Landtagswahl am 15. Oktober

Das sind die Direktkandidaten im Wahlkreis 60

Rund 85.000 Wahlberechtigte gibt es im Wahlkreis 60, sechs Kandidaten kämpfen um das Direktmandat. Bei der vergangenen Wahl 2013 setzte sich Axel Miesner von der CDU durch. Wer wird es diesmal?
09.10.2017, 18:52
Lesedauer: 9 Min
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Von Lars Fischer, Brigitte Lange, Michael Wilke, Peter von Döllen, Klaus Göckeritz, Marius Merle
Das sind die Direktkandidaten im Wahlkreis 60

Axel Miesner (CDU) gehört seit 2003 dem niedersächsischen Landtag an.

fr

Ein Sextett streitet im Wahlkreis Osterholz um die Stimmen der rund 85.000 Wahlberechtigten und das Direktmandat. Der Wahlkreis 60 umfasst aus dem Landkreis Osterholz die Stadt Osterholz-Scharmbeck und die Gemeinden Ritterhude, Lilienthal, Grasberg und Worpswede sowie aus dem Landkreis Verden die Gemeinden Oyten und Ottersberg.

CDU: Axel Miesner

Axel Miesners Wahlziel ist klar: Der erfahrene CDU-Landtagsabgeordnete will die meisten Stimmen im Wahlkreis 60 holen und seinen ärgsten Konkurrenten, den Sozialdemokraten Jürgen Kuck, auf Distanz halten. 2013 lag Miesner fast 3500 Stimmen vor Kuck, das waren fünf Prozent Vorsprung. Der 52-jährige Elektroingenieur aus Worphausen sitzt seit 2003 im Landtag, 14 Jahre sind das jetzt. Sein halbes Leben macht Miesner Politik. 1991 war er der Youngster im Lilienthaler Gemeinderat, gerade mal 26 Jahre alt. Heute ist er doppelt so alt und immer noch da. 2001 zog der Christdemokrat für die CDU in den Osterholzer Kreistag ein. "Jeder hat seine eigene Philosophie", sagt Miesner. Seine beschreibt er so: Er sieht sich als Scharnier oder Schnittstelle zwischen dem Wahlkreis mit seinen Städten und Gemeinden, Bürgern und Betrieben und der Bühne der Landespolitik in Hannover. Er sieht sich als Kümmerer um die Anliegen der Menschen. "Da kann man Brücken bauen", sagt Miesner, der auf seine Kontakte zu Ministerien, Stiftungen und anderen Institutionen in Hannover verweist.

"Man muss schon Herzblut mitbringen und Freude an der Arbeit", sagt der CDU-Mann und Vater einer Tochter, der gerne Rad fährt und sich als Kind der Region beschreibt: "Ich habe eine gewisse Heimatliebe." Für die Region will er sich in Hannover ins Zeug legen. "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unser Raum attraktiv bleibt", betont Miesner. Nichts sei schlimmer, als wenn Menschen und Firmen wegzögen. Dann beginne die Abwärtsspirale.

Um die Region "zukunftsfähig" zu halten, macht sich Miesner für den Bau der B 74 als Ortsumgehung für Ritterhude und Scharmbeckstotel stark, für Straßensanierungen und für den Radwegebau. Das fehlende Radwegstück zwischen Otterstein und Vorwerk hat er auf dem Zettel. Schnelles Internet ist für den Worphauser ein Muss. "Wir müssen vermehrt Schulen und Gewerbegebiete in den Blick nehmen und alle Privathäuser versorgen", sagt Miesner. Ohne flächendeckende Breitbandnetze droht die Abwärtsspirale, das steht für ihn fest.

Grüne: Benjamin Meyer

Bunt mag es der Grüne Benjamin Meyer gern, auch im Politischen. Zu bunt wäre dem Worpsweder Landtagskandidaten allerdings eine Jamaika-Koalition auf Landesebene.

Bunt mag es der Grüne Benjamin Meyer gern, auch im Politischen. Zu bunt wäre dem Worpsweder Landtagskandidaten allerdings eine Jamaika-Koalition auf Landesebene.

