Experten diskutieren in der Niedersächsischen Landesvertretung

Fracking - Chance oder Gefahr?

In Niedersachsen lagern gigantische Mengen Schiefergas im Erdreich, das man mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren fördern könnte. Die Energieversorger wollen Probebohrungen machen dürfen. Umweltschützer warnen vor einem unabsehbaren Risiko.
09.10.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Norbert Holst und STEFAN LAKEBAND
Fracking - Chance oder Gefahr?

Das Bohrfeld von ExxonMobil in Bötersen (Kreis Rotenburg). Auf der Suche nach Erdgas setzt das Unternehmen dort die umstrittene Frackingmethode ein.

INGO WAGNER, dpa

In Niedersachsen lagern gigantische Mengen Schiefergas im Erdreich, das man mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren theoretisch fördern könnte. Die Energieversorger wollen zumindest Probebohrungen machen dürfen. Umweltschützer warnen indes vor einem unabsehbaren Risiko. In einer Experten-Diskussion in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin zeigt sich, wie konträr die Fracking-Technologie gesehen wird.

Doch die Zeit drängt. Seit drei Jahren, so sagen Vertreter der Wirtschaft, gebe es in Niedersachsen keine neuen Genehmigungen für das Fracking in konventionellen Erdgaslagerstätten. Eine Erhebung des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) geht davon aus, dass Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde Euro derzeit blockiert sind. Denn die Große Koalition in Berlin findet keinen gemeinsamen Nenner. Zwar haben sich das Wirtschafts- und das Umweltministerium, beide von der SPD geführt, auf ein gemeinsames Eckpunktepapier geeinigt. Doch, so ist in Berlin zu hören, hakt die Sache gegenwärtig beim Kanzleramt.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) will das konventionelle Fracking weiterhin zulassen, so wie es im Bundesland in den vergangenen Jahrzehnten bereits mehr als 300 Mal praktiziert worden ist. Eine Absage erklärt er allerdings dem unkonventionellen Fracking, bei dem das im Gestein eingeschlossene Erdgas mit Hilfe von Chemikalien herausgespült wird.

Stefan Ott vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Niedersachsen indes plädiert für ein kategorisches Nein. Sein Argument: Auch mögliche Folgen der konventionellen Methode seien nicht untersucht. Er weist auf Erdbebengefahr, erhöhte Quecksilberwerte und die festgestellte erhöhte Leukämie-Rate im Erdgasfördergebiet Bothel (Landkreis Rotenburg) hin.

„Keine falschen Zugeständnisse beim Schutz von Wasser“, fordert Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes. Die Brunnen von Bier- und Mineralwasser-Produzenten dürften im geplanten Gesetz nicht weniger Schutz genießen als Trinkwasserbrunnen. Auch müsste die Genehmigung der – oft toxischen – Frackflüssigkeiten und die Entsorgung des – oft belasteten – Lagerstättenwassers klar regelt werden, sagt Eichele.

„Für Niedersachsen steht viel auf dem Spiel“, warnt Joachim Pünnel, Deutschland-Chef von Wintershall. Die heimische Erdgasförderung habe sich binnen weniger Jahre auf zehn Milliarden Kubikmeter jährlich halbiert. Rund 35 Prozent des Erdgas-Verbrauchs könnten theoretisch in Deutschland gefördert, sagt Heinrich Herm Stapelberg von ExxonMobil. Denn die Potenziale sind gigantisch: Allein beim Erdgas in Schiefergestein, das aber nur unkonventionell gefördert werden kann, wird das Vorkommen auf bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter beziffert. Zum Vergleich: Die Reserven in den konventionellen Lagerstätten belaufen sich auf 97 Milliarden Kubikmeter. Die Erdgasförderer dringen darauf, im geplanten Fracking-Gesetz deshalb zumindest Probebohrungen zu erlauben.

Fracking war am Mittwoch auch Thema im Bundestag. Die Linke wollte Auskünfte zur auffällig hohen Zahl an Leukämiefällen in Bothe l. In einer Fragestunde wollte der Abgeordnete Hubertus Zdebel wissen, ob die Bundesregierung einen Zusammenhang zwischen den Krebserkrankungen und der Gasförderung im Landkreis Rothenburg sieht. Dazu kam es jedoch nicht: Wegen einer kurzfristig anberaumten Aktuellen Stunde fiel die Stellungnahme aus. Sie wird nun schriftlich nachgereicht.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+