Mobilen Praxis von Larissa Jörns

Die Koi-Flüsterin macht Hausbesuche an Gartenteichen

Larissa Jörns hat mit elf Jahren ihren ersten japanischen Koi-Karpfen geschenkt bekommen. Heute ist die Chemielaborantin nebenberufliche Koi-Flüsterin und hilft unter anderem bei Parasitenbefall.
04.10.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock
Die Koi-Flüsterin macht Hausbesuche an Gartenteichen

Bei ihr hat jeder Karpfen einen Namen: Koi-Flüsterin Larissa Jörns liebt ihre zahmen Fische über alles.

Udo Meissner

Andere Mädchen striegeln mit Elf Pferde, Larissa Jörns hat in diesem zarten Alter ihren ersten japanischen Koi-Karpfen geschenkt bekommen. Heute ist die Chemielaborantin nebenberufliche Koi-Flüsterin, hat Lehrgänge bei mehreren Fachtierärzten besucht. Sie lebt in Bücken bei Hoya, ist aber als Koi-Flüsterin im gesamten Nordwesten unterwegs.

„Einmal hatte ich einen Pflege-Koi bei mir zu Hause“, erinnert sich die 37-Jährige an einen japanischen Karpfen mit besonders schwachem Immunsystem, „dann ist es plötzlich zum Herzstillstand gekommen und ich musste den Fisch zwei Stunden lang reanimieren.“ Gott sei Dank hätten die Beatmungsversuche und Kreislauftropfen gewirkt. Larissa Jörns fällt immernoch ein Stein vom Herzen, wenn sie an ihren beherzten Einsatz am Teichrand denkt. Nachdem sie als Kind einen Fernsehbeitrag über die japanischen Pracht-Karpfen gesehen, ihren Vater letztendlich dazu überredet hat, ihr einen zum Geburtstag zu schenken, ist es um sie geschehen.

Die Bückerin ist das, was der Japaner als koi-kichi, also koi-verrückt bezeichnet. „Ich mag einfach die Größe, die Farbe der Tiere und dass sie so zutraulich werden“, schwärmt Larissa Jörns von ihren rund 20 Fischen im naturbelassenen Gartenteich. Das Besondere: Jeder Karpfen habe seine Eigenheiten, verfüge über eine ganz eigene Persönlichkeit. Und, ganz wichtig: Kois seien wahnsinnig zutraulich, würden „extrem zahm“. Egal, ob Chagoi, Kohaku, Showa oder den senffarbenen, 1,10 Meter langen und bis zu 30 Kilo schweren „Modefisch“ Karashigoi – Karpfen sind für die 37-Jährige ihre liebsten Haustiere. Rund 40 Farbvarianten würde es bei dieser Karpfenart geben. Kois verfügen darüber hinaus auch über eine sehr lange Lebenszeit, zählen nicht selten zwischen 60 und 80 Lenzen.

Auch Parasiten finden großen Gefallen an den farbenfrohen Fischen. Genau dann kommt Larissa Jörns ins Spiel, packt ihr Köfferchen ein, macht vor Ort am betroffenen Gartenteich einen Hausbesuch. Haut- und Kiemenwürmer? Karpfenläuse? Für die Koi-Flüsterin alles kein Problem, sie macht direkt am Teichrand einen Haut- und Kiemenabstrich, schaut sich das Ganze dann sorgfältig unter dem Mikroskop an. Die Koi-Flüsterin stellt rasch die Diagnose, wenn Karpfens durch Fressunlust auffallen, wild umher springen, sich andauernd kratzen müssen oder ihren Besitzern durch Löcher und entzündete Schuppen auffallen.

Larissa Jörns verabreicht die Medikamente direkt über das Teichwasser. „Ich versuche es zunächst über die sanfte Tour, nehme nicht gleich die chemische Keule“, sagt die Expertin. Sie fährt auf der homöopathische Schiene. Eine Salz-Behandlung sei beispielsweise ein sehr probates Mittel. Zur Prävention mischt die Koi-Mutter gern auch mal Honig unters Futter, oder presst eine Knoblauchzehe rein. Außerdem würden Kois gerne aufgeschnittene Grapefruits auslutschen, erzählt Larissa Jörns aus Bücken.

Natürlich kommen der Koi-Expertin ihre Erfahrungen aus dem Labor zugute. Sonst hätte sie auch kein Mittel gegen Karpfenpocken entwickeln können. Auch den blau-schwarz-roten Karpfen hat sie wieder hinbekommen, „der ist mir mal aus dem Quarantäne-Becken gesprungen und hat sich dabei den Kopf eingeschlagen“, erzählt sie lachend.

Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2013 und zeigt einen zutraulichen Koi von Horst und Resel Sünramm.

Dieses Foto stammt aus dem Jahr 2013 und zeigt einen zutraulichen Koi von Horst und Resel Sünramm.

Foto: Walter Gerbracht

Die Koi-Flüsterin rät allen Teichbesitzern, ihre Tiere den Jahreszeiten entsprechend zu füttern. „Im Sommer Farbfutter, jetzt im Herbst Weizenkeimfutter und Wintersinkfutter in der kalten Jahreszeit, damit die Fische aktiv und beweglich bleiben“, erläutert die Bückerin. Sie heizt sogar ihren Teich, hält ihn damit eisfrei. „Die Wassertemperatur darf nicht unter vier Grad plus absinken“, rät sie allen Koi-Besitzern. Andernfalls braucht es eine Wassertiefe ab 1,80 Meter. Größte Feinde ihrer Fische seien Katze, Fischadler, Reiher, Kormorane und zunehmend auch die Waschbären. Um vor diesen tierischen Feinden auf Nummer sicher zu gehen, hat die Koi-Flüsterin ihren Teich mit einem Elektrozaun gesichert.

Übrigens: Bei Larissa Jörns hat jeder Karpfen einen Namen. „Shiba ist mein absoluter Liebling. Der ist der zahmste von allen“, erzählt sie strahlend, lässt sich dabei ihren Finger zärtlich von seinem Maul liebkosen. Stünden Fremde am Teich, würden die kostbaren Karpfen, die in Japan als Statussymbol gelten, fremdeln wie ein Kleinkind, freut sich „Frauchen“ über die ganz besondere Bindung zu ihren Flossentieren.

Eine Anekdote muss sie noch erzählen, bevor sie ihre Lieblinge wieder füttert: „Ein DTM-Rennfahrer aus der Eifel hat mal ein Zuchttier von mir mitgenommen, nur leider hat sich im Endeffekt rausgestellt, dass der Karpfen unfruchtbar war.“

Wer einen Termin bei Koi-Flüsterin Larissa Jörns aus Bücken machen will, kann dies unter der Adresse www.der-gesunde-koi.de tun.

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