Dem Dümmer See geht die Luft aus

Lemförde. Es stinkt am Dümmer. Nicht erst seit gestern geht dem zweitgrößten Binnensee Niedersachsens die Luft aus. Gülle-Einträge aus der Massentierhaltung im Landkreis Vechta fließen über die Hunte in den mehr als 13 Quadratkilometer großen Dümmer im Landkreis Diepholz. In der Folge wachsen die Algenteppiche, und den Fischen fehlt der Sauerstoff zum Atmen. Ein ökologisches Desaster. Tonnenweise spülten Kadaver an Land. Anwohner fordern Sofortmaßnahmen zur Rettung des Erholungsgebietes.
13.09.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Dem Dümmer See geht die Luft aus
Von Silke Looden

Lemförde. Es stinkt am Dümmer. Nicht erst seit gestern geht dem zweitgrößten Binnensee Niedersachsens die Luft aus. Gülle-Einträge aus der Massentierhaltung im Landkreis Vechta fließen über die Hunte in den mehr als 13 Quadratkilometer großen Dümmer im Landkreis Diepholz. In der Folge wachsen die Algenteppiche, und den Fischen fehlt der Sauerstoff zum Atmen. Ein ökologisches Desaster. Tonnenweise spülten Kadaver an Land. Anwohner fordern Sofortmaßnahmen zur Rettung des Erholungsgebietes.

Das Land Niedersachsen reagiert als Eigentümer mit Ankündigungen. 100000 Euro will das Umweltministerium nun in Planungen für einen Schilfpolder investieren. Experten sollen erforschen, ob dieser als pflanzliche Kläranlage Schadstoffe wie Phosphor und Nitrat aus dem See filtern kann. Die Kosten für das Projekt schätzt das Ministerium auf 20 Millionen Euro. Allein die Planungen dafür sollen ein Jahr dauern.

Das dauert den Anwohnern zu lange, sie fürchten um mehrere Hundert Arbeitsplätze im Tourismus. Segel- und Surfschulen, Gastronomie und Gewerbe leben von den Gästen am See. Wenn die Touristen wegbleiben, geht nicht nur den Fischen, sondern auch der Wirtschaft in der Region die Luft aus. Die Tourist Information Dümmerland versucht alles, um die Erholungssuchenden an den Dümmer zu locken, doch auch sie kommt an den Tatsachen nicht vorbei. Wiederholt hat das Landesgesundheitsamt ein Badeverbot für den Dümmer ausgesprochen. Je nach Wetterlage und Windrichtung könne oftmals schnell wieder entwarnt werden, beruhigt die Touristik Information. Sie gibt aber vorsichtshalber Tipps für das Verhalten bei starker Algenkonzentration: "Schlucken Sie kein Wasser aus dem Dümmer und schützen Sie Ihre Kinder davor. Duschen Sie sich nach jedem Badegang gründlich ab."

Die Grünen in Diepholz fordern Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) zum Handeln auf. Stadtratsmitglied Andreas Pawelzik meint: "Faktisch wirkt der Dümmer als Klärbecken für die Landwirtschaft. Jetzt soll ein zwanzig Millionen Euro teures neues Klärbecken in Form eines Schilfpolders geplant werden, ohne die Ursachen der Nährstoffeinträge anzupacken." Das größte Problem für den Dümmer sind nach Ansicht der Grünen die Auswaschungen von den Ackerböden in die Hunte oberhalb des Dümmers. Deshalb verlangen sie die Ausweisung großzügiger Gewässerrandstreifen. Mittelfristig helfe die Wiedervernässung von Niedermooren. Dabei steht der Dümmer schon heute unter Schutz. Der See ist Teil eines europäischen Naturschutzgebietes gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Das Fischesterben am Dümmer geht weiter. Tonnenweise Kadaver schwemmten in diesem Sommer an die Strände, an denen sich sonst Urlauber in der Sonne aalen. Mitarbeiter der Stadt Damme holten Tausende tote Fische, vor allem Zander, aus dem See. Im einstigen Angelparadies roch es nach Verwesung, die Angler blieben weg.

Algenprobleme gibt es schon lange am Dümmer. Durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen versuchte das Land Niedersachsen, die todbringende Entwicklung zu stoppen. So investierte der Eigentümer zehn Millionen Euro allein in die Umleitung des Bornbaches, der Phosphor und Nitrat in den Dümmer brachte. Weitere 6,3 Millionen Euro flossen in Baggerarbeiten, um den See von Schlamm zu entlasten. Dieser beginnt bereits in einer Tiefe von eins bis 1,5 Metern, denn der Dümmer ist ein Flachgewässer, nur in den Häfen ist das Wasser zwei Meter tief.

"Die Dümmer-Sanierung wird fortgesetzt", verspricht Umweltstaatssekretär Stefan Birkner den Anwohnern und gibt sich verständnisvoll: "Wir sind uns bewusst, dass diese Situation hier eine ernthafte Einbuße für die Lebensqualität ist."

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