Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen Fahrplanwechsel bringt Veränderungen mit sich

Bremen·Hamburg. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag kommt es im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen zu einigen Veränderungen. Dann gibt es beispielsweise völlig neue Linien und Liniennummern, aber auch eine höhere Taktung des Metronoms zwischen Bremen und Hamburg.
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Von Marcus Schuster

Bremen·Hamburg. Auf den Bahnhöfen in und um Bremen wird es ab 12. Dezember blauer und gelber. Dann drängen verschiedene Privatbahnen die roten Regionalzüge der Deutschen Bahn in den Hintergrund. Der Fahrplanwechsel bringt völlig neue Linien und Liniennummern, aber auch eine höhere Taktung des Metronoms zwischen Bremen und Hamburg, der dann teilweise alle halbe Stunde verkehrt.

Auf den ersten Blick ist es nicht leicht, Übersicht zu bewahren. Ab Sonntag, beim europaweiten Fahrplanwechsel, wird vor allem das Netz im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) gründlich auf den Kopf gestellt. Die Nordwestbahn aus Osnabrück (NWB) bedient mit ihrer neuen Regio-S-Bahn die Strecken zwischen Twistringen und Bremerhaven, Nordenham und Oldenburg. Zentraler Knotenpunkt für die neuen Linien wird der Bremer Hauptbahnhof.

Insbesondere an den Wochenenden würden damit Taktlücken der bisherigen Regionalbahn geschlossen, teilt der VBN mit. Zwischen Nordenham und Bremen sowie Bremen und Twistringen gilt am Wochenende fortan der Stundentakt. Über Oldenburg hinaus kann man mit derselben neuen Linie RS3 bis Bad Zwischenahn fahren. Alle NWB-Züge seien durchgehend behindertengerecht, teilt das Unternehmen mit. Etwa 150 Personen habe man für das neue Angebot zusätzlich eingestellt. Einige wenige DB-Lokführer, die dies wünschten, seien übernommen worden.

Erweitertes Metronom-Angebot

Mit dem Fahrplanwechsel entstehe "ein großes System, das sehr stark zusammenspielen muss", sagt NWB-Sprecherin Katrin Hofmann. Kein Wunder, denn auch die Metronom Eisenbahngesellschaft legt ihr neues Hansenetz auf: mit "MEr"-Zügen, die auf dem Weg von Bremen nach Hamburg und zurück künftig auch in Oberneuland, Sagehorn, Ottersberg und Sottrum halten. Bislang hatte der Metronom auf dieser Strecke zwischen Bremen Hauptbahnhof und Rotenburg keine Zwischenstation. Auch der ursprüngliche ME verkehrt weiterhin und soll die Strecke zwischen Bremen und Hamburg ab Sonntag in fünf Minuten weniger schaffen als bisher. Zu Uhrzeiten, in denen ME und MEr fahren, wird ein Halbstundentakt zwischen beiden Städten erreicht.

Die Deutsche Bahn war vor knapp einem Jahr bei der Ausschreibung des Hansenetzes mit ihrem Angebot gescheitert und muss sich mit ihren Regionalbahnen ganz aus dem Nahverkehr zwischen Bremen und Rotenburg zurückziehen. "Es ist das erste Netz, das wir verteidigen konnten", sagt Hannah Kohn von Metronom. Seit acht Jahren teilt sich das Privatunternehmen die Strecke mit der Bahn. IC- und ICE-Verbindungen zwischen Bremen und Hamburg bleiben selbstverständlich auch nach dem 12. Dezember bestehen.

Eigenes Servicecenter

Der Verkehrsverbund weist darauf hin, dass mit dem VBN-Ticket alle ÖPNV-Verkehrsmittel in der Region benutzt werden können: Deutsche Bahn, Nordwestbahn, Regio-S-Bahn, Elbe-Weser-Bahn, Nordseebahn und Busse. Metronom führt unterdessen, ebenfalls zum Sonntag, ein eigenes Tarif- und Vertriebssystem ein. Im Bahnhof von Buchholz wird dafür ein eigenes Servicecenter eröffnet. Auf den Strecken zwischen Hamburg, Bremen und Uelzen hat das Unternehmen bereits eigene Fahrkartenautomaten aufgestellt. Bislang lief der Vertrieb über die Deutsche Bahn.

Metronom erhofft sich über die Automaten und Fahrkartenschalter höhere Einnahmen und will heute über eigene Tarife und Sonderangebote informieren. Ein Tarifwirrwarr könnte durchaus drohen, da sich beide Unternehmen derzeit noch auf die Anerkennung der neuen Tickets einigen müssen und auch um die Höhe der Provisionen streiten, die bisher für den Verkauf von Karten für Metronom-Strecken an die Bahn zu zahlen sind.

Nicht nur wegen eines möglichen Tarif-Konflikts sehen manche Bürger die neuen ÖPNV-Angebote in der Region kritisch. Vor allem Pendler nach Bremen beklagen, dass kleinere Bahnhöfe wie Oberneuland durch den Wegfall der DB-Züge im Endeffekt schlechter angebunden werden als bisher. Der sogenannte Schülerzug etwa, der morgens um 7.04 Uhr ab Ottersberg fährt, fällt zum Leidwesen empörter Eltern weg. Der ersetzende MEr verkehrt entweder eine gute halbe Stunde früher oder später - in beiden Fällen für Schüler ungünstig.

Nahverkehrsmarkt ist mehr in Bewegung denn je

Ab Sonntag wird sich alles einspielen müssen. Der deutsche Nahverkehrsmarkt ist mehr in Bewegung denn je, seit der Liberalisierung der Schiene 1994. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Anteil der Privatbahnen von 13 auf 20 Prozent erhöht. 128 Millionen Kilometer legen die Züge der DB-Mitbewerber jährlich zurück.

Für die Deutsche Bahn war die Niederlage bei der Ausschreibung bitter. Das sei aber eben Wettbewerb, sagt der Hamburger DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis. In acht Jahren, bei der nächsten Ausschreibung, wolle die Bahn wieder angreifen.

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