Foto: fr

Als "Bunt, wild und grün" bezeichnet sich Benjamin Meyerauf seinen Wahlplakaten. Hinzufügen hätte man noch können, dass der Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen jung ist. Ein Greenhorn aber ist der 32-jährige Worpsweder dennoch nicht, für ihn ist es bereits die zweite Direktkandidatur für den niedersächsischen Landtag nach 2013. Seit 2011 engagiert sich der Erzieher und staatlich geprüfte Sozialwirt bei den Grünen, für die er auch im Kreisvorstand und als Landesdelegierter tätig ist.

Meyers Kernthemen sind Bildung und soziale Gerechtigkeit. Vieles von dem, was er verändern möchte, spielt in seinem Berufsalltag in einer Kindertagesstätte eine Rolle: So spricht sich der Grüne für den Ausbau der dritten Kraft im Kita-Bereich aus und dafür, schrittweise die Gebühren für die Betreuung abzuschaffen – ohne die Qualität der Arbeit einzuschränken. Meyer will darüber hinaus den von der Weil-Regierung vorangetrieben Ausbau der Personaldecke bei der Polizei weiter fortsetzen.

Ein weiteres wichtiges Feld ist für ihn der öffentliche Nahverkehr. Hier setzt er beispielsweise auf die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und engagiert sich als zweiter Vorsitzender im Förderverein Moorexpress. Neben seiner politischen Tätigkeit ist er Freizeit-Beauftragter des Worpsweder Reitervereins und erster Vorsitzender im Landwirtschaftlichen Verein Worpswede. Er leitet als ehrenamtlicher Teamer seit vielen Jahren Freizeiten des Jugendzentrums "Die Scheune" und lässt sich aktuell in seiner Freizeit zum Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) ausbilden. Als "normaler" Sanitäter ist er bereits bei der Worpsweder Bereitschaft des DRK bei zahlreichen Veranstaltungen oder auch im Katastrophenschutz im Einsatz.

Ein überzeugter Jamaikaner sei er nicht, betont der 32-Jährige. Bei diesem Koalitionsmodell sieht er zu große inhaltliche Differenzen bei den Beteiligten. Er wünscht sich für Niedersachsen eine Fortsetzung der rot-grünen Zusammenarbeit. Aber auch Rot-Rot-Grün sei auf Landesebene ein durchaus denkbares Modell, findet Meyer.

SPD: Jürgen Kuck

Jürgen Kuck stellt sich und seine politischen Ziele am Montag in der Otternklause vor.

Der 54-jährige Jürgen Kuck aus Ritterhude kandidiert für die SPD im Wahlkreis 60; Listenplatz 41.

Foto: FR

Als Kommunalpolitiker hat Jürgen Kuck die Erfahrung gemacht, dass viele Fäden auf Landesebene zusammenlaufen. "Die Kommunen bekommen nicht das Geld, das sie für die ihnen übertragenen Aufgaben brauchen", sagt er. Beispiel Kinderbetreuung. Zwar sei die Lösung dieses Problems, nicht allein in Hannover zu suchen. Auch der Bund trage hier Verantwortung. Aber sollte er von den Wählern des Wahlkreises 60 am 15. Oktober mit der SPD in den niedersächsischen Landtag gewählt werden, will er sich für ein besseres finanzielles Auskommen der Kommunen einsetzen. Stichwort: Finanzausgleich.

Nicht weniger wichtig ist dem 54-jährigen Sozialdemokraten das Thema Schulabschluss. "In Niedersachsen gibt es etwa 4500 junge Menschen ohne einen Abschluss." Für ihn ein unhaltbarer Zustand: "Wir können auf keinen von ihnen verzichten." Hier müsse eingegriffen werden, bevor die Jugendlichen die Schule verließen und das Kind in den Brunnen gefallen sei. Kuck spricht von Netzwerken, die gebildet werden müssen, um diese Jugendlichen aufzufangen.

Ein weiteres Thema, dessen Bedeutung er von der Gesellschaft bislang für unterschätzt hält, ist die Digitalisierung. "Das ist ein großer Bereich, der da auf uns zurollt." Kuck denkt an die Arbeitsplätze, die durch die Digitalisierung verloren gehen werden. Gleichzeitig aber auch an die, die dadurch neu geschaffen werden. Die Frage sei nun, wie die Menschen auf diesen Wandel vorbereitet werden können.

