Ausweitung der Atommülldebatte auf Schacht Konrad gefordert

Gegner: Endlager neu bewerten

Hannover·Salzgitter (rp). In der Debatte um einen Neustart bei der Endlagersuche greift die Konzentration auf eine Lagerstätte nur für den hoch radioaktiven Müll nach Ansicht von Umweltschützern viel zu kurz. Gegner des geplanten Endlagers Schacht Konrad – wie Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) – forderten die verantwortlichen Politiker in Bund und Ländern gestern in einem Brief auf, „alle Arten radioaktiver Stoffe in die Betrachtung einzubeziehen und den Standort Konrad nicht weiter als gesetzt anzusehen“.
01.04.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Reimar Paul

In der Debatte um einen Neustart bei der Endlagersuche greift die Konzentration auf eine Lagerstätte nur für den hoch radioaktiven Müll nach Ansicht von Umweltschützern viel zu kurz. Gegner des geplanten Endlagers Schacht Konrad – wie Salzgitters Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) – forderten die verantwortlichen Politiker in Bund und Ländern gestern in einem Brief auf, „alle Arten radioaktiver Stoffe in die Betrachtung einzubeziehen und den Standort Konrad nicht weiter als gesetzt anzusehen“. Dagegen bezieht sich das vom Bundestag beschlossene Standort-Auswahlgesetz ausschließlich auf die Suche nach einem Lager für hoch radioaktiven Müll.

Es sei „nicht mehr als recht und billig, eine Neubewertung des Konrad-Projektes nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu fordern“, sagte Klingebiel in Hannover. Sicherheit und Gesundheitsschutz für die Menschen hätten für ihn höchste Priorität. Es sei deshalb „nicht zumutbar, dass ein Projekt mit so langfristigen Auswirkungen wie ein Atommüll-Endlager einfach weitergebaut wird, obwohl es größte Zweifel an der Machbarkeit und Sicherheit gibt.“

Ulrich Löhr vom Landvolk Braunschweiger Land sagte, nach den katastrophalen Erfahrungen in der Asse sei es „unabdingbar, dass Atommüll in Zukunft oberflächennah und rückholbar gelagert werden muss“. In Schacht Konrad ist eine unterirdische Lagerung von bis zu 303 000 Kubikmetern Atommüll geplant.

Die Politikwissenschaftlerin Ursula Schönberger betonte, es gehe daneben auch um die zu bergenden Fässer aus der Asse, um die Uran-Abfälle aus der Anreicherungsanlage Gronau oder die Hinterlassenschaften des Forschungszentrums Jülich. Diese Abfälle könnten „sowieso alle nicht in Konrad eingelagert werden“. Schönberger ist Autorin der ersten umfassenden Atommüll-Studie für die Bundesrepublik Deutschland.

In dem unter anderem an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Umweltministerin Barbara Hendricks (beide SPD) gerichteten Schreiben heißt es, das Einlagerungs- und Sicherheitskonzept für Schacht Konrad sei veraltet. Erste Planungen gingen „auf den Beginn der 1980er-Jahre“ zurück. Zudem sei der Standort ohne Auswahlverfahren festgelegt worden. „Bei jedem Infrastrukturprojekt hätte die fehlende vergleichende Bewertung von Standortalternativen im Genehmigungsverfahren zum K. o. geführt – nicht so bei Schacht Konrad.“ Im Übrigen fehle die gesellschaftliche Akzeptanz für Konrad, da das Vorhaben ohne jede Bürgerbeteiligung durchgesetzt worden sei.

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