Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven Ein Hafen mit Image-Schaden

Wilhelmshaven. Hätte es die massiven Bauschäden beim Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven nicht gegeben, würde der neue Tiefwasserhafen heute besser dastehen. Jetzt soll eine neue Marketing-Strategie mehr Schiffsanläufe bescheren.
22.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Klay

Wilhelmshaven. Hätte es die massiven Bauschäden beim Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven nicht gegeben, würde der neue Tiefwasserhafen heute besser dastehen. Da sind sich der alte und neue niedersächsische Wirtschaftsminister einig. Jetzt soll eine neue Marketing-Strategie dem Containerterminal mehr Schiffsanläufe bescheren.

Nach dem Auslaufen der ausgebrannten "MSC Flaminia" ist die Kaje am Jade-Weser-Port tagelang verwaist. Nur montags und dienstags machen Containerschiffe am Tiefwasserhafen fest. Für das Jahr 2012 waren 180 Anläufe geplant – tatsächlich waren es 35. Diese Zahlen seien ein "absolutes Alarmsignal", heißt es aus dem Ressort von Niedersachsens neuem Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Niemand habe erwartet, dass der Hafen von null auf hundert hochläuft. Aber durch die anhaltende Flaute sei die Situation nach einem halben Betriebsjahr "sehr angespannt".

Die Bestandsaufnahme der neuen Regierung lautet: Es gibt ein großes Defizit bei der Vermarktung des Hafens, sagt Lies’ Sprecher Christian Budde. Trotz der weltweiten Roadshow, Stationen waren etwa Peking, Schanghai und Taipeh, sei der Jade-Weser-Port kaum bekannt oder genieße wegen der Bauschäden einen schlechten Ruf. Jetzt werde erst einmal ein neues Marketingkonzept für den Tiefwasserhafen aufgestellt. Im Mai sollen die Grundzüge dafür stehen.

Ähnliches plante bereits die Vorgängerregierung. Laut Ex-Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) müsse das Interesse am Jade-Weser-Port bei Logistikern besonders im Inland neu geweckt werden. "Die negative Berichterstattung über Baufehler an der Kaje und die fehlende Hinterlandanbindung war fatal", sagt er dieser Zeitung. Interessierte Kreise hätten die Pannen als Werbung in eigener Sache für ihre eigenen Standorte nutzen können. "So konnte Eurogate Erfolge bei der Vermarktung nicht in tatsächliche Abschlüsse umsetzen."

Seinem Nachfolger hat Bode eine zwei Millionen Euro teure Machbarkeitsstudie zum weiteren Ausbau des Containerterminals hinterlassen. Bode sprach sich trotz der schleppenden Entwicklung für einen weiteren Ausbau bis ins Jahr 2022 aus. Ende kommenden Jahres sollen Ergebnisse der Studie vorliegen.

Olaf Lies ist in diesem Punkt zurückhaltender, bricht aber nicht grundsätzlich mit seinem Vorgänger. Das Gutachten sei jedenfalls kein verschwendetes Geld, sagt sein Sprecher. Während Bode schon ein konkreter Termin für den weiteren Ausbau vorschwebte, wolle Lies zunächst die Entwicklungen abwarten. "Wir werden nicht in drei Jahren anfangen, einen neuen Hafen zu bauen", sagt Budde, "das ist weit in die Zukunft gedacht."

Tatsächlich glaubt kaum jemand an die ursprünglich geplanten Anlaufzahlen für den Hafen. 2013 sollten es 500 Schiffe sein, 2015 sogar 880. "Die Zahlen sind von der Realität eingeholt worden", sagt Budde. Über den Sommer sei nicht mit zusätzlichen Schiffen zu rechnen. Frühestens im Herbst könnte das der Fall sein. Ähnlich sieht es der Terminalbetreiber Eurogate: Das Umschlagunternehmen hatte im ersten vollen Betriebsjahr rund 700000 Container zugesichert. "Nach derzeitigem Stand wird es nur ein Bruchteil davon sein", sagte Eurogate-Vorstandschef Emanuel Schiffer kürzlich der Zeitung "Die Welt".

Sollte Niedersachsen ein neues Marketingkonzept aufstellen, müsste Bremen mitziehen. Beide Länder sind am Hafen mit jeweils 50 Prozent beteiligt. Abgestimmt habe man sich in diesem Punkt noch nicht, sagt Tim Cordßen, Sprecher von Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD).

Unterdessen ist dem Jade-Weser-Port mit dem Auslaufen der "MSC Flaminia" der wohl größte Umsatzbringer verloren gegangen. Der sechsmonatige Aufenthalt des havarierten Containerfrachters dürfte stattliche Einnahmen beschert haben. Nach Informationen dieser Zeitung belief sich die tägliche Liegegebühr in Wilhelmshaven zuletzt auf etwas mehr als 10000 Euro – das ist deutlich mehr, als für vergleichbare Schiffe im Linienverkehr fällig wird.

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