Kuck selbst wurde 1963 in Hagen im Bremischen geboren und lernte zunächst Elektroinstallateur, bevor er nach zehnjähriger Berufserfahrung ein Studium zum staatlich geprüften Techniker absolvierte, um schließlich vom Handwerk in den Lehrberuf zu wechseln. 1994 trat Jürgen Kuck der SPD in Ritterhude bei. Bei einer Veranstaltung hatte er als dreifacher Vater damals Kritik an der Kinderbetreuung in der Gemeinde geübt. Statt nur zu schimpfen, wurde er aktiv. Heute arbeitet er sowohl im Rat der Gemeinde Ritterhude als auch im Osterholzer Kreistag mit.

Linke: Herbert Behrens

OHZ

Der bisherige Bundestagskandidat Herbert Behrens (Die Linke) will nun Landespolitik machen.

Foto: Peter von Döllen

Zwei Wahlperioden lang war Herbert Behrens Bundestagsabgeordneter für DIE LINKE. Bei der vergangenen Bundestagswahl verlor er sein Mandat. Einen Listenplatz hatte er nicht. Der Osterholz-Schambecker, der die Politik als Hobby und Lebensinhalt sieht, hatte schon im Vorfeld zugesagt, bei der Landtagswahl für seine Partei anzutreten.

Für ihn ist es eine logische Entscheidung, sich auch im Landtag für die Menschen einzusetzen. „Ich habe schon im Bundestag viel Landespolitik gemacht“, bemerkt er und zählt beispielhaft auf: Hafen-, Breitband- oder Verkehrspolitik. Die Chance, in den Landtag einzuziehen sind nicht schlecht. Behrens ist nicht nur Direktkandidat. Er hat auch einen Listenplatz. Sollten DIE LINKEN in den Niedersächsischen Landtag einziehen, würden sie über mindestens sechs Plätze verfügen. Behrens wäre mit Platz vier gesetzt.

Herbert Behrens wurde 1954 als viertes von fünf Kindern in einer Arbeiterfamilie geboren und engagierte sich später in der Gewerkschaft. Die Gegensätze von oben und unten habe er immer wieder festgestellt. Er ist gelernter Schriftsetzer, verheiratet und hat einen Sohn. Er studierte Sozialwissenschaften, arbeitete als freier Journalist und als Gewerkschaftssekretär. Soziale Gerechtigkeit ist sein Kernthema.

Behrens will für einen Wechsel der Perspektive eintreten. Derzeit sei die Maxime: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut. Behrens sieht es anders. „Den Menschen muss es gut gehen“, sagt er. Dann funktioniere auch die Wirtschaft. Zudem habe DIE LINKE gute Vorschläge für die Bildung. Die derzeitige Landesregierung habe sich nach der Regierungsübernahme von den schwarz-gelben Vorgängern in der Schulpolitik vergaloppiert. Das gelte vor allem bei der Inklusion.

Der Landkreis Osterholz brauche eine bessere Glasfaser-Infrastruktur, sagt Behrens. Niedersachsen müsse in diesem Bereich viel mehr investieren. Weitere Themen seien die Bundesstraße 74 Neu und eine bessere Verkehrspolitik im ländlichen Raum.

FDP: Torsten Staffeldt

Torsten Staffeldt aus Grasberg, der für die FDP antritt, will das liberale Profil schärfen. Der Freidemokrat saß für seine Partei bereits im Bundestag.

Torsten Staffeldt aus Grasberg, der für die FDP antritt, will das liberale Profil schärfen. Der Freidemokrat saß für seine Partei bereits im Bundestag.

Foto: Klaus Göckeritz

Wenn Politik die Bildung voranbringen möchte, müsse sie auch neue Wege zulassen und Hürden für Quereinsteiger senken, betont Torsten Staffeldt, der bei den Landtagswahlen für die FDP als Direktkandidat im Wahlkreis 60 antritt. Er fordert mehr Beweglichkeit ein. Die Bildungspolitik ist nur ein Bereich, in dem der 54-Jährige punkten will. Großen Nachholbedarf sieht Staffeldt, der von 2009 bis 2013 für die Liberalen im Bundestag saß, auch bei der Versorgung mit schnellem Internet für den ländlichen Raum. Er tritt zudem für einen fairen Dialog mit der Landwirtschaft ein und setzt grundsätzlich auf die Selbstverantwortung der Bauern. Zu seinem politischen Credo zählt der FDP-Politiker eine „vernünftige“ Verkehrspolitik. Der Erhalt der Buslinien 630 und 670 gehöre ebenso dazu, wie ein besserer Abfluss der Verkehrsströme von und nach Bremen. Nur mit einer Hollerlandtrasse ließe sich der Berufsverkehr sinnvoll organisieren, so der Direktkandidat.

