Mordfall Souzan in Stolzenau

Ermittlungen gegen Polizisten

Verden·Stolzenau. Die Ermittlungspanne im Fall der getöteten 13-jährigen Souzan bedeutet nach Einschätzung des Nienburger Polizeichefs Frank Kreykenbohm "eine nicht unerhebliche Ansehensschädigung für die Polizei".
09.10.2012, 05:00
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Ermittlungen gegen Polizisten
Von Justus Randt
Ermittlungen gegen Polizisten

Nach dem Mord an der 13-jährigen Souzan war Stolzenau in Trauer.

dpa

Verden·Stolzenau. Die Ermittlungspanne im Fall der getöteten 13-jährigen Souzan bedeutet nach Einschätzung des Nienburger Polizeichefs Frank Kreykenbohm "eine nicht unerhebliche Ansehensschädigung für die Polizei".

Erkennungsdienst-Spezialisten seiner Dienststelle hatten im Dezember vergangenen Jahres den Fluchtwagen Ali Barakats untersucht, nachdem der Mann tags zuvor in Stolzenau auf seine Tochter geschossen hatte. Die unter dem Teppich im Fußraum des VW Golf verborgene Tatwaffe entdeckten die zwei Beamten nicht. Kreykenbohm sagte am Montag, dass die übergeordnete Polizeidirektion Göttingen wegen Dienstpflichtverletzung ermittle.

Die Schusswaffe war zwar bereits Anfang August entdeckt worden, dass sie sich im Fluchtfahrzeug befunden hatte, war allerdings, wie berichtet, bis Ende vergangener Woche von den Ermittlungsbehörden verschwiegen worden. Oberstaatsanwalt Jann Scheerer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, hält es unterdessen für "logisch zu vermuten, dass die Tatwaffe die ganze Zeit dort gelegen hat".

Davon geht auch Kreykenbohm aus: "Der Wagen war immer in behördlichem Gewahrsam." Um das zu gewährleisten, werde in der Regel – wie auch in diesem Fall – ein sogenannter Verwahrvertrag mit einem Abschleppunternehmen geschlossen. "Hinweise auf ein Fehlverhalten gibt es nicht."

Scheerer lobt die Nienburger Kraftfahrzeugwerkstatt ausdrücklich, weil einer ihrer Chefs die Waffe sofort den Ermittlern ausgehändigt habe, als er sie Anfang August in dem Auto fand. Die Firma hatte Barakats Fluchtwagen kurz zuvor von der Staatsanwaltschaft erworben – für 748,50 Euro, wie Scheerer sagt.

Die Behörde hatte den Wagen aus "prozessökonomischen Gründen" veräußert, um die Einstellkosten zu sparen. Zu diesem Zweck waren bereits Anfang Juni die Papiere für den silbergrauen Kombi bei Barakats Ehefrau Hazna K. sichergestellt worden. Sie und ihre drei kleinen Söhne waren nach dem Mord an Souzan von Nienburg in die Region Hannover umgezogen. Seit rund drei Wochen gelten sie als vermisst – die Fahndung läuft.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+