Auszeichnung der Deutschen Krebshilfe Innovative Krebstherapien für alle Patienten

Die Deutsche Krebshilfe hat eine im November 2019 gestartete Kooperation der Universitätsmedizin Göttingen und der Medizinischen Hochschule Hannover ausgezeichnet.
04.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Innovative Krebstherapien für alle Patienten
Von Peter Mlodoch

Hannover. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) sprach von einem „Ritterschlag“, Professor Wolfgang Brück, Chef der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), von einem „Gütesiegel“. Die Auszeichnung für das Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N), die mit einer Förderung von drei Millionen Euro für vier Jahre verbunden ist, soll Patienten in ganz Niedersachsen und den angrenzenden Bundesländern zugutekommen.

Dies soll explizit auch für Bremen gelten. „Wir arbeiten eng mit den dortigen Kliniken und Arztpraxen zusammen“, betonte der Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Michael Manns, am Mittwoch in Hannover. „Bremen wird ausdrücklich einbezogen“, versicherte auch Minister Thümler. „Wir wollen nicht nur an unseren beiden Standorten eine optimale Versorgung gewährleisten, sondern diese nach und nach in die gesamte Fläche ausrollen“, versprach UMG-Vorstandssprecher Brück.

Ärzte können ihre Therapie viel genauer einsetzen

Im Mittelpunkt stehen dabei eine personalisierte Diagnostik und eine individuelle Therapie. „Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs“, erklärte Manns. Früher habe man nur die jeweiligen Organe betrachtet und die Medikation entsprechend darauf ausgerichtet, erläuterte der Göttinger Darmkrebs-Experte Volker Ellenrieder. Aber der Tumor eines Patienten sei nur selten mit dem eines anderen vergleichbar. Inzwischen sei man dank der Genomsequenzierung erheblich weiter. „Die molekulare Diagnostik verrät uns viel mehr über die Eigenschaften eines Tumors.“ Dadurch könnten die Ärzte ihre Therapie viel genauer einsetzen. Die Erfolgsaussichten steigen, die Nebenwirkungen sinken.

Das junge CCC-N-Team ist das 14. Onkologische Spitzenzentrum in der Bundesrepublik. Diese Ernennung schließt laut Ressortchef Thümler einen großen weißen Fleck inmitten Deutschlands. Bisher war diese Königsklasse der Krebsmedizin mit Ausnahme von Hamburg, Essen und Berlin ausschließlich im Süden vertreten. Der Minister war – nicht zuletzt aus eigener familiärer Betroffenheit – einer der großen Antreiber der Kooperation zwischen MMH und UMG. Wegen diverser Eitelkeiten wäre diese vor einiger Zeit noch undenkbar gewesen.

Als neues Spitzenzentrum auch international bessere Repräsentation

Im CCC-N bringen nun die beiden Unikliniken ihre jeweiligen Stärken bei der Spitzenforschung ein. Man ergänze sich perfekt, erklärten die Vertreter sowohl aus Göttingen als auch aus Hannover. Während die UMG eher auf Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs spezialisiert ist, gilt die MHH laut Eigenauskunft als „traditioneller Leber-Standort“. Ein weiterer wichtiger Fokus liegt hier in der Kinderheilkunde, insbesondere bei der Leukämie. Als neues Spitzenzentrum könnten sich beide Kliniken auch international besser präsentieren, so Brück. Der Titel werde außerdem helfen, private Gelder zu generieren, sagte sein MHH-Kollege Manns. Nach der Anschubfinanzierung von je einer Million Euro pro Standort werde das Land weitere drei Millionen Euro zuschießen, kündigte Thümler an.

Rund 50.000 Menschen jährlich erkranken in Niedersachsen an Krebs. „Die Wahrscheinlichkeit beträgt 50 Prozent“, berichtete der Direktor der MHH-Klinik für Frauenheilkunde, Peter Hillemanns. „Jeder zweite Mann, jede zweite Frau kann an Krebs erkranken.“ So nutzten die Experten die Bekanntgabe der CCC-N-Auszeichnung auch für einen eindringlichen Appell an die Bürger, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Dies könne den Ausbruch der tückischen Krankheit stoppen oder zumindest die Heilungschancen deutlich erhöhen. „Bei der Vorsorge haben wir viel erreicht, aber leider immer noch erhebliche Defizite. So machten inzwischen 50 Prozent der Mädchen und jungen Frauen Gebrauch von einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. „50 Prozent aber noch nicht“, beklagte der Gynäkologie-Professor. So seien insbesondere Frauen aus sozial benachteiligten Familien unterrepräsentiert. Hier müsse man deutlich mehr für die Aufklärung tun.

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