Trotz Abschaltung weiter Probleme im Atomkraftwerk Unterweser Fünf Pannen in diesem Jahr

Hannover·Rodenkirchen. Kühlwasseraustritt, Leckagen an Abgasturboladern zweier Notstromdiesel, kaputte Ventile in der Löschanlage: Auch nach der Abschaltung vor vier Jahren kommt es im Atomkraftwerk (AKW) Unterweser immer wieder zu meldepflichtigen Ereignissen. Bis Ende vergangener Woche hat das für die Aufsicht zuständige niedersächsische Umweltministerium fünf Vorkommnisse nur für das laufende Jahr registriert.
28.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Marco Hadem

Kühlwasseraustritt, Leckagen an Abgasturboladern zweier Notstromdiesel, kaputte Ventile in der Löschanlage: Auch nach der Abschaltung vor vier Jahren kommt es im Atomkraftwerk (AKW) Unterweser immer wieder zu meldepflichtigen Ereignissen. Bis Ende vergangener Woche hat das für die Aufsicht zuständige niedersächsische Umweltministerium fünf Vorkommnisse nur für das laufende Jahr registriert. Seit der Abschaltung im März 2011 verzeichnete das Ministerium insgesamt bereits 18 meldepflichtige Ereignisse der untersten Kategorie.

„Das zeigt, dass wir Kernkraftwerken auch nach der Abschaltung große Aufmerksamkeit widmen müssen“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover. Er lasse nun prüfen, ob ein Zweitgutachter zur Bewertung der meldepflichtigen Ereignisse im AKW Unterweser hinzugezogen werden müsse.

Das 2011 abgeschaltete Kernkraftwerk im Kreis Wesermarsch ging 1978 ans Netz. Nach aktuellem Planungsstand kann frühestens 2017 mit dem Rückbau begonnen werden. Wenzel rechnet damit, dass diese Arbeiten zehn bis 15 Jahre dauern werden.

Derzeit laufe das Genehmigungsverfahren für die Stilllegung und den Rückbau. „Die von Eon vorgelegten Akten sind noch nicht ganz vollständig“, sagte Wenzel. Sein Ministerium gehe aber davon aus, dass sie bis zum Ende der Sommerferien vorliegen werden. Dann könne im Anschluss mit der Öffentlichkeitsbeteiligung begonnen werden. Für den Rückbau des Atomkraftwerks muss auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorliegen. Wenzel erwartet eine rege Beteiligung von Umweltverbänden und Anwohnern.

Die Kosten für den Rückbau und das zu errichtende Zwischenlager für den Atommüll schätzt Wenzel auf rund eine Milliarde Euro. „Das muss das Unternehmen zahlen, ob es will oder nicht“, betonte er. Die Betreiber seien verpflichtet, dafür entsprechende Rücklagen vorzuhalten. Wenzel zweifelte jedoch daran, dass diese ausreichen, um den Rückbau aller Atomkraftwerke in Deutschland sowie die noch nicht wirklich seriös kalkulierbaren Kosten für die noch immer ungeklärte Endlagerung des Atommülls zu finanzieren.

„Wir arbeiten deshalb derzeit an einer Bundesratsinitiative, die zum Ziel hat, die 2017 auslaufende Brennelementesteuer bis 2022 zu verlängern“, sagte Wenzel. Dadurch könne der Staat Einnahmen in Milliardenhöhe verbuchen, die in einen Fonds fließen und für aufkommende Kosten genutzt werden könnten. 2022 sollen die

letzten deutschen Reaktoren abgeschaltet werden, darunter auch das Atomkraftwerk Emsland.

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