Niedersachsen fördert so stark wie lange nicht den Bau von Mietraum für Senioren, Behinderte und Flüchtlinge

Es könnten mehr Wohnungen sein

Hannover. Das Land Niedersachsen fördert den sozialen Wohnungsbau so stark wie seit Jahren nicht mehr. Bis 2019 stehen für den Neu- und Umbau von preiswertem Wohnraum rund 800 Millionen Euro zur Verfügung.
02.02.2017, 00:00
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Es könnten mehr Wohnungen sein
Von Silke Looden

Hannover. Das Land Niedersachsen fördert den sozialen Wohnungsbau so stark wie seit Jahren nicht mehr. Bis 2019 stehen für den Neu- und Umbau von preiswertem Wohnraum rund 800 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Angaben des Sozialministeriums in Hannover stieg die Zahl der geförderten Wohnungen im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr von 1046 auf 1671. Das sei eine deutliche Steigerung und doch zu wenig, meinen die Banker von der landeseigenen Investition- und Förderbank (N-Bank), die die zinslosen Darlehen an Bauherren vergibt.

„Die Steigerung blieb hinter den Erwartungen zurück“, sagt André Sander, der bei der N-Bank über die niedersächsische Wohnraumförderung informiert. Offenbar hatten sich das Land und die Bank mehr Investitionen erhofft. Dabei wurden im vergangenen Jahr fast 114 Millionen Euro staatliche Förderung in Form von zinslosen Darlehen gewährt. „Es hätte mehr sein können“, meint der Banker. Schließlich gibt es nach Prognosen der N-Bank einen Bedarf von insgesamt 14 000 neuen Wohnungen pro Jahr in Niedersachsen. Jetzt will Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) noch einmal nachlegen, um die Förderung attraktiver zu machen. „Der Tilgungszuschuss ist auf dem Weg“, bestätigt ihr Sprecher Uwe Hildebrandt auf Nachfrage. Mit dem Tilgungszuschuss will die Ministerin nun auch noch die potenziellen Bauherren gewinnen, die das Konzept des Landes bislang nicht überzeugt hat.

Denn wer von den staatlichen Zuschüssen für den Neu- oder Umbau von Miet- oder Eigentumswohnungen profitieren will, muss die Konditionen akzeptieren. So werden vor allem Wohnungen für Senioren, Behinderte und Flüchtlinge gefördert. Im Hinblick auf die steigende Zahl älterer Menschen wird das gemeinschaftliche und generationsübergreifende Wohnen besonders bezuschusst. Je nach Förderstufe erhalten Bauherren bis zu 1900 Euro pro Quadratmeter als zinsloses Darlehen. Voraussetzung ist, dass die Wohnung mindestens 20 Jahre lang an Personen mit Wohnberechtigungsschein vermietet wird.

Dabei hatte das Land die Wohnungsbauförderung bereits massiv ausgeweitet. So profitierten bis vor einem Jahr nur Ballungsräume von den staatlichen Zuschüssen. Seit Anfang 2016 können auch Wohnungen auf dem Land gefördert werden. Das Land will die dortigen Leerstände für Umbauten mit Blick auf die Flüchtlinge nutzen. Dabei sieht die Ministerin die Flüchtlinge nicht als Ursache für die Engpässe auf dem Wohnungsmarkt, sondern als Anlass neuen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Damit Bauherren die Förderung von sozialem Wohnraum auf dem Land in Anspruch nehmen können, müssen die Kommunen zuvor ein Wohnraumförderkonzept vorlegen, aus dem der Bedarf klar hervorgeht. „Damit haben sich viele Landkreise schwergetan“, erklärt Banker Sander das Problem. Ohne Konzept der Kommune können Bauherren keine Förderung beantragen. So soll eine Fehlförderung verhindert werden.

Im Landkreis Diepholz sind die zinslosen Darlehen für den sozialen Wohnungsbau gern gesehen, denn selbst in Weyhe ist die Warteliste für Sozialwohnungen lang. Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) setzt dabei vor allem auf „Sanierungswillige, die die günstigen Kredite möchten, um bestehende Objekte für Geringverdiener herzurichten“.

Wie groß der Bedarf an Sozialwohnungen auf dem Land durch die jahrelange Verlagerung der Förderung in die Städte inzwischen ist, zeigt das Beispiel Lemwerder. Die kleine Gemeinde im Landkreis Wesermarsch zählt knapp 7400 Einwohner, hat aber laut Wohnraumversorgungskonzept des Landkreises einen Bedarf von 48 neuen, kleinen und barrierefreien Sozialwohnungen bis 2030.

Der Landkreis Verden hat neben der Landesförderung ein eigenes Wohnraumbeschaffungsprogramm aufgelegt. „Ein Selbstläufer“, meint Landrat Peter Bollmann (SPD) und spricht von einem „wichtigen Instrument“, Wohnungen in bestehenden Gebäuden ohne aufwendige Bebauungspläne zu errichten. Das Förderprogramm umfasst 150 000 Euro in diesem Jahr. Bauherren können pro Wohneinheit bis zu 5000 Euro für den Um- oder Ausbau beantragen. Das Programm soll vor allem helfen, Flüchtlinge mit Bleibeperspektive unterzubringen.

„Die Steigerung blieb hinter den Erwartungen zurück.“ André Sander, N-Bank
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