Kirsten Deppe gründete die einzige Seifenmanufaktur auf der Insel

Die Siederin von Sylt

Morsum. Auf Hochglanz polierte Töpfe stehen neben Mixern und Schneebesen, dazu kleine Glasgefäße mit verschiedenen Zutaten, die einen verlockenden Duft verströmen: Was auf den ersten Blick wie eine normale Küche aussieht, ist das Herzstück von Kirsten Deppes Seifen-Manufaktur.
27.07.2015, 00:00
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Die Siederin von Sylt

Rosenblätter machen diese Seife aus.

Simone Steinhardt, dpa

Auf Hochglanz polierte Töpfe stehen neben Mixern und Schneebesen, dazu kleine Glasgefäße mit verschiedenen Zutaten, die einen verlockenden Duft verströmen: Was auf den ersten Blick wie eine normale Küche aussieht, ist das Herzstück von Kirsten Deppes Seifen-Manufaktur.

Hier siedet sie seit sechs Jahren Seifen. Das Besondere: Viele der Zutaten liefert die Natur frei Haus: Blüten der Kartoffel-Rose, besser bekannt als Sylter Heckenrose, Rapsblüten, Sylter Quellwasser und gereinigter Heilschlick aus dem Wattenmeer. „Seifen haben mich schon immer fasziniert, die duftenden Stücke im Hotel oder die von meiner Oma“, erzählt die gebürtige Sylterin.

Trotz dieser Faszination: Kirsten Deppes beruflicher Weg geht zunächst in eine andere Richtung. Sie wird Hotelfachfrau und arbeitet für einen Tourismus-Service-Betrieb. Doch irgendwann schreibt sie fast nur noch Tarifverträge. „Ich bin schon immer kreativ gewesen, musste einfach etwas anderes machen. 2007 habe ich mich selbstständig gemacht.“

In Kreativkursen vermittelt sie Teilnehmern, wie man filzt und Schmuck herstellt. Doch da ist immer noch die Passion für die Seife. Kirsten Deppe liest alles über Herstellung, Rezepturen und Rohstoffe. Sie pflückt Rosenblätter und wagt die ersten Gehversuche in Sachen Seifenherstellung am heimischen Herd. Konzentriert rührt Kirsten Deppe in den Töpfen. So lange, bis sie schließlich stolz die ersten Seifenstücke in den Händen hält.

Von da an hat die Faszination „Seifenherstellung“ die Sylterin fest im Griff. Auch der kreative Ehrgeiz wird wach. „Anfangs habe ich nach Rezept gearbeitet. Doch ich wollte meine eigenen Rezepturen.“ Sie tüftelt akribisch: Welche Öle bewirken was? Wie reagieren die Inhaltsstoffe miteinander? Wie ist das optimale Mischungsverhältnis? „Zu Beginn landete vieles in der Mülltonne.“ Doch die Leidenschaft für die handwerkliche, kreative Arbeit, die unbändige Freude über ein gelungenes Stück Seife ist der Motor, der sie antreibt. Bald hat der heimische Herd als Produktionsstätte ausgedient. Im Februar 2010 eröffnet Kirsten Deppe ihre Seifen-Manufaktur.

Die Sylterin ist Perfektionistin. Bis zu sechs Monaten kann es dauern, bis sie mit einer neuen Rezeptur zufrieden ist. Hinzu kommt: „Seife ist eine Diva. Sie braucht viel Aufmerksamkeit.“ Kirsten Deppe schmilzt flüssige und feste Öle zu einer Masse zusammen. „Der Begriff Seife sieden ist im Grund nicht richtig, den Siedepunkt erreichen wir gar nicht.“ Dann fügt sie mit ruhiger Hand die Inhaltstoffe hinzu. Zu viel oder zu wenig, zu langsam gerührt – schon ist die Seife hinüber. Geht alles gut, wird die flüssige Masse in eine Form gegossen und für eine Stunde in den 52 Grad warmen Ofen geschoben. Danach ruht die Seife für weitere 24 Stunden, bevor sie schließlich im Laden direkt nebenan verkauft wird.

Neun verschiedene Seifensorten sind mittlerweile zu haben. Die Kunden wissen die individuellen Seifenstücke zu schätzen. „Sie kaufen ein authentisches Produkt, das mit Sylter Zutaten von einer Sylterin auf Sylt hergestellt wird. Das gefällt ihnen.“

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