Bericht über Kopf und die NS-Zeit

Erster Landesvater gilt als belastet

Hannover (wk). Die historische Kommission für Niedersachsen hat den ersten Ministerpräsidenten des Landes, Hinrich-Wilhelm Kopf (1893-1961), als „moralisch-politisch belastet“ bewertet. Trotzdem rät die Kommission davon ab, Straßen und Schulen umzubenennen, die nach dem Politiker benannt sind.
21.11.2013, 00:00
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Von WESER-KURIER

Die historische Kommission für Niedersachsen hat den ersten Ministerpräsidenten des Landes, Hinrich-Wilhelm Kopf (1893-1961), als „moralisch-politisch belastet“ bewertet. Trotzdem rät die Kommission davon ab, Straßen und Schulen umzubenennen, die nach dem Politiker benannt sind. Das geht aus einem Gutachten der Kommission hervor, das gestern in Hannover vorgelegt wurde. Die Experten schlagen etwas anderes vor: Statt Kopfs Namen aus der Öffentlichkeit zu löschen, könne das Land eine Dokumentation über das Leben des ersten Ministerpräsidenten öffentlich zugänglich machen, die auch eine kritische Auseinandersetzung mit Kopfs Verhalten in der NS-Zeit enthalte.

Die Kommission kam in ihrer Untersuchung zu dem Schluss, dass Kopf von 1934 an in Berlin als Immobilienmakler Geschäfte auf Kosten verfolgter Juden gemacht habe. Aus der Abwicklung von Vermögen jüdischer Auswanderer aus dem Deutschen Reich habe er Gewinne gezogen. Von 1939 bis 1942 habe er dann für die Haupttreuhandstelle Ost gearbeitet, die Vermögenswerte von Juden für das Deutsche Reich sicherstellte, die ins Konzentrationslager gebracht worden oder geflohen waren.

Mit dem Andenken an den ersten Ministerpräsidenten des Landes müsse aber differenziert umgegangen werden. Kopfs unstrittige Leistung beim Aufbau Niedersachsens nach 1945 rechtfertige es trotz aller Bedenken, ihn als Gründerfigur weiter zu würdigen. Kopf war von 1946 bis 1955 und dann erneut von 1959 bis 1961 Ministerpräsident in Niedersachsen. Im Sommer hatte die Historikerin Teresa Nentwig neue Forschungsergebnisse zu Kopf und zu seiner Rolle in der NS-Zeit vorgelegt.

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