Einrichtung für junge Intensivtäter Ein Heim für kriminelle Kinder

Hannover. In Lohne im Landkreis Vechta entsteht Niedersachsens erstes geschlossenes Heim für kriminelle Kinder. Es soll nach WESER-KURIER-Informationen sieben Plätze für hochdelinquente Jungen umfassen und am 1. Mai eröffnet werden.
02.03.2010, 17:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Mlodoch

Hannover. In Lohne im Landkreis Vechta entsteht Niedersachsens erstes geschlossenes Heim für kriminelle Kinder. Die Einrichtung soll nach Informationen dieser Zeitung sieben Plätze für hochdelinquente Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren umfassen und am 1. Mai eröffnet werden. Damit setzt die CDU/FDP-Landesregierung eine Vorgabe aus ihrem Koalitionsvertrag von 2008 um. „Für hochgradig gefährdete und kriminelle Kinder und Jugendliche werden wir die geschlossene Heim- unterbringung mit erzieherischen und therapeutischen Konzepten auch in Niedersachsen umsetzen“, heißt es dort im Kapitel Justiz.

 

Im Rahmen einer beschränkten Ausschreibung suchte das Sozialministerium in Hannover nach einem geeigneten freien Träger der Jugendhilfe vier Interessenten meldeten sich. Die Wahl fiel auf das Caritas-Sozialwerk St. Elisabeth in Lohne, weil es, so heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen, „am wirtschaftlichsten mit den eingesetzten Landesmitteln umgeht“. Das Ressort von Ministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) steuert rund eine halbe Million Euro für die Investitionskosten bei.

Intensiv-therapeutische Wohngruppe

Beim Caritas-Sozialwerk erarbeitet man derzeit ein Konzept für eine „geschlossene intensiv-therapeutische Wohngruppe“ mit sieben Plätzen. Einzelheiten insbesondere über den genauen Standort und die Art der Sicherungsmaßnahmen will Geschäftsführer Reinhard Möller derzeit noch nicht nennen. Dem Vernehmen nach soll es sich um einen abgeriegelten Gebäudekomplex etwas außerhalb der 26.000-Einwohner-Stadt handeln. Das Landesamt für Soziales in Hildesheim prüft gegenwärtig die pädagogischen Konzepte, die medizinisch-psychiatrische Versorgung, aber auch die baulichen Gegebenheiten einschließlich der Vorkehrungen, die den Jungen ein Abhauen unmöglich machen sollen. Danach erteilt es die entsprechende Betriebserlaubnis.

Kinder unter 14 Jahren sind nicht strafmündig, können also auch nicht in Jugendarrest oder gar ins Gefängnis gesteckt werden. „Durch ein geschlossenes Heim wird dieser Grundsatz unterlaufen“, kritisiert die jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion Miriam Staudte. Der Erfolg einer freiheitsentziehenden Unterbringung sei nicht erwiesen. Die Grünen haben eine Unterrichtung im Sozialausschuss beantragt. „Die Konzeption muss offengelegt werden.“ Die Abgeordnete verweist auf den Feuerberg-Skandal in Hamburg. In der Hansestadt waren den Insassen des geschlossenen Heims Feuerbergstraße unter anderem Psychopharmaka verabreicht worden. Die Einrichtung wurde inzwischen geschlossen die Vorgänge führten zu einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft.

Laut Staudte landen meistens nicht hochdelinquente Kinder in geschlossenen Heimen, sondern „Totalverweigerer“, die nur schwer zu erreichen seien. Die Unterbringung sei dann eher ein Akt der Hilflosigkeit der Jugendämter. „Mauern sind keine Antwort, sondern eine pädagogische Bankrotterklärung.“ Natürlich seien bei betroffenen Kindern auch Zwangselemente notwendig. Aber statt eines Wegsperrens sei eine maßgeschneiderte, intensive Betreuung im Einzelfall viel sinnvoller. Sei erst einmal ein hochpreisiges Heim – der Tagessatz liegt zwischen 220 und 300 Euro – eröffnet worden, erzeuge dies aus wirtschaftlicher Sicht einen Belegungsdruck, warnt Staudte. „Es besteht die Gefahr, dass auch Kinder dort untergebracht werden, denen man auch mit weniger drastischen Mitteln helfen könnte.“

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