In Hannover will er seinen Titel verteidigen Der härteste Feuerwehrmann der Welt

Joachim Posanz arbeitet bei der Feuerwehr Göttingen. In seiner Freizeit ist er sogar „der härteste Feuerwehrmann der Welt“. Der 42-Jährige ist der aktuelle Weltmeister der Sportart TFA, Toughest Firefighter Alive.
10.05.2015, 00:00
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Der härteste Feuerwehrmann der Welt
Von Nikolai Fritzsche

Joachim Posanz brennt, von den Zehen bis zu den Haarspitzen. Seine Augen flackern, seine Ohren sind feuerrot. Seine Oberarme gefährden die Nähte seines Hemds. Wie eine gespannte Feder sitzt er auf dem NDR-Sofa und spricht über sein „verrücktes Hobby“.

Schnitt. Eine Lagerhalle. Ein Feuerwehrmann schleppt eine aus dicken Schläuchen zusammengeschusterte Puppe von einen Ende der Halle zum anderen. Daher also die Muskelberge. Posanz arbeitet bei der Feuerwehr Göttingen. Und in seiner Freizeit ist er: ebenfalls Feuerwehrmann, aber nicht irgendeiner, sondern „der härteste Feuerwehrmann der Welt“. So darf der 42-Jährige sich nennen, denn er ist der aktuelle Weltmeister der Sportart TFA, Toughest Firefighter Alive.

2010 war er in Südkorea erstmals der Härteste, 2012 verteidigte er seinen Titel in Sydney. Im Juni will er den Hattrick schaffen, gegen 250 Konkurrenten. Die WM wird in diesem Jahr in Hannover ausgetragen, das sorgt für mediales Interesse. Posanz war in der NDR-Sendung „Mein Nachmittag“ zu Gast, und auf diese Sendung verweist er am Telefon. „Da bin ich auch beim Training zu sehen, wenn Sie sich das mal anschauen wollen.“

Die Bilder zeigen, wie eingangs beschrieben, einen Mann, der seinen Beruf liebt. So sehr, dass er vor und nach der Arbeit trainiert, um ein noch besserer Feuerwehrmann zu werden. „Ich mache sechs Einheiten pro Woche“, sagt Posanz. Eine der Disziplinen bei den Wettkämpfen ist der Hochhauslauf, meistens 15 bis 20 Etagen. Posanz trainiert im Göttinger Rathaus, oft vor der Arbeit, um sechs Uhr früh. 18 Stockwerke rauf und runter, fünf oder sechs Mal, in voller Montur, 25 Kilo schwer.

Was die Angestellten im Rathaus dazu sagen? „Einige von denen waren so begeistert, dass sie jetzt bei Treppenlauf-Wettbewerben mitmachen.“ Posanz selbst ist 2001 durch einen Kollegen mit dem TFA-Virus infiziert worden. „Er hat mir erzählt, wie die Wettkämpfe ablaufen, da wollte ich sofort mitmachen.“ Seitdem übt er: Feuerwehrschläuche ein- und ausrollen, 80 Meter pro Richtung, unter Zeitdruck und trotzdem so präzise, dass die Schläuche hinterher in eine knapp bemessene Kiste passen. Mit einem 20 Kilo schweren Kanister durch einen Hindernisparcours hetzen. Einen 80 Kilo schweren Dummy schleppen, 80 Meter weit. Eine drei Meter hohe Wand erklimmen. Alles auf Zeit, wie im Einsatz. Wer insgesamt am schnellsten war, gewinnt.

„Die Stationen des Wettkampfs bilden genau die Herausforderungen nach, die wir im Einsatz bewältigen müssen“, sagt Posanz. Ist er durch sein Hobby ein besserer Feuerwehrmann geworden? „Meine Kollegen, die kein TFA machen, sind genauso gute Feuerwehrleute. Es ist eher so, dass meine Belastungsgrenze sich durch den Sport noch ein bisschen nach oben verschoben hat.“

Posanz liebt es, sich auszupowern. Es gibt aber auch Momente, in denen das Training ihn nervt. „Mit den Schläuchen zu üben ist stupide und macht manchmal keinen Spaß. Aber es muss sein. Sonst ärgert man sich, wenn man sich beim Wettkampf die Treppe rauf die Seele aus dem Leib rennt und dann beim Schläucherollen die gewonnene Zeit wieder verliert.“

Die extreme Hitze verlangt den Feuerwehrleuten bei Einsätzen alles ab. Mit dem Training hält Posanz es genauso: immer am Limit. „In den ersten Jahren habe ich mich oft so ausgepumpt, dass ich mich über-

geben musste.“ Das passiert ihm heute nicht mehr, trotzdem: „Man muss für diesen Sport ein bisschen verrückt sein. Und man braucht einen riesengroßen Willen.“

Neben diesem Willen hat Posanz auch die Unterstützung seiner Frau. „Sie macht mit mir zusammen Lauftraining, da habe ich sie angesteckt.“ Auch die Kinder profitieren von Papas Hobby: „Wir machen aus den Wettkämpfen immer Familienurlaube. Erst feuern die anderen mich an, dann entspannen wir gemeinsam.“

Für ihren Urlaub kann Familie Posanz sich in diesem Jahr ein anderes Ziel als die Weltmeisterschaft überlegen. Die knapp 100 Kilometer zwischen Bad Grund und Hannover gehen kaum als Reise durch. Umso weiter haben es viele von Posanz’ Gegnern bei den Wettkämpfen, die vom 8. bis 12. Juni ausgetragen werden. „Viele kommen aus Süd- und Osteuropa, manche aber auch aus Südafrika und den USA.“

„Es ist ein verbissener Wettkampf, doch am Ende freuen sich alle für den, der oben auf dem Treppchen steht“, sagt Posanz. Zwei Plättchen mit Joachim Posanz’ Namen kleben bereits auf dem Sockel des gläsernen Wanderpokals. Rechts unten wäre noch Platz für ein drittes.

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