Barrieren sieht Staffeldt, der seit zwei Jahren im Grasberger Ortsteil Dannenberg lebt, nicht. Das Hollerland müsse zu diesem übergeordneten Zweck aus dem EU-Naturschutzstatus genommen werden. „Das geht, wenn man will; man muss ideologische Bremsen lockern.“ Im Nahbereich könnten aus seiner Sicht die in der Samtgemeinde Tarmstedt erprobten Mitfahrerbänke zur besseren Mobilität beitragen.

Staffeldt tritt nach einer kurzen politischen Pause im Wahlkreis 60 an. „Ich bin gebeten worden, stehe zur Verfügung und möchte liberale Politik in unserer Region weiter verankern“, so der Kandidat der FDP. Staffeldt gehört seit 2005 den Freien Demokraten an und zog 2009 als Kandidat für den Wahlkreis 55 (Bremen-Stadt) in den Bundestag ein. Dort gehörte er dem Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung an und gilt als Experte für Binnenschifffahrt sowie für Luft- und Raumfahrt. Staffeldt führt eine Firma, die sich auf Energieeinsparungen in industriellen Druckluftsystemen spezialisiert hat. Der Vater von vier Kindern ist zudem ehrenamtlich als Skipper auf Ausbildungsreisen im Einsatz.

AfD: Klaus Wichmann

Hat durch den guten Platz auf der AfD-Landesliste sehr gute Chancen, in den Landtag einzuziehen: der 52-jährige Klaus Wichmann.

Hat durch den guten Platz auf der AfD-Landesliste sehr gute Chancen, in den Landtag einzuziehen: der 52-jährige Klaus Wichmann.

Foto: Jonas Kako

Justiz und innere Sicherheit – das sind die beiden Themenbereiche, auf die Klaus Wichmann in seiner politischen Arbeit schwerpunktmäßig Wert legt. Wenig verwunderlich, schließlich ist der 52-Jährige gelernter Rechtsanwalt. Seit Herbst 2016 ist er Richter am Landesschiedsgericht. Wichmann tritt als Kandidat für die Alternative für Deutschland (AfD) im Wahlkreis 60 an. Für die Partei sitzt er seit den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr im Kreistag des Landkreises Verden. Er lebt auch in Verden und ist somit der einzige der sechs Landtagswahlkandidaten des Wahlkreises Osterholz, der gar nicht im dortigen Verbreitungsgebiet wohnt. Ermöglicht wurde die dortige Kandidatur durch den gemeinsamen AfD-Kreisverband Osterholz/Verden, in dem er Mitglied ist.

„Wie so viele bin ich mit der Politik der offenen Grenzen nicht einverstanden. Da niemand anderes als die AfD seine Stimme dagegen erhob, war mein Eintritt in die Partei fast schon eine Selbstverständlichkeit", erzählt Wichmann, wie er zu der Partei gekommen ist. Es dürfe nicht länger sein, dass "unser Recht nur auf dem Papier steht und nicht durchgesetzt wird", sagt er.

Außerdem findet Wichmann, dass das deutsche Recht zum Spielball von Ideologien geworden sei, und dass Täterschutz vor Opferschutz gehe, während sich gleichzeitig "Kriminelle fröhlich am Staat und seinen Bürgern bedienen, weil ihnen nichts passiert". Die Sicherheit der Bürger habe im Zweifel vorzugehen. "An der inneren Sicherheit zu sparen, ist eine Todsünde, die sich noch bitter rächen wird", prophezeit Wichmann. Das Land Niedersachsen solle daher die Wehrhaftigkeit des Rechtsstaats und den Willen zum Schutz seiner Bürger demonstrieren – und zwar, so Wichmann, "durch konsequente Abschiebung von vollziehbar Ausreisepflichtigen".

Der 52-Jährige hat sehr gute Chancen, in den Niedersächsischen Landtag einzuziehen, da er auf Platz fünf der AfD-Landesliste gewählt worden ist. Das bedeutet: Sollte die AfD bei der Wahl am Sonntag die Fünf-Prozent-Hürde überschreiten, wird Wichmann in jedem Fall über die Liste für die Partei ein Landtagsmandat erhalten.

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