Vier Arbeiter bei Unglück auf Erdölfeld schwer verletzt Experten untersuchen Explosionsursache

Nach der Explosion auf einem Erdölfeld im Emsland werden die vier schwer verletzten Arbeiter weiterhin in Spezialkliniken behandelt. Ein Spezialist aus den USA soll nun die Ursachenforschung übernehmen.
25.09.2014, 00:00
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Experten untersuchen Explosionsursache
Von Silke Looden

Nach der Explosion auf einem Erdölfeld im Emsland werden die vier schwer verletzten Arbeiter weiterhin in Spezialkliniken behandelt. Die Feuerwehr konnte den Brand am Mittwochmittag löschen. Das Landesbergamt richtete einen Krisenstab ein. Ein US-Amerikaner soll die Suche nach der Ursache für die Explosion übernehmen.

Sieben Arbeiter waren auf dem Erdölfeld Bramberge im Emsland mit Wartungs- und Reparaturarbeiten beschäftigt, als das Unvorhergesehene geschah. Über der Bohrstelle an der Bramharer Straße trat am Dienstagabend Gas aus. Kurz darauf folgte eine Explosion. Flammen schlugen den Männern meterhoch entgegen. Vier von ihnen erlitten schwerste Brandverletzungen, sie wurden mit dem Hubschrauber in Spezialkliniken nach Dortmund, Gelsenkirchen, Hannover und Hamburg geflogen. 120 Feuerwehrleute kämpften die Nacht über gegen das Feuer, konnten es aber erst am Mittwochvormittag löschen.

„Unsere Gedanken sind vor allem bei den verletzten Personen und ihren Familien. Wir stehen mit den Angehörigen in Kontakt. Außerdem werden wir allen Mitarbeitern, die sich an dem Standort befanden, psychologische Hilfe zur Verfügung stellen“, erklärte Stefan Brieske, der Sprecher der Betreiberfirma. Die GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH hat nach eigenen Angaben einen Notfallplan aktiviert. Anwohner und Nachbarn seien zu keinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen, betonte Brieske. Die Unglücksstelle sei weit genug von der nächsten Siedlung entfernt.

Die Unfallursache werde bereits gemeinsam mit den zuständigen Behörden untersucht, so der Firmensprecher. Zunächst war unklar, ob es sich um einen technischen Defekt oder um menschliches Versagen handelt. „Dazu können wir noch nichts sagen“, erklärte Briese auf Nachfrage. Eine weitere Gefahr gehe nicht von dem Ölfeld aus. Experten seien vor Ort, um die Unglücksstelle abzusichern.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover richtete einen Krisenstab ein. LBEG-Präsident Andreas Sikorski machte sich vor Ort ein Bild von der Situation. Zu der Explosion kam es nach seinen Angaben, als die Arbeiter dabei waren, ein Sicherheitsventil auf das Bohrloch zu schrauben, das genau einen solchen Unfall verhindern sollte. „Jetzt ist der nächste Schritt, dafür Sorge zu tragen, dass es keinen weiteren Ausbruch gibt“, sagte Sikorski. Denkbar sei, dass Wasser in die Bohrung gepumpt wird, um einen weiteren Gas-Austritt zu verhindern.

Der Referatsleiter beim LBEG, Rochus Rieche, erklärte: „Wir halten eine weitere Exlosion für unwahrscheinlich.“ Dass Gas bei der Erdölgewinnung freigesetzt wird, sei allerdings nicht ungewöhnlich, sondern natürlich. Die Frage sei, wie sich das Gas entzünden konnte. Die Untersuchungen dazu dauern an. „Wir prüfen mögliche Verstöße gegen den Arbeitsschutz und die Betriebssicherheit“, erklärte Rieche. Bei der Aufklärung der Ursachen der Explosion setzt das Ölförderunternehmen GdF Suez auf einen Experten aus den USA. Der Fachmann sei allerdings noch nicht am Unglücksort eingetroffen, sagte am Donnerstag eine Sprecherin des Unternehmens in Lingen zu entsprechenden Medienberichten.

An der Bramharer Straße wird bereits seit 2007 Erdöl gefördert. Das Ölfeld Bramberge, zu dem die Bohrstelle gehört, wurde in den 50er-Jahren erschlossen und gilt als eines der größten in Deutschland. Das Feld erstreckt sich nach Angaben des LBEG auf mehr als 22 Quadratkilometern. Jährlich werden dort nach Firmenangaben mehr als 100 000 Tonnen Erdöl gefördert. Die Lagerstätte befindet sich in einer Tiefe von etwa 1000 bis 500 Metern. Förderbohrungen gibt es rund um das Dorf Osterbrock,in der Gemeinde Geeste (Kreis Emsland).

Bei den Verletzten handelt es sich um einen Mitarbeiter der Betreiberfirma sowie um drei Arbeiter einer Dienstleistungsfirma. Ob die zwischen 30 und 56 Jahre alten Männer außer Lebensgefahr sind, konnte die Firma am Mittwoch noch nicht sagen.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SDP) machte sich selbst ein Bild von der Lage. Er hatte dem Landesbergamt nach dem schweren Ölunfall im ostfriesischen Etzel im vergangenen Jahr eine Neuausrichtung verordnet und einen neuen Präsidenten ins Amt gehoben. Diesem waren Fehler im Krisenmanagement vorgeworfen worden, nachdem in Etzel im November 2013 mindestens 40 000 Liter Öl an einem Verteilerplatz des Erdgasspeichers auslaufen und unbemerkt in umliegende Gewässer abfließen konnten. Auch wenn bei dem Unglück in Geeste kein Öl ausgetreten ist, wurden dieses Mal vorsichtshalber Ölsperren in den umliegenden Gewässern errichtet.

Der Minister drückte den Familien der Arbeiter sein Mitgefühl aus und dankte den Einsatzkräften. Lies warnte allerdings auch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. „Jetzt geht es um die Aufarbeitung des Unglücks“, sagte er in Geeste.

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