Stuhrerin ist ein unbeschriebenes Blatt für die Ermittler

Getötete Nicole Stindt gibt viele Rätsel auf

Stuhr. Der Mord an Nicole Stindt stellt die Ermittler vor Probleme. Die 38-Jährige aus Stuhr hatte Schuhgröße 37, besaß zwei Hunde, ein Auto und eine Bandscheibenprothese. Das ist so ziemlich alles, was die Staatsanwaltschaft Oldenburg weiß.
05.06.2010, 08:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Getötete Nicole Stindt gibt viele Rätsel auf
Von Justus Randt

Stuhr. Der Mord an Nicole Stindt stellt die Ermittler vor gewaltige Probleme. Die 38-Jährige aus Stuhr hatte Schuhgröße 37, besaß zwei Hunde, ein Auto und eine Bandscheibenprothese. Das ist so ziemlich alles, was die Staatsanwaltschaft Oldenburg weiß über die Frau, deren Leichnam Pfingstmontag in einem Waldstück bei Groß Ippener gefunden wurde. Neun Monate, nachdem Nicole Stindt zuletzt lebend gesehen wurde.

Ihr Rückenleiden könnte ein Grund dafür gewesen sein, weshalb sie nicht mehr in ihrem Beruf als Krankenschwester gearbeitet hat. Könnte - denn seit wann sie Arbeitslosengeld II bekam, wo sie zuletzt angestellt war, in welcher Klinik sie gelernt hat, ja, ob sie überhaupt jemals in ihrem Beruf tätig war, ist unbekannt. 'Die Person hat sehr zurückgezogen gelebt, aus welchen Gründen auch immer, sie ist selbst für uns ein unbeschriebenes Blatt', sagt der Oldenburger Staatsanwalt Rainer du Mesnil de Rochemont. Jetzt werden Zeugen gesucht. Die ledige, kinderlose Nicole Stindt habe wenig Kontakt zu Freunden und ihrer Familie gehabt.

Die Überreste der Toten überhaupt als die einer Frau zu identifizieren, erforderte eine Anthropologin und Spezialisten des Bundeskriminalamtes. Ehe Spaziergänger den durch Wildtiere freigelegten Arm der Toten entdeckten, 'hatten wir keine Anhaltspunkte, dass ein Verbrechen vorliegt. Jetzt ja', sagt du Mesnil.

Neun Monate zuvor, am Dienstag, 18. August 2009, gegen 20.15 Uhr verlor sich die Spur von Nicole Stindt. Mit ihrem dunkelgrauen Toyota Corolla Kombi und Schäferhündin Lana verließ sie den 'Bassumer Hundetreff'. 'Sie hat bei uns Agility gemacht, einen Erziehungskurs, das war?s', sagt Inhaberin Renate Holldorf. Was für ein Mensch Nicole Stindt war? Ob sie nett war, fröhlich vielleicht? 'Sie war halt eine Kundin im Hundetreff. Ich kann es nicht sagen. Aber ihre Hunde, die hat sie schon geliebt.'

Nicole Stindts an diesem Abend daheimgebliebenem Doggenmischling ist es zu verdanken, dass ihr Verschwinden tags darauf auffiel. Die Vermieterin der Wohnung an der Blockener Straße in Stuhr hörte sein Bellen und rief die Polizei, weil sie vermutete, dass da etwas nicht stimme. Sie war es auch, die Vermisstenanzeige erstattete.

Am selben Tag wurde Schäferhündin Lana am Traher Weg entdeckt, zwischen Dötlingen und Neerstedt. Heute geht du Mesnil davon aus, dass sie dort, 20 Kilometer vom späteren Fundort der Leiche entfernt, ausgesetzt wurde: 'Der Hund hatte keine wundgelaufenen Pfoten, war nicht ausgepowert, sogar die Leckerlitasche lag bei ihm.' Etwa gleichzeitig wurde der Toyota am Breitenweg in Bremen, in der Nähe des Bahnhofs, abgeschleppt, weil er im Parkverbot stand, immerhin verschlossen. Erst einen Tag später, am 20. August, stellte die Polizei fest, dass der Wagen der Gesuchten gehörte.

Im Auto hätten eine Hundedecke und übliche Utensilien gelegen. Bei der Untersuchung seien DNA-Spuren gesichert worden, 'die jetzt ausgewertet werden', sagt der Staatsanwalt. Sie habe ein Haus geerbt, es verkauft und von dem Erlös den neuen Toyota angeschafft. Auch der Computer der Getöteten wird erst jetzt ausgewertet. Bislang war nicht bekannt, 'dass sie auch E-Mail-Verkehr hatte'.

Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen, von denen sich Aufschluss über Todesursache und -zeitpunkt erhofft werden, stehen noch aus. Lediglich die Identität sei bislang zweifelsfrei geklärt - der Zahnstatus wurde abgeglichen, die Seriennummer der Bandscheibenprothese gab ebenfalls eindeutigen Aufschluss, wer da an der Wirbelsäule operiert worden war.

Nicole Stindts bekleidete Leiche lag in einem 'sauber ausgeschachteten Grab', 1,70 Meter lang, 85 Zentimeter tief. 'Sie wurde in Rückenlage beerdigt, man könnte fast meinen aufgebahrt', sagt du Mesnil. 'Das lässt Rückschlüsse auf eine gewisse emotionale Bindung zu' - zwischen ihr und ihrem Mörder.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+