Ausbau der Bahnstrecke nach Groningen

Die Wunderlinie

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und alle vier Landtagsfraktionen sprechen sich für einen Ausbau der Bahnstrecke Bremen-Groningen aus. Dieser soll aber nur dem Personenverkehr, nicht aber dem Gütertransport zugute kommen.
22.01.2015, 00:00
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Von Peter Mlodoch

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und alle vier Landtagsfraktionen sprechen sich für einen Ausbau der Bahnstrecke Bremen-Groningen aus. Dieser soll aber nur dem Personenverkehr, nicht aber dem Gütertransport zugute kommen. Niedersachsen will eine bessere Anbindung der Häfen Rotterdam und Amsterdam verhindern, um den eigenen Jade-Weser-Port vor Konkurrenz zu schützen. Auch der Bremer Senat reagiert verhalten.

2:44 Stunden beträgt derzeit die Fahrzeit von Bremen in die niederländische Universitätsstadt Groningen, 2:43 Stunden in umgekehrter Richtung. Im ostfriesischen Leer müssen die Reisenden jeweils umsteigen. Immerhin gehört ein weiterer, umständlicher Zugwechsel in Nieuweschans direkt an der Grenze seit einigen Jahren der Vergangenheit an. Doch es könnte, so der Traum, noch schneller gehen. Eine durchgehende IC-Verbindung würde die Fahrtzeit um knapp eine Stunde auf 1:55 verkürzen. In die holländische Hauptstadt Amsterdam ginge es ebenfalls schneller; auch der Großraum Hamburg würde von dem Ausbau profitieren.

„Wunderline“ nennt ein niederländisch-deutsches Netzwerk aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung das Projekt. 120 Millionen Euro haben Nachbarstaat und Provinz bereits locker gemacht, um die Regionalstrecke von Groningen an die Grenze bis 2018 aufzumöbeln. Diesen Abschnitt und den weiteren Verlauf bis Hamburg wollen die Holländer zudem bei der EU als Teil der Transeuropäischen Netze (TEN) anmelden, um so millionenschwere Zuschüsse aus Brüssel zu generieren. Voraussetzung für den Ausbau sei aber die vorbehaltslose Zustimmung der deutschen Seite, fordert die Provinz Groningen.

„Wir werden diesen Antrag unterstützen“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) am Mittwoch dem WESER-KURIER. Eine solche hochattraktive Verbindung könne mehr Menschen auf die Schiene sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr locken. Zuvor hatte sich bereits der Landtag mit den Stimmen aller vier Fraktionen zum Ausbau bekannt und eine Kosten-Nutzen-Analyse für die „Wunderline“ gefordert. Ob Bremen auf diesen Zug aufspringt, ist dagegen noch offen. Der Meinungsbildungsprozess zwischen den Ressorts laufe noch, erklärte ein Sprecher von Hafensenator Martin Günthner (SPD).

Auf deutscher Seite ist der Abschnitt von Bremen bis zur Grenze durch den Bund für den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) angemeldet. Die Bahn AG steht allerdings den Plänen dem Vernehmen nach wegen bislang fehlender Nachfrage mehr als skeptisch gegenüber und lehnt eine Finanzierung ab. Aber auch in Niedersachsen und Bremen gibt es Bedenken. Beide Länder befürchten, dass es den Niederländern eigentlich mehr um eine Güterstrecke geht, mit der man die Häfen Rotterdam und Amsterdam besser an Norddeutschland anbinden könnte.

„Dann rumpeln noch mehr Güterzüge durch Oldenburg“, unkte ein SPD-Parlamentarier. Damit würde man vor allem dem eigenen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven, der gerade einen kleinen Aufschwung erlebe, wieder abhängen, warnte die Oldenburger Grünen-Abgeordnete Susanne Menge im Landtag. „Diese Strecke darf keine zusätzliche Relation für Güterverkehre aus den niederländischen Häfen werden“, betonte auch Lies. Man dürfe sich nicht selbst Konkurrenz bei den wichtigeren Strecken für die Hinterlandanbindungen der norddeutschen Häfen machen, hieß es beim Bremer Senat.

In Niedersachsen setzt man daher auf eine „kleine Lösung“, den Ausbau des teilweise eingleisigen Abschnitts Oldenburg-Leer. Das Land hat dies als eigenständiges Projekt zum BVWP angemeldet und hofft auf ein Ja aus Berlin. Das käme vor allem dem Personennahverkehr zugute und sei realistischer als der Gesamtausbau, meinte Minister Lies. „Der Spatz in der Hand ist uns dann doch lieber.“

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