Made in Niedersachsen Das wachsende Geschäft mit dem mobilen Raum

Die Amtra Mobilraum GmbH aus dem niedersächsischen Heidenau vermietet Container für Büros, Schulen und Flüchtlingsunterkünfte. Der Leiter der Niederlassung stellt fest: Es ist ein wachsendes Geschäft.
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Das wachsende Geschäft mit dem mobilen Raum
Von Carolin Henkenberens

Die Amtra Mobilraum GmbH aus dem niedersächsischen Heidenau vermietet Container für Büros, Schulen und Flüchtlingsunterkünfte. Der Leiter der Niederlassung stellt fest: Es ist ein wachsendes Geschäft.

Wer die Autobahn 1 Richtung Hamburg etwa 13 Kilometer nach Sittensen verlässt, der kann das Amtra-Gelände kaum übersehen. Hellgrüne Container sind dort wie Lego-Steine aufeinandergestapelt. Raum auf Raum, Büro auf Büro. Dahinter stehen zwei Kräne, mit denen die Container angehoben und auf dem Gelände bewegt werden können. Wie in einer Spiellandschaft aus dem Kinderzimmer. Nur eben größer, viel größer. 6,6 Meter lang, 2,4 Meter breit und 2,8 Meter hoch ist ein Container.

Der Herr über den Containerplatz ist Wolf Goger. Der 41-Jährige leitet die Niederlassung der Amtra Mobilraum GmbH im niedersächsischen Heidenau, direkt an der A 1 zwischen Bremen und Hamburg. Amtra Mobilraum ist Anbieter für Büro-, Schul- und Wohncontainer. Goger hat die Niederlassung im Jahr 2009 aufgebaut, seinen Unternehmenssitz hat Amtra in Dernbach bei Koblenz. Standorte gibt es aber auch in Darmstadt, in Wesseling bei Köln und in Mühlheim an der Ruhr.

„Wir sind darauf ausgelegt, ganze Bauten aus Containern zu erstellen“, sagt Wolf Goger. Das bedeutet: Meistens werden mehrere Container zusammengefügt oder gestapelt. So ergeben vier etwas größere Schulcontainer einen Klassenraum für 30 Schüler. Oder mehrere Bürocontainer werden zusammengefügt, um als Konferenzzimmer genutzt zu werden. Die bis zu drei Container hohen Gebäude werden von Amtra zudem mit den entsprechenden Treppen und WC-Räumen ausgestattet.

Container werden mit einfacher Ausstattung geliefert

Das Kerngeschäft der Amtra-Niederlassung in Heidenau ist die Bereitstellung von Büro- und Sanitär-Containern für die Industrie. Zu den Kunden zählen etwa Chemieunternehmen, die im Zuge von gesetzlich erforderlichen Wartungsarbeiten für das dazu von außerhalb kommende Personal Umkleiden, Arbeitsplätze und Sanitäranlagen zur Verfügung stellen müssen. Die Firmen nutzen die Übergangsbüros nach Auskunft von Wolf Goger meistens zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.

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Das bislang größte Container-Projekt sei in Hamburg entstanden: „Bei der Öl-Raffinerie in Harburg Süd haben wir 700 Container aufgebaut“, sagt Goger. Meistens ordern die Unternehmen zwischen 20 und 150 Räume. Pro Bürocontainer finden zwei Personen Platz. Sie werden mit einer einfachen Ausstattung geliefert, mit Schreibtisch, Stuhl und auf Wunsch auch mit einem Filzteppich. Eine Heizung haben die Container ebenfalls, damit sie im Winter einsetzbar sind. Bremer Kunden sind das Stahlwerk und der Energieversorger SWB.

Wachsendes Geschäft

„Es fühlt sich nicht mehr an wie ein Container“, sagt Goger und blickt sich in seinem Büro um, das ebenfalls ein Container ist – das neueste Modell. Dieses ist mit einer Warmwasserheizung ausgestattet, besser gedämmt als das Standardmodell und erfüllt eine hohe Brandschutzrichtlinie. Eigentlich dürfen Container maximal zwei Jahre aufgestellt werden. Danach wird eine Baugenehmigung fällig. Für den neuen Containertyp lasse sich eine Baugenehmigung beantragen, sagt Goger.

Denn er erfülle die notwendigen Umwelt- und Brandschutzstandards. Das bedeutet, der Container darf bis zu fünf Jahre genutzt werden. „Für Unternehmen mit schnellem, starken Wachstum sind Bürocontainer günstiger als ein Neubau und zudem deutlich schneller bezugsfertig“, erklärt Goger. Zwischen 120 und 250 Euro kostet ein Bürocontainer monatlich, ein Sanitärcontainer etwa 300 bis 450 Euro. Das Geschäft mit den Containern wächst.

Anfang des Jahres 2010 seien am Standort drei Mitarbeiter beschäftigt gewesen, die für 150 Container zuständig waren, berichtet Wolf Goger. Mittlerweile sind bei Amtra in ­Heidenau 18 Mitarbeiter beschäftigt, hinzu kommen zwei Subunternehmer. 2000 Container stehen zur Vermietung. In Zukunft könnten es noch mehr werden. Wolf Goger hält ein Potenzial von 4000 Containern für die Region rea­listisch.

20 Prozent der Aufträge aus öffentlicher Hand

Wolf Goger verfolgt die Nachrichtenlage in der Region sehr genau. Wenn in Kommunen improvisiert werden muss, wenn zum Beispiel in Bremen Kleinkinder aufgrund des Mangels an Kitaplätzen in Schulen untergebracht werden sollen, horcht Goger auf. Oft bedeutet dies nämlich, dass deshalb für Schüler Klassenräume fehlen und Unternehmen gesucht werden, die Container aufstellen. Am Standort Heidenau entfallen bislang 20 Prozent des Geschäfts auf Aufträge für die öffentliche Hand.

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Im Zuge der Flüchtlingsnot ge­rieten Container-Unternehmen wie auch Hotelbesitzer in die Kritik, auf Kosten der Flüchtlinge Profit zu machen. Wolf Goger entgegnet hierauf: „Wir haben die Preise nicht erhöht.“ Im Landkreis Stade kamen Geflüchtete in Containern von Amtra unter. Das ­Geschäft mit den Wohncontainern habe aber nie im Fokus gestanden, weil Amtra in Heidenau seine Großkunden aus der Industrie nicht habe verprellen wollen. Diese hätten das Unternehmen regelrecht mit Anfragen überrannt, weil Container überall so knapp waren.

CO₂-Filteranlage soll aufkommende Müdigkeit verhindern

Kita- oder Schulersatzbauten seien jedoch ein interessantes Feld, sagt Wolf Goger. In den Schulcontainern, die wie auch die ­Bürocontainer in Tschechien produziert werden, gebe es eine besondere CO₂-Filteranlage. „Dies soll verhindern, dass die ­Kinder durch die verbrauchte Luft müde werden.“

Wenn ein Container bestellt wird, ist Amtra vor eine logistische Herausforderung gestellt. Einer der beiden Kräne hebt den künftigen Büro- oder Wohnraum auf ein Schienensystem, das diesen in eine Werkshalle befördert. Dort reinigen und reparieren Mitarbeiter die künftigen Büros. Sie desinfizieren die Trinkwasserleitungen, prüfen Lichter und Anschlüsse, erneuern bei Bedarf den Boden. Danach befördert ein Kran die Container auf einen Laster, der sie zu ihrem Einsatzort bringt. Dort wird alles in wenigen Stunden aufgebaut, Raum auf Raum.

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