Seuchenschutz für Hausschweine Die Schonzeit ist vorbei

Schwarzwild steht längst oben auf der Abschussliste niedersächsicher Jäger. Jetzt stößt die Landswirtschaftsministerin ins selbe Horn: Sie will den Bestand der möglichen Krankheitsüberträger senken.
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Die Schonzeit ist vorbei
Von Justus Randt

Um einer möglichen Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Niedersachsen vorzubeugen, sollen die Wildschweinbestände im Land verringert werden. Dazu, kündigt Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) an, solle auch die Schonzeit für Schwarzwild aufgehoben werden. Der Schutz von Elterntieren, heißt es, solle aber gewährleistet bleiben.

Die Jagdzeiten in Niedersachsen erlauben den Wildschweinabschuss von Mitte Juni bis Ende Januar, Frischlinge und sogenannte Überläufer, einjährige männliche Tiere, die mit Erreichen der Geschlechtsreife aus der Familie ausgestoßen werden, sind ganzjährige jagdbar. Zusätzlich zu einer intensiveren Bejagung soll der Einsatz von Saufängen, Lebendfallen für Wildschweine, genehmigt werden.

Es werde auch überlegt, die Erleichterung revierübergreifender Jagden zu ermöglichen. Beides werde derzeit durch das Ministerium geprüft. Für die Jagd mit Fallen sollen Jäger spezielle Schulungen erhalten. Laut Otte-Kinast kommen auf den Landeshaushalt zusätzliche Kosten von etwa 3,5 Millionen Euro für die Verringerung der Zahl der Wildschweine zu.

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Die Afrikanische Schweinepest ist eine Infektionskrankheit, die bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich endet. Die Krankheit breitet sich über Wildschweine aus. „Auch der Mensch kann nach Kontakt zu infizierten Tieren, zum Beispiel durch schmutzige Hände, das Virus übertragen“, stellt das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) klar. Ansteckungsgefahr für den Menschen hingegen bestehe nicht.

In den vergangenen Wochen traten vermehrt Fälle auf. So gab es nach Auskunft des Laves Anfang Oktober in Polen einen Fall mit 80 infizierten Hausschweinen, der jüngste Fall, bei dem die Veterinärbehörden Nachweise über die Erkrankung von 118 Hausschweinen in der Ukraine erbracht wurden, datiert vom 26. Oktober. „Ein Impfstoff gegen Afrikanische Schweinepest ist nicht verfügbar und wird auch auf absehbare Zeit nicht zur Verfügung stehen“, stellt das Landesamt fest.

Virus ist sehr widerstandsfähig

Die Krankheit überträgt sich auch über verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung. Gefahr droht von Speiseresten die an Transitstrecken weggeworfen und von Wildschweinen gefressen werden: „Das Virus der Afrikanischen Schweinepest ist sehr widerstandsfähig und hält sich in unbehandeltem Fleisch und Fleischprodukten, Blut sowie in gepökelten oder geräucherten Waren monatelang“, teilt das Laves mit.

So seien die meisten Ausbrüche in europäischen Ländern auf Verschleppung des Virus in Speiseabfällen im weltweiten Reiseverkehr zurückzuführen. Eine mögliche Quelle für die Einschleppung der Krankheit auch nach Deutschland sei die Verfütterung oder der Kontakt „zu nicht oder ungenügend erhitzten, virushaltigen Fleisch- oder Speiseabfällen, etwa Schinken und Salami“.

Eine besondere Gefahr stellen hier laut Laves Wildschweine dar, „die sich beispielsweise an Mülltonnen bedienen und hier an Nahrungsmittel aus Ländern gelangen können, in denen Schweinepest vorkommt, aus Mülltonnen an Autobahnen oder in großen Städten“. „Ein Ausbruch der Seuche könnte verheerende Schäden bedeuten – wir sprechen über Milliardensummen“, sagt der CDU-Abgeordnete und Präsident der niedersächsischen Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke.

Wildschweinpopulationen mit sehr hoher Dichte

In Niedersachsens Agrarbetrieben werden rund acht Millionen Schweine gehalten. Miriam Staudte (Grüne) warnt, die Schweinepest könne ein „seuchenartiges Geschehen“ auslösen. „Niedersachsen muss sich Gedanken machen und Katastrophenpläne entwickeln.“ Dies sei bereits geschehen, sagt Ministerin Otte-Kinast und verweist darauf, dass das Land auf Anweisung ihres Amtsvorgängers Christian Meyer (Grüne) bereits Ende November an einer bundesweiten Übung zum Umgang mit der Afrikanischen Schweinepest teilgenommen habe.

Die Veterinärbehörden untersuchten seit Anfang 2016 Proben von toten Wildschweinen. So seien in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres 2756 bei der Jagd erlegte Wildschweine auf die Seuche untersucht worden, hinzu kamen weitere 48 bei Unfällen getötete und sechs verendete Tiere. „Regional gibt es in Niedersachsen Wildschweinpopulationen mit sehr hoher Dichte“, stellt die Ministerin fest – dies sei ein Risikofaktor.

Deshalb müsse die Bejagung verstärkt werden. Der aktuelle Landesjagdbericht weist eine Schwarzwildstrecke von 44 936 Tieren im Jahr 2016 aus. Im Landkreis Göttingen wurden demnach mit 3178 die meisten Wildschweine erlegt (und überfahren). Im Heidekreis waren es 2855, in der Region und der Stadt Hannover, dem Ministeriumssitz, waren es 2554.

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