Fünf Jahre war er Vorsitzender des Schulelternrats der Waldschule Hagen / Beverstedt. "Dort habe ich gemerkt, dass bei vielen Problemen die Kommunalpolitik etwas bewegen kann und mich dafür interessiert, selber mitzuwirken", sagt er. "Dann kam mein Interesse automatisch irgendwann zu Fragen, die nur auf Landesebene entschieden werden können."

Grüne: Eva Viehoff

Chancengleichheit, Klimaschutz, umweltgerechte Mobilität und Ausbau der digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum – mit diesen in einer kämpferischen Bewerbungsrede angesprochenen Themen hat Eva Viehoff beim Listenparteitag der Bündnisgrünen im Land punkten können. Die Loxstedterin Eva Viehoff hat so den aussichtsreichen neunten Listenplatz erobert und sich dabei gegen drei Mitbewerberinnen durchgesetzt.

Als Direktkandidatin im Wahlkreis 59 bekommt Eva Viehoff es unter anderem mit Oliver Lottke (SPD) und Bernd Beckmann (CDU) zu tun. Die 58-jährige Agrar-Ingenieurin hat drei erwachsene Kinder und ist seit mehr als 20 Jahren bei den Grünen aktiv. Viehoff ist Sprecherin der Grünen-Kreistagsfraktion in Cuxhaven und engagiert sich im Vorstand der Loxstedter Kirchengemeinde St. Marien.

"Ich bin eine Kandidatin aus dem ländlichen Raum und für den ländlichen Raum", sagt Viehoff. Für sie ist die Digitalisierung daher von herausragender Bedeutung. "Es reicht nicht, wenn die Hauptstraßen schnelles Internet haben." Die Grünen machten sich für den Einsatz staatlicher Mittel stark, um zu verhindern, dass Menschen ihre gewohnte Umgebung verlassen, weil sie nur in den Städten die Infrastruktur finden, die sie brauchen. Auch ältere Menschen würden inzwischen Computer nutzen, deren Bedeutung wachse, "wenn der nächste Laden nicht gleich um die Ecke ist". Sie selbst arbeite "zu 80 Prozent im Home-Office".

Eva Viehoff reist gerne, besonders nach Skandinavien. Dort finde man sogar im Wald eine schnelle Internetverbindung. Der Klimaschutz, der Ausbau erneuerbarer Energien, die Gleichstellung der Geschlechter, überhaupt die Diversität beispielsweise in der Kultur und der Religion stehen bei ihr ebenfalls ganz oben auf der Themen-Agenda: "Vielfalt befördert die Innovation, das haben Statistiken auch von unverdächtigen, nicht-grünen Instituten belegt."

Eva Viehoff treibt Sport, wenn ihr die Politik dafür Zeit lässt, und ist ein "Serien-Junkie", wie sie gerne zugibt.

FDP: Marvin Jürgens

Er ist 20 Jahre alt, wohnt in Albstedt, einem Ortsteil von Hagen im Bremischen, und studiert im dritten Semester Rechtswissenschaften an der Uni Bremen: Marvin Jürgens, der bei den Landtagswahlen im Wahlkreis 59 für die FDP antritt. Platz auf der Landesliste: Nummer 57. Seinen politischen Werdegang beschreibt Jürgens wie folgt: erst Beisitzer im Kreisvorstand der FDP Cuxhaven, sodann stellvertretender Kreisvorsitzender für Finanzen und Programmatik der Jungen Liberalen Cuxhaven und schließlich Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe Bremen. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Digitalisierung, Bildung und Rechtsstaat. Er möchte zeigen, dass man auch als junger Mensch die Politik aktiv mitgestalten kann. Trotzdem die Frage: Als Junior auf einem Listenplatz, der vermutlich keinen Sitz im Landtag bringt, wie fühlt sich das an? Jürgens: „Sehr gut. Dann sieht man, dass ich mich engagiere.“ Außerdem sei er gut im Mittelfeld postiert. Auch wenn kein Mandat drin sei, sei es doch eine Chance. „Das macht mich stolz.“

Als künftiger Jurist dereinst mit vielen anderen Juristen im Land- oder Bundestag, da sieht Jürgens kein Problem? „Natürlich wäre es besser, wenn es in den Parlamenten eine bessere Berufsverteilung gäbe“. Aber als Jurist habe man halt einen besonderen Blick auf die Politik und damit auch einen Anreiz, diese Politik zu verändern.

Ganz oben auf der politischen Agenda steht bei Jürgens das Thema Digitalisierung. Die, betont er, „bietet uns zahlreiche Chancen, stellt uns aber auch vor große Herausforderungen. Wir brauchen ein leistungsstarkes Breitbandnetz, eine flächendeckende Versorgung mit LTE und einen Ausbau des GIGA-Netzes“. Außerdem brauche man ein Ministerium für Digitalisierung, um die behäbige, unkoordinierte und wenig zielführende Digitalpolitik, die über mehrere Ministerien, Gremien und Behörden verteilt betrieben wird, zu beenden. Schlussendlich meint er: „Kein Thema kann ohne Digitalisierung gedacht werden, weder in Verwaltung, noch im Rechtsstaat überhaupt.“

Linke: Benedikt Heineke

Benedikt Heineke ist erst vor zwei Jahren so richtig in die politische Arbeit eingestiegen. Er wurde Mitglied bei den Linken und kandidierte im Kommunalwahlkampf 2016 für den Kreistag Osterholz, den Samtgemeinderat Hambergen und den Gemeinderat Hambergen. Einen Sitz in diesen Gremien verpasste er allerdings. Jetzt versucht sich Heineke als Direktkandidat der Linken im Wahlkreis 59. "Einfach wird es nicht", sagt er. Der Angestellte im Sicherheitsbereich müsste das Direktmandat gewinnen – einen Listenplatz hat er nicht. Heineke tritt gegen acht weitere Bewerber an.

Heineke wurde 1983 in Osterholz-Scharmbeck geboren, ist ledig und lebt seit seiner Jugend in Hambergen. Er hat die Integrierte Gesamtschule in Buschhausen besucht und eine Ausbildung zum IT-Systemelektoniker absolviert. Aktuell ist er in Bremen für ein Sicherheitsunternehmen tätig. Politik habe ihn schon immer interessiert. "Wegen meines Vaters war ich lange Fan der SPD, aber kein Mitglied", sagt Heineke. Bei Beginn seines Studiums "Erneuerbare Energie" traf er vor sechs Jahren Gregor Gysi, den bekannten Politiker der Linken. Er habe einen Einführungskursus für Erstsemester gehalten. Die Linke stehe inzwischen für die sozialen Aspekte, die von der SPD versprochen würden. Das habe ihn bei seiner Partei überzeugt.

Benedikt Heineke geht davon aus, dass die Linke in den Landtag einziehen wird. Er wolle seinen Beitrag für dieses Ziel leisten, auch wenn er wenig Chancen für sich selber sieht. Kampflos will er das Mandat aber nicht aufgeben.

In seiner Heimatgemeinde hatte sich Heineke vergeblich für den Erhalt einer kleinen Grundschule stark gemacht. Das Thema Bildung sei ihm sehr wichtig. Er spricht sich für mehr Lehrer mit mehr Gehalt aus. Ein Ziel müsse es sein, diese auch auszubilden. Kleinere Grundschulen sieht er als Chance für eine bessere Bildung. Es lohne sich, diese zu erhalten. Als IT-Experte spricht sich Heineke zudem für einen raschen Ausbau von Breitbandanschlüssen aus. 100 Mbit/s reichten nicht aus.

AfD: Thomas Gutwein

Bei den Landtagswahlen ist Thomas Gutwein im Wahlkreis Unterweser der Direktkandidat für die Alternative für Deutschland (AfD). Gutwein (61) wohnt in Schwanewede, ist verheiratet und hat drei Kinder. Von Beruf ist er Fahrerlaubnisprüfer. Einer seiner politischen Schwerpunkte ist die innere Sicherheit. Hier fordert er – "gerade in Zeiten der terroristischen Bedrohung" – eine Verstärkung der niedersächsischen Polizei um mindestens 2000 Beamte samt modernster Ausstattung. Darüber hinaus spricht sich Gutwein für eine "zeitnahe Bestrafung angesichts der Zunahme jugendlicher Intensivtäter" aus. Dabei setzt er sich für schnellere Gerichtsverfahren ein, indem in Niedersachsen die dafür erforderlichen Stellen für Richter und Justizbeamte geschaffen werden.

Ein weiteres seiner Themen ist "Flüchtlingskrise und Integration". Hier wendet er ein, dass man "auch mit der Verharmlosung einer Massenmigration Wahlen gewinnen kann". Ursachen von Ängsten, so meint er, könnten rational oder irrational so verschieden sein wie Menschen. Deswegen setzt er hier auf Sachlichkeit und Besonnenheit wie aber auch auf "konsequente Anwendung unserer Gesetze". Zum Themenbereich Landwirtschaft gelte es für ihn, "unsere Landwirte von der Einengung durch die Brüsseler Bürokratie zu entlasten" und dass "die Agrarsanktionen gegen Russland schnellstens aufgehoben werden sollten".

In Sachen Energiepolitik fordert er die Abschaffung des EEG, Erneuerbare Energien Gesetz. "Zurzeit werden hauptsächlich zwei Ursachen für eine eventuelle Klimaerwärmung diskutiert: Schwankende Sonnenaktivität und/oder steigender Kohlendioxidgehalt (CO2) in der Atmosphäre." Er geht davon aus, dass Windenergie wetterabhängig und so unzuverlässig ist. "Die für ein Industrieland unverzichtbare, zuverlässige Energieversorgung mit gleichzeitiger Reduktion des industriellen CO2-Ausstoßes bietet unter anderem die Kernenergie.

So weit, so eindeutig. Bleibt nur eine Frage, wohin mit den Brennstäben? Gutwein: „Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht davon aus, dass bis 2050 ein betriebsbereites Endlager verfügbar sein wird.“

LKR: Bernd Vogel, Freie Wähler: Sanja Werner, parteilos: Hermann Wieters

Neben den Bewerbern der großen Parteien gibt es im Wahlkreis 59-Unterweser auch Menschen, die entweder kleinen Parteien angehören oder als Einzelbewerber für den Einzug in den neuen Niedersächsischen Landtag streiten. Konkret sind dies Sanja Werner von den Freien Wählern, Bernd Vogel von den Liberal-Konservativen Reformern (LKR) und Hermann Wieters als Einzelbewerber. Ihr Themenspektrum reicht vom Ausbau der Infrastruktur über innere Sicherheit bis hin zur Stärkung der Kommunen und kostenlosen Kitas und Schulen sowie dem breiten Spektrum sozialer Themen wie der Bekämpfung der Altersarmut und würdigem Altern.

Werner, Vogel und Wieters stehen im Großen und Ganzen für komplett eigene Themensetzungen, mit denen sich jeder Einzelne versucht, von der Konkurrenz abzuheben. Und doch gibt es einen Punkt, der die Drei vereint: Sie wünschen sich mehr Bewegung in der Politik mit neuem Input. Der jetzigen Landesregierung stellen Werner, Vogel und auch Wieters keine gute Note aus. Ihre Ablösung ist durch aus erwünscht. Dem 68-jährigen pensionierten Studienrat Bernd Vogel liegen der Ausbau der Straßen- und Breitband-Infrastruktur sowie der Autobahn A 20 und die innere Sicherheit am Herzen. Vogel steht ebenso dafür ein, die unkontrollierte Ausbreitung des Wolfs zu verhindern. Er sei eine Bedrohung der Weidetierhaltung. Den Ausbau der Infrastruktur sieht der LKR-Kandidat als Voraussetzung für eine gut gehende Wirtschaft in Niedersachsen an. Bei der inneren Sicherheit sieht er eine Verschlechterung, besonders durch Linksextremisten und Salafisten. Die 55-jährige frei schaffende Sanja Werner geht es darum, mitgestalten zu können. Sie sieht die anderen Parteien als Partner, um das Land voranzubringen. Die Kandidatin der Freien Wähler setzt sich für kostenlose Krippen und Kitas ein. Bildung fange bereits in der Krippe an und müsse bis zum Abschluss der ersten Ausbildung staatlich gefördert werden. Ausgemacht hat Werner auch eine zunehmende Handlungsunfähigkeit der Kommunen. Sie bräuchten ausreichend Geld, um bürgernahe Politik machen zu können.

Hermann Wieters, 60 Jahre alt und Mitarbeiter der Lebenshilfe, setzt auf soziale Themen. Ihm will Altersarmut bekämpfen und die Schullandschaft Niedersachsens verbessern. Auch die Bezüge der Landtagsabgeordneten erscheinen Wieters zu hoch. Der Einzelbewerber aus Hambergen fordert angemessene Renten für alte Menschen. Dass Senioren unabhängig vom Einkommen einen Platz im Pflegeheim bekommen. Zudem müsse es mehr Lehrer geben. Auch die Schulgebäude entsprächen nicht mehr dem heutigen Stand.

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