Vogelgrippe in Niedersachsen Geflügelmäster fordern Stallpflicht

Seit die gefährliche Vogelgrippe in einem Putenmastbetrieb in Barßel (Landkreis Cloppenburg) am Donnerstag nachgewiesen worden ist, hat sich das Virus nicht weiter in Niedersachsen ausgebreitet.
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Geflügelmäster fordern Stallpflicht
Von Justus Randt

Seit die gefährliche Vogelgrippe in einem Putenmastbetrieb in Barßel (Landkreis Cloppenburg) am Donnerstag nachgewiesen worden ist, hat sich das Virus H5N8 nicht weiter in Niedersachsen ausgebreitet.

Das bestätigte am Freitag das niedersächsische Agrarministerium. Die 16.000 Tiere des betroffenen Betriebes wurden getötet, bis Freitagabend sollten auch 92.000 Hühner zweier Betriebe gekeult werden, die im Radius von einem Kilometer zu dem Putenstall liegen. Die Tiere eines weiteren Mastbetriebes werden noch untersucht. Unterdessen hat der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) seine Forderung nach landesweiter Stallpflicht für Nutzgeflügel unterstrichen.

Die Schritte, die die grünen Landwirtschaftsminister Christian Meyer in Niedersachsen und Johannes Remmel in Nordrhein-Westfalen gegen die Vogelgrippe unternehmen, seien „unzureichend“, kritisierte ZDG-Sprecher Friedrich-Otto Ripke. Dass gerade die Bundesländer mit der „höchsten Geflügeldichte in Deutschland“ auf eine landesweite Stallpflicht verzichteten, sei „unbegreiflich“. Schon zuvor hatten Politiker der niedersächsischen Opposition aus CDU und FDP Minister Meyer mangelndes Management vorgeworfen und auf Schleswig-Holstein als Beispiel verwiesen. Nicht ohne den Hinweis, dass mit Robert Habeck auch das dortige Agrarressort einem grünen Minister untersteht.

In Niedersachsen sind keine Wildvögel betroffen

In Kiel hielt man es „angesichts des Ausmaßes und der Aggressivität für sinnvoll, im Land komplett aufzustallen“, sagt Habecks Sprecherin Nicola Kabel. „Die Ausbreitungsgefahr war einfach zu groß. Es gibt fast keinen Landkreis mehr ohne Nachweis des Virus.“ Anders als in Niedersachsen seien auch viele Wildvögel betroffen.

?Christian Meyer ficht das nicht an. „Wir sind auf einer Linie mit dem Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Reims, das erst jüngst die risikobasierte Aufstallung empfohlen hat“, sagte Ministeriumssprecher Klaus Jongebloed am Freitag. So bleibt es in Niederachsen dabei: Die Anordung, Geflügel in den Stall zu sperren, obliegt den Veterinärbehörden der Landkreise nach eigener Einschätzung – aber immer auf Grundlage der Geflügelpestverordnung, wie das Ministerium in Hannover klarstellt. Die Landkreise machten das – manche flächendeckend, andere je nach Einschätzung des Risikos – „vorbildlich“, hatte Meyer gesagt.

Landwirtschaftsministerium beharrt auf Position

Die Kritik der Geflügelwirtschaft weist Sprecher Jongebloed als „Placebo-Debatte“ zurück, zumal mittlerweile 97 Prozent der Geflügelbestände im Stall seien. „Wie vor zwei Jahren, als das Virus in weniger aggressiver Form kursierte, sind Bestände betroffen, die sowieso nicht im Freien waren. Nach wie vor ist unklar: Wie kommt dieses Virus in den Stall.“ Solange darüber Ungewissheit herrscht, bleibt dem Ministerium nur die Wiederholung des Appells an Geflügelhalter, sogenannte Biosicherheitsmaßnahmen ernst zu nehmen. Das bedeutet Sicherheitsschleusen für Menschen und strikte Unterscheidung von Material und Werkzeugen danach, ob sie im Stall oder außerhalb ihren festen Platz haben.

Auch in Nordrhein-Westfalen beharrt das Landwirtschaftsministerium auf seiner Position: „Der Tierschutzaspekt ist gravierend. In Abwägung mit dem Tierschutz ist die landesweite Aufstallung das letzte Pfund im Kampf gegen die Seuche“, stellt Ministeriumssprecher Frank Seidlitz klar. „Vorsorglich gesunde Tiere zu töten, lehnen wir ab“ – Geflügelhalter, die nicht über ausreichend Platz verfügen, müssen ihre Vögel töten, wenn die Stallpflicht ausgerufen wird. Dem Tierschutz-Argument schließt sich sein niedersächsischer Kollege Klaus Jongebloed an. Zur Abwägung mit dem Tierschutz : „Vor allem Ganter, die plötzlich hinter Gitter müssen, werden aggressiv. Da können Sie die Weihnachtsgans ganz vergessen.“

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