Hamburg verbannt Alkohol aus Bahnen und Bussen / Auch die EVB folgen dem Beispiel des Metronom Entzug im Zug

Hamburg·Buxtehude·Hannover. Hamburg verbannt Alkohol aus Bussen und Bahnen. Volltrunkene zwischen hin und her rollenden Flaschen in der U-Bahn, Gelage auf dem S-Bahnsteig, fröhliches Vorglühen auf dem Weg zur Party - all das soll morgen zu Ende sein. Nach einem Monat Anlaufphase, ab 1. Oktober, werden 40 Euro für Verstöße fällig. Auch die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser, die EVB, schließen sich dem Alkoholkonsumverbot an.
31.08.2011, 05:00
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Von Silvia Haselhuhn und Justus Randt

Hamburg·Buxtehude·Hannover. Hamburg verbannt Alkohol aus Bussen und Bahnen. Volltrunkene zwischen hin und her rollenden Flaschen in der U-Bahn, Gelage auf dem S-Bahnsteig, fröhliches Vorglühen auf dem Weg zur Party - all das soll morgen zu Ende sein. Nach einem Monat Anlaufphase, ab 1. Oktober, werden 40 Euro für Verstöße fällig. Auch die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser, die EVB, schließen sich dem Alkoholkonsumverbot an.

Genau genommen schließt sich der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) dem Metronom aus Uelzen an, der als Vorreiter Erfolge auf der alkoholfreien Schiene verbucht - die EVB sind am Metronom beteiligt. "Der positiven Erfahrung wegen hätten wir sowieso mitgemacht", sagt EVB-Sprecher Eckhard Spliethoff. Dabei wird es in Hamburg und in Niedersachsen Ausnahmen geben. "Wie die vom HVV betriebenen Hadag-Fähren ist auch unser historischer Moorexpress vom Alkoholverbot nicht betroffen", sagt Spliethoff. Auf der derzeit rein touristisch genutzten 99 Kilometer langen Bahnlinie von Bremen nach Stade werde weiterhin "Moorbier" und der Kräuterlikör "Jan Torf" angeboten.

In der Alstermetropole weisen längst Plakate an Haltestellen, auf Bahnsteigen und in Bussen darauf hin, dass sich etwas ändert: "Alkoholfreie Zone. Danke, dass Sie mitmachen." Ab morgen dürfen Fahrgäste in allen U- und S-Bahnen der HVV und an den Haltestellen weder Alkohol trinken noch geöffnete Flaschen bei sich tragen.

Der HVV setzt auf eine einmonatige Verwarnphase, in der die Fahrgäste zunächst in Gesprächen, mit Infokarten und Durchsagen aufgefordert werden, das Alkoholtrinken zu unterlassen. Eine Strafe muss dann noch nicht gezahlt werden. "Wir wollen den Fahrgästen die Möglichkeit geben, sich an das Alkoholverbot zu gewöhnen", sagt HVV-Pressesprecherin Gisela Becker.

Von dem Verbot ausgenommen sind die Nord-Ostsee-Bahn, Nordbahn und DB Regio. Diese Linien überschreiten das HVV-Gebiet in Richtung Schleswig-Holstein, wo das Alkoholverbot nicht mehr gilt. Fest verschlossene Flaschen mit Wein, Bier und Schnaps dürfen Fahrgäste aber weiterhin dabei haben. Und natürlich können Menschen unter Alkoholeinfluss auch weiterhin Busse und Bahnen nutzen - nur während der Fahrt dürfen sie nicht trinken. Wie wird das Einhalten des Alkoholverbots kontrolliert? "Unsere Sicherheitskräfte gehen bei der Kontrolle nach Augenschein und Gehör", sagt HVV-Pressesprecherin Becker. "Es wird definitiv keine Körper- oder Taschenkontrolle geben."

Andere deutsche Städte schauen neugierig auf das Entzugsprogramm der Hansestadt. "Im Moment sträuben wir uns noch, was ein solches Alkoholverbot angeht. Die Frage ist immer, wie man das umsetzen kann", sagt Petra Reetz von der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG. "Sollte sich herausstellen, dass Hamburg mit diesem Konzept einen Königsweg gefunden hat, würden wir uns dem auch nicht versperren."

Das Alkoholverbot in Hamburgs Bussen und Bahnen wurde lange diskutiert. Die Eisenbahngesellschaft Metronom mit Sitz in Uelzen untersagt seit Herbst 2009 den Alkoholkonsum in ihren Zügen. "Wir haben sehr positive Resonanz darauf, 73 Prozent unserer Fahrgäste begrüßen das." Zu den guten Erfahrungen gehöre, dass es nur noch halb so viele Straftaten wie vor dem Verbot gebe - und dass 60 Prozent weniger Müll in den Metronomzügen eingesammelt werden müsse.

86 Prozent wollten es so

Bei einer Umfrage im vergangenen Jahr hatten sich 86 Prozent der HVV-Fahrgäste für ein Alkoholkonsumverbot im Hamburger Nahverkehr ausgesprochen. Doch längst nicht alle Hamburger fiebern den trockenen Zeiten entgegen. Im sozialen Netzwerk Facebook ruft eine Gruppe zum "HVV-Abschiedstrinken". Nach Informationen der Hamburger Hochbahn wird derzeit mit HVV und der Innenbehörde an einem Konzept gearbeitet, um die Sicherheit bei dieser Veranstaltung zu gewährleisten.

Grundsätzlich passen Alkohol und Gelassenheit nach Erkenntnissen der Bundespolizeidirektion Hannover nicht gut zusammen, wie Behördensprecher Martin Ackert sagt: In Hamburg seien im vergangenen Jahr 1610 Gewaltdelikte auf Bahngebiet erfasst worden - "18 Prozent aller Körperverletzungen dort haben sich im Bereich der S-Bahn-Züge oder S-Bahnhöfe ereignet". In den Bereichen der Inspektionen Bremen (505 Gewalttaten) und Hannover (796) sei die Steigerungsrate geringer. Überall gelte jedoch, sagt Ackert, "dass Gewalttaten oft Alkoholkonsum vorausgeht, verbale Streitigkeiten, Imponiergehabe".

Das rückt das Alkoholverkaufsverbot am Wochenende im Bahnhof Hannover in den Blick: Die aktuelle Testphase schätzt Ackert positiv ein. "Subjektiv ist es ruhiger dort. Die Fallzahlen belegen das aber noch nicht." Ein Sprecher der Deutschen Bahn AG in Berlin sieht Verbote hingegen eher skeptisch: "Da kommen wir an eine Grenze: Denn wer betrunken den Bahnhof betritt, begeht noch keinen Verstoß." Die Bremer Innenbehörde beeindruckt das Modell Hannover ohnehin weniger. Hier heißt es: "Wir haben das Problem nicht."

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