Erhöhte Krebsgefahr Erdgasförderplätzen? Ergebnisse von Bodenanalysen liegen vor

Wegen einer möglichen Gefährdung von Mensch und Umwelt lässt das Land den Boden an 200 Erdgasförderplätzen in Niedersachsen untersuchen. Für die ersten zwölf Standorte liegen jetzt Ergebnisse vor.
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Ergebnisse von Bodenanalysen liegen vor
Von Silke Looden

Wegen einer möglichen Gefährdung von Mensch und Umwelt lässt das Land den Boden an insgesamt 200 Erdgasförderplätzen in Niedersachsen untersuchen. Für die ersten zwölf Standorte im Landkreis Rotenburg liegen jetzt Ergebnisse vor.

In insgesamt 120 Proben wurden demnach keine Bodenbelastungen durch Schwermetalle oder Kohlenwasserstoffe festgestellt. Das bestätigt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover.

Der Landkreis Rotenburg steht bei den Untersuchungen besonders im Fokus, weil sich in Bothel in der Vergangenheit Krebsfälle gehäuft hatten. In der 7000-Einwohner-Gemeinde wurde denn auch mit der insgesamt 1,8 Millionen Euro teuren Untersuchungskampagne begonnen. „Von den Böden im Umfeld der untersuchten Erdgasförderplätze geht keine Gefährdung für Mensch und Umwelt aus“, erklärt Thomas Schubert vom Landesamt.

?Häufung der Krebsfälle in Bothel

Allerdings wurden an den Erdgasförderplätzen Hemsbünde Z 1 und Bötersen Z 1 erhöhte Quecksilberwerte in zwei Sedimentproben aus Entwässerungsgräben festgestellt. Dort sollen nun weitere Untersuchungen erfolgen. Beide Förderplätze liegen im Landkreis Rotenburg. Nach einer ersten Einschätzung des Landesamtes geht von den ermittelten Quecksilbergehalten „keine akute Gefährdung“ aus. Die Untersuchungsergebnisse werden an die Landesarbeitsgruppe im niedersächsischen Gesundheitsministerium weitergeleitet. Diese untersucht die Ursachen für die Häufung der Krebsfälle in Bothel.

Bis Ende 2016 werden die Untersuchungen des Landesbergamtes andauern. Sie umfassen etwa 40 Prozent der Erdgasförderplätze in Niedersachsen. Bislang wurden 500 Boden- und Sedimentproben an 50 Förderplätzen in den Landkreisen Rotenburg, Heidekreis und Verden genommen. Weitere Untersuchungen werden in den Landkreisen Diepholz, Nienburg, Aurich, Celle, Cloppenburg, Emsland, Leer, Oldenburg und Vechta sowie in der Grafschaft Bentheim, der Stadt Emden und der Region Hannover erfolgen.

In Rotenburg auch viele Krebsfälle

Bürgerinitiativen vermuten einen Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und der erhöhten Krebsrate in Bothel. Dort erkrankten von 2003 bis 2012 insgesamt 41 Einwohner an Krebs. Das waren doppelt so viele wie statistisch zu erwarten gewesen wäre. Betroffen waren vor allem Männer. Auch in der Stadt Rotenburg war die Krebsrate im gleichen Zeitraum besonders hoch. Statt der zu erwartenden 55 Neuerkrankungen, gab es 72 Neuerkrankungen. Wieder waren vor allem Männer betroffen. Die Zahlen wurden vom Niedersächsischen Krebsregister veröffentlicht.

Die Bodenuntersuchungen in den Erdgasregionen werden von einem unabhängigen Labor vorgenommen. Die Proben werden vor allem auf Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Kadmium, aber auch auf Kohlenwasserstoffe wie Benzol sowie auf Radioaktivität untersucht. Das Land Niedersachsen will sich mit der Untersuchungskampagne einen Überblick über Auswirkungen der Erdgasförderung in den vergangenen Jahrzehnten verschaffen. Die Ergebnisse werden im Internet auf der Seite des Landesbergamtes veröffentlicht.

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