Großbaustelle Ein neues Ufer für die Lesum-Mündung

Die Weser bekommt mit einer neuen Steinkappe für die Lesum-Mündung auf anderthalb Flusskilometern ein neues Ufer. Auf der 3,3-Millionen-Euro-Großbaustelle muss nach der Tide gearbeitet werden.
05.07.2018, 21:38
Lesedauer: 3 Min
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Von Volker Kölling

Die Wächter über 106 Flusskilometer Ufer von Hunte, Weser, Wümme und Lesum sitzen in Bremen am Franziuseck. Wenn bei den Uferbegehungen der Wasserbauer des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Bremen einmal im Jahr Bauwerke für nicht mehr tragfähig erklärt werden, wird es schnell teuer: Ein Kilometer neues Ufer kostet rund eine Million Euro. Der Bau der neuen Böschungen ist dabei eine Wissenschaft für sich, wie sich zurzeit auf dem Schönebecker Sand feststellen lässt.

Die Weser bekommt hier mit einer neuen Steinkappe für die Lesum-Mündung auf anderthalb Flusskilometern auch noch ein neues Ufer. Auf der 3,3-Millionen-Euro-Großbaustelle muss nach der Tide gearbeitet werden. Nur bei Niedrigwasser starten die Bagger mit den extralangen Auslegern ihr eingespieltes Ballett. Greifer um Greifer holen sie Splitt und Steine aus dem Bauch von Binnenschiff „Bella-Jane“, um sie genau nach Plan über dem offenen Weserhang auszuschütten.

Mit dem Maßband auf der Baustelle

Um 13 Uhr ist heute Niedrigwasser und nun geht es schon auf 12.30 Uhr zu. Ralf-Dieter Martin guckt immer wieder sorgenvoll auf die Uhr. Bis zum Flussknick an der Moorlosen Kirche kann er von der alten Badeanstalt am Schönebecker Sand aus sehen. Ein blauer Kümo kommt langsam näher, aber die „Bella-Jane“ ist noch außer Sicht. Der Wasserbauingenieur ist hier der Baubevollmächtigte, also so etwas wie der Bauherr für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bremen (WSA).

Polier Axel Timpe von der ausführenden Baufirma Thieling Bau aus Augustgroden am Jadebusen schreitet mit einem Maßband die Baustelle ab: 20 Meter Ufer wollen sie heute schaffen. Der Hang ist fertig vorbereitet, aber ohne Split und Steine aus dem Industriehafen können sie die Vorgabe heute streichen. „Der Schiffer hat sich gemeldet. Die sind in der Oslebshauser Schleuse aufgehalten worden,“ versucht Timpe den WSA-Mann zu beruhigen. „Vor 40 Jahren war es noch Stand der Technik, die Ufersteine mit einem sogenannten Asphaltmastixverguß praktisch als Klammer zu versehen. Aber wie bei einer alten Asphaltstraße auch vergeht das Material. Es wird brüchig, Grün kommt durch, all das hält nicht mehr.“

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An der Wand des Baucontainers hängen vielfarbige Kartenausdrucke – Ergebnisse von den Peilfahrten des WSA-Messschiffes „Nadir“ mit dem Fächerecholot. Bei Hochwasser sind Martins WSA-Kollegen von der Außenstelle Farge ganz nah am Ufer unterwegs gewesen und haben so die künftige Baustelle kartiert. Durch das Fenster des Baucontainers sieht man plötzlich nur noch die blaue Schiffswand des Kumös. „Das sind jetzt keine 80 Meter bis zur Fahrwassermitte. Wir sind hier an einer sehr engen Stelle des Flusses, der Vegesacker Kurve.“

Eng, dass bedeutet starken Wellenschlag und bei vier Meter Tidenhub eine auf zwölf Meter extrem belastete Böschung. Die Altvorderen des Wasserbaus haben mit dem Asphaltguss seinerzeit schlicht Steine gespart. Das wird auf der Baustelle des Jahres 2018 nicht passieren. Ralf-Dieter Martin zeigt auf die Skizze eines Halbmodells: „Früher hatten wir hier ein Deckwerk mit einer Stärke von 50 bis 60 Zentimetern. Wir gehen jetzt auf 1,2 Meter.“ Vorher kommen auf den Wesersand aber auch noch zwei Schichten Split in grober und feiner Körnung. Der Split sorge dafür, dass später kein Sand aus dem Bauwerk herausgespült werden könne, erläutert der Ingenieur.

Die nächsten Uferbaustellen stehen schon fest

Die „Bella-Jane“ tuckert heran und stoppt mit imposantem Schraubenwasser neben der Greiferplattform „Hergen“ auf. Vorne schleppt das Binnenschiff die zehn bis 60 Kilo schweren Ufersteine, graublau glänzendes Karbon-Quarzit aus der Eifel. Im hinteren Teil des Laderaums hat der Holländer die zwei Sorten Split gebunkert. Wenn die Arbeiten im Oktober abgeschlossen sind, werden hier 20.000 Tonnen Splitt und 25.000 Tonnen Steine fortan Sog und Wellenschlag trotzen. Von unten am braunen Weserwasser bis nach oben zur Deckwerkskante sind es 25 Meter.

Die Greifer legen über der offenen Grube los. Der größte Bagger wiegt selbst allein 60 g Tonnen, sein Ausleger packt 20 Meter weiter unten zu und koffert das Fundament aus, indem er den braunen Sand etwas weiter ins Wasser kippt. Sein nur etwas kleinerer Bruder holt sich den Splitt aus dem Schiffsbauch und legt ihn auf die frisch vorbereiteten Stellen. Die Baggerfahrer haben auf Bildschirmen alle Messdaten und Vorgaben an Bord.

Aber wäre das Wasser schon wieder am Steigen, hätte sich ihre Pause bis zur nächsten Tide verlängert. Martin: „Da im Wasser ohne Sicht herumzuwühlen bringt nichts.“ Nun haben es die gelben Riesen eilig. Ein Mann steht mit einer Messlatte an der Wasserkante und prüft den Schichtaufbau. Der Daumen geht hoch: Läuft. Und die nächsten Uferbaustellen stehen auch schon fest: Zwischen 2021 bis 2026 werden acht Kilometer Ufer in den Bereichen Blumenthal, Farge-Rekum und in Neuenkirchen-Rade neu gemacht. Viereinhalb Millionen Euro stellt sich das WSA Bremen dafür pro Jahr in den Etat.

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