Amtsgericht Hameln Erschossener Landrat: Täter vermutlich dement

Hameln. Der Mann, der den Hamelner Landrat Rüdiger Butte erschossen hat, hat möglicherweise nicht gewusst, was er tat. Ein Sachverständiger soll dem Rentner ein "ausgeprägtes dementielles Syndrom" attestiert haben.
02.05.2013, 10:24
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Hameln. Der Mann, der den Hamelner Landrat Rüdiger Butte erschossen hat, hat möglicherweise nicht gewusst, was er tat. Ein Sachverständiger soll dem Rentner laut einer Zeitung ein "ausgeprägtes dementielles Syndrom" attestiert haben.

Ein Sachverständiger habe dem 74-Jährigen in einem früheren Gerichtsverfahren bescheinigt, unzurechnungs- und schuldunfähig zu sein, sagte der Direktor des Amtsgerichts Hameln, Herbert Seutemann, am Donnerstag.

Die "Deister- und Weserzeitung" berichtete, der Täter habe laut Gutachter unter einem "ausgeprägten dementiellen Syndrom" gelitten. Der 74-Jährige hatte den Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont am vergangenen Freitag in dessen Dienstzimmer erschossen und sich dann selbst getötet.

Die Hamelner Polizei betonte am Donnerstagabend, sie habe das dementielle Syndrom des Mannes nach einer ersten Bewertung nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tat gesehen. Für die Motivation des Rentners, den Landrat umzubringen, habe es aus Sicht der Ermittler keine entscheidende Bedeutung gehabt. Die Polizei wies zugleich Mutmaßungen zurück, sie habe nicht über die Demenz informiert, um von einem Fehlverhalten der Behörden abzulenken.

Gerichtsdirektor Seutemann sagte, in einem Prozess im Januar dieses Jahres habe die Staatsanwaltschaft dem Rentner Betrug, falsche eidesstattliche Versicherung und Körperverletzung vorgeworfen. Das Gutachten eines Sachverständigen habe dann dazu geführt, dass der 74-Jährige wegen Demenz als schuldunfähig freigesprochen wurde.

Das Betreuungsgericht am Amtsgericht Hameln habe daraufhin eine Überprüfung eingeleitet. Dabei sollte geklärt werden, ob der Rentner eine Betreuung erhalten soll, weil er bestimmte Dinge nicht mehr alleine erledigen kann. Zum Abschluss dieses Prüfverfahrens sei es wegen der Tat am vergangenen Freitag dann aber nicht mehr gekommen.

Das Motiv des 74-Jährigen für die Ermordung Buttes (63) sei wohl die drohende Zwangsräumung seines Hauses gewesen, bekräftigte der Polizeisprecher. Daneben hätten dem Rentner weitere Zwangsvollstreckungen sowie der Entzug des Führerscheins gedroht. Die Mordkommission geht davon aus, dass sich die Wut des Mannes auf Butte richtete, weil im Briefkopf aller Behördenschreiben des Landkreises der Landrat stand.

Die Polizei betonte auch, bei dem Rentner habe es 1989 nach dem Entzug seiner Waffenbesitzkarte eine Hausdurchsuchung gegeben, um die bei ihm registrierten Waffen einzusammeln. Dabei sei nichts gefunden worden. Bei einer erneuten Durchsuchung vor vier Jahren seien dann zwar Langwaffen sichergestellt worden, die Tatwaffe sei aber nicht entdeckt worden.

2010 sei die Polizei bei einer Auseinandersetzung zwischen dem Rentner und seiner ehemaligen Partnerin eingeschritten und habe davon gehört, dass der Mann immer noch eine Waffe habe. Daraufhin hätten die Beamten eine erneute Durchsuchung seines Hauses vorgeschlagen. Dies sei aber von der Staatsanwaltschaft Hannover abgelehnt worden, weil das Gebäude bereits im Jahr zuvor intensiv abgesucht worden sei.

Der Polizeisprecher sagte, die Mordkommission sehe ihre Arbeit mittlerweile als weitgehend beendet an. Die Trauerfeier für den getöteten Landrat soll am kommenden Mittwoch stattfinden.

(dpa)

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