Schacht Konrad

Endlager deutlich teurer

Salzgitter. Der Start von Schacht Konrad, dem einzigen bisher genehmigten Lager für schwach- und mittelradioaktiven Müll, könnte sich bis 2019 verzögern. Zudem wird der Bau wesentlich teurer.
18.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Salzgitter. Der Start von Schacht Konrad, dem einzigen bisher genehmigten Lager für schwach- und mittelradioaktiven Müll, könnte sich bis 2019 verzögern. Zudem wird der Bau wesentlich teurer.

Der Umbau der früheren Eisenerzgrube Schacht Konrad zum Endlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle wird immer teurer. Frühere Schätzungen gingen von rund 900 Millionen Euro Kosten aus. Inzwischen sind 1,5 Milliarden Euro verbaut, insgesamt rechnet das Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) mit etwa 2,2 Milliarden Euro. Sehr gut möglich, dass auch diese Schätzung nach oben korrigiert werden muss.

Der Zeitplan ist ebenfalls aus den Fugen geraten. Waren der Bund und die Atomwirtschaft zunächst von einer Inbetriebnahme im Jahr 2014 ausgegangen, lautet die offizielle Sprachregelung jetzt: nicht vor 2019. "Die Planungen aus den 80er– und 90er– Jahren waren unrealistisch", sagt ein BFS-Sprecher. Inoffiziell ist zu hören, dass die Behörde nicht vor 2021 mit dem Beginn der Einlagerung rechnet.

Die Verzögerung hat auch Folgen für Zwischenlagerstandorte, deren Genehmigungen zur vorübergehenden Aufbewahrung des für Konrad bestimmten Atommülls demnächst auslaufen. Ein Beispiel ist das westfälische Ahaus. Mitte der 70er-Jahre zunächst zur Zwischenlagerung von hoch radioaktiven Abfällen errichtet, erhielt das Lager 2010 eine erweiterte Betriebsgenehmigung für schwach und mittelaktiven Atommüll etwa aus dem Abriss deutscher Atomkraftwerke. Diese Genehmigung gilt nur bis 2020. Anschließend, so wurde Ahaus-Anwohnern versprochen, kämen die Abfälle in den Schacht Konrad.

Peter Dickel von der atomkraftkritischen Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad spricht von einer Scheinlösung. "Bis 2021 wird mit Sicherheit kein Atommüll in Konrad eingelagert. Und was wird dann aus Ahaus? Eine wilde Deponie für Atommüll? Ein ewiges Zwischenlager?" Insgesamt existierten etwa 60 Atommüllstandorte in Deutschland, deren Anwohnern suggeriert werde, dass sie den Müll in absehbarer Zeit in Konrad loswürden.

Zudem kann längst nicht der gesamte, in Deutschland anfallende schwach und mittelradioaktive Abfall in Schacht Konrad eingelagert werden – aus Platzgründen oder weil die Kriterien nicht erfüllt sind. So gibt es für mehr als 100000 Kubikmeter angereichertes Uran aus der westfälischen Anlage Gronau noch gar keine Endbestimmung. Ab 1995 wurde dieser Atomschrott zunächst mit Zügen und Schiffen nach Russland gebracht und dort unter freiem Himmel gelagert. Erst nach massiven Protesten deutscher und russischer Umweltschützer wurden diese Transporte 2009 gestoppt. Seitdem bunkert der Betreiber Urenco das abgereicherte Uran auf dem Gronauer Betriebsgelände. Dasselbe gilt für die aus der Asse zu bergenden Fässer – noch einmal mehr als 100000 Kubikmeter. Konrad wurde insgesamt für maximal 303000 Kubikmeter Abfälle genehmigt. Ein neues Verfahren würde die Inbetriebnahme auf unabsehbare Zeit verzögern und den Entsorgungsnotstand an mehreren Dutzend Zwischenlagerstandorten vergrößern.

Für das kommende Wochenende hat die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad Wissenschaftler, Umweltverbände, Gewerkschafter, Landwirte und Anwohner von Atommüllstandorten zu einer Konferenz nach Salzgitter eingeladen. "Nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Technik wäre Konrad niemals genehmigt worden", sagt Sprecher Dickel. Dennoch klammerten sich Atomindustrie und Politik beharrlich an diesen Standort, weil er ihr einziger rechtlich abgesicherter Notnagel im Atommülldesaster sei. Damit nicht immer höhere Kosten zu immer mehr Sachzwängen führten, müsse der Ausbau von Schacht Konrad gestoppt werden. Auch die Stadt Salzgitter will weiter gegen das geplante Endlager Schacht Konrad vorgehen. Die rechtlichen Mittel seien nach den gescheiterten Klagen zwar ausgeschöpft, sagt ein Verwaltungssprecher. Der Rat werde aber seinen Einfluss geltend machen, um eine Inbetriebnahme des Endlagers auf politischem Wege abzuwenden.

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