Grube im Kreis Rotenburg Giftiger Bohrschlamm vermutet

Belasteter Bohrschlamm als tickende Zeitbombe im Boden. Tausende solcher möglicherweise undichter Bohrschlammgruben vermutet das Umweltministerium in Niedersachsen und kündigt eine Überprüfung an.
04.11.2014, 00:00
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Giftiger Bohrschlamm vermutet
Von Silke Looden

Belasteter Bohrschlamm als tickende Zeitbombe im Boden: In den 50er- und 60er-Jahren wurde der Sondermüll nicht in Deponien entsorgt, sondern schlicht unweit der Bohrung in Gruben geschüttet. Tausende solcher möglicherweise undichter Bohrschlammgruben vermutet das Umweltministerium in Niedersachsen und kündigt eine Überprüfung an.

Unweit des heutigen Naturschutzgebietes Tister Bauernmoor im Landkreis Rotenburg wurde in den Wirtschaftswunderjahren Erdöl vermutet. Bohrungen fanden unter anderem nördlich von Stemmen statt. Tatsächlich wurde man in 5000 Meter Tiefe fündig. Allerdings handelte es sich nicht um förderungswürdige Mengen. So wurde die Bohrung Kallmoor Z 1 bereits 1962 stillgelegt. Geblieben ist der Bohrschlamm, der unweit des Bohrlochs in Gruben geschüttet wurde.

Ein Anwohner machte den Landkreis Rotenburg auf Ölschlieren unweit der längst vergessenen Bohrstelle aufmerksam. Die Aufsichtsbehörde aber fand keine Ölspuren und legte die vermeintliche Bodenverunreinigung zu den Akten – bis eine von NDR in Auftrag gegebene Untersuchung die Verwaltung im Kreishaus aufschreckte. Demnach ist der Boden bei Stemmen stark mit Mineralölkohlenwasserstoffen belastet. Das könnte das Grundwasser in der Gegend gefährden.

„Wir nehmen den Hinweis ernst“, sagt die Sprecherin im Umweltministerium in Hannover, Inka Burow. Der Landkreis werde überprüfen, ob der Boden tatsächlich belastet ist und eine Gefahr für das Grundwasser besteht. „Es werden behördlich Proben genommen und analysiert. Gegebenenfalls wird die Grube saniert.“

Die Grube ist eine von vielen in Niedersachsen. „Wir haben 30 000 bis 50 000 solcher Bohrstellen im Land“, sagt die Ministeriumssprecherin und verweist auf Daten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie. Ob dem Land nun eine teure Sanierungswelle von längst vergessenen Bohrstellen bevorsteht, sei noch unklar. Die infrage kommenden Bohrschlammgruben müssten erst kontrolliert werden.

Beim Landkreis Rotenburg indes hält man sich bedeckt. Die Aufsichtsbehörde wolle die Untersuchungsergebnisse abwarten, und erst dann eine Bewertung vornehmen, lässt Landkreissprecherin Christine Huchzermeier ausrichten. Nach Angaben von Gert Engelhardt, Leiter des Amtes für Wasserwirtschaft, wurde die Grube bei der Stