FDP fordert Jagdrecht

Den Wolf zum Abschuss freigeben

Die FDP fordert, den Wolf unter das Jagdrecht zu stellen, zunächste mit einer ganzjährigen Schonzeit. Vertreter des Umweltministeriums wiesen den Vorschlag entschieden zurück.
10.02.2016, 00:00
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Von Peter Mlodoch
Den Wolf zum Abschuss freigeben

Bislang stehen Wölfe unter strengem Artenschutz. Ginge es nach der FDP, könnte sich das künftig ändern.

dpa

Die FDP fordert, den Wolf unter das Jagdrecht zu stellen, zunächste mit einer ganzjährigen Schonzeit. Vertreter des Umweltministeriums wiesen den Vorschlag entschieden zurück.

Rot-Grün verweist Fotos und Berichte einer Wolfs-Attacke Ende Januar im Kreis Celle in den Bereich der aufgebauschten Fabeln, Schwarz-Gelb kritisiert dies als Verschwörungstheorie. „Es gibt ja auch Menschen, die behaupten, es hätte keine Mondlandung gegeben“, ärgerte sich der CDU-Abgeordnete Martin Bäumer im Umweltausschuss des Landtages. Ein derartiges Raumfahrt-Märchen sei ja zu Zeiten des Kalten Krieges durchaus möglich gewesen, erwiderte ein Vertreter von Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Anlass des Scharmützels: Eine Spaziergängerin hatte eine Beißerei zwischen ihrem Hund und einem Wolf gemeldet. Ein Foto zeigt ein Raubtier, das ein Halsband mit einem Sender trägt. Doch die Funkgeräte übermitteln seit Wochen keine Daten mehr.

?"Wolfsmanagement ist gescheitert"

„Das bisherige Wolfsmanagement der rot-grünen Landesregierung ist gescheitert“, schimpfte FDP-Umweltexperte Gero Hocker am Dienstag in Hannover. Minister Wenzel müsse endlich Lösungen präsentieren, bevor Schlimmeres passiere. „Wenn erst einmal ein Kind gebissen wird, halten Sie die Diskussion nicht mehr auf.“ Dann heiße es: „Schießt das Mistvieh endlich ab.“ Hockers Vorschlag: Der Wolf, der derzeit unter strengem Artenschutz steht, soll sofort dem Jagdrecht unterstellt werden. Zunächst zwar mit einer ganzjährigen Schonzeit, meinte Hocker. „Aber dann hätte man das Instrument, um eingreifen zu können.“ Sprich, die Population der Raubtiere durch Abschuss runterzufahren.

Das Umweltressort wies dieses Ansinnen umgehend zurück: „Für die Festlegung von Obergrenzen des Wolfsbestandes in Niedersachsen oder einzelnen Regionen gibt es weder naturschutzfachliche noch rechtliche Grundlagen.“ Minister Wenzel hatte erst kürzlich in einem Interview mit dem WESER-KURIER betont, dass „die Sicherheit des Menschen an erster Stelle steht“, dass auffällige Tiere notfalls auch entnommen würden. Zunächst müsse man jedoch alles zur Vorsorge unternehmen und die Herden aktiv schützen.

Martin Holm vertritt die niedersächsischen Mutterkuh-Halter im Umweltausschuss des Landtages. Der Landwirt aus Worpswede fordert mehr Unterstützung vom Land beim Bau von Zäunen, um die Herden vor dem Wolf zu schützen.

Martin Holm vertritt die niedersächsischen Mutterkuh-Halter im Umweltausschuss des Landtages. Der Landwirt aus Worpswede fordert mehr Unterstützung vom Land beim Bau von Zäunen, um die Herden vor dem Wolf zu schützen.

Foto: Peter Mlodoch

"Wolfspolitik gefährdet Existenz von Bauern"

?Rückendeckung erhielt FDP-Mann Hocker dagegen vom Worpsweder Viehzüchter Martin Holm. „Wenn der Wolf ein Niedersachse ist, haben wir bald keine Weidetiere mehr“, hielt Holm grünen Romantikern entgegen, die sich über die Rückkehr des Räubers freuten, ohne die Folgen zu bedenken. Der fünffache Vater führt zu Hause im Nebenerwerb einen Hof mit rund 40 Highland-Rindern, die ganzjährig draußen stehen. Er vertritt die niedersächsischen Mutterkuh-Halter, 5000 zumeist kleine Betriebe mit insgesamt rund 60 000 Tieren. Diese würden „genau das grüne Idealbild“ einer bäuerlichen Landwirtschaft anstelle industrieller Massentierhaltung pflegen und gleichzeitig aktiv Artenschutz betreiben. Doch die grüne Wolfspolitik gefährde die Existenz dieser Höfe ebenso wie der der Schafhalter.

Der Zaun- und Stallbauer forderte deutlich mehr Mittel zur Entschädigung toter Tiere und für Präventionsmaßnahmen. Um die Herden landesweit komplett mit Zäunen zu schützen, seien 156 Millionen Euro allein für Materialkosten erforderlich. Der Hilfsfonds des Landes sei dagegen mit seiner sechsstelligen Summe viel zu gering ausgestattet. 25 Rinder-Risse habe es im vergangenen Jahr in Niedersachsen gegeben, berichtete Holm und widersprach damit der Behauptung, solch große Tiere passten nicht ins Beuteschema des Wolfs. Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wies die Zahl als viel zu hoch zurück: Seit 2008 habe es zwar 60 Fälle von angegriffenen Kälbern und Jungrindern in Niedersachsen gegeben. „Amtlich festgestellt“ gingen davon aber ganze sechs Fälle auf das Konto des Wolfs.

Die parlamentarische Befassung mit dem Raubtier geht am Mittwoch weiter. Fünf Anträge aller Fraktionen stehen im Agrarausschuss zur Debatte, dazu gibt es eine Expertenanhörung. Die FDP bringt außerdem eine große Anfrage mit 83 Einzelpunkten auf den Weg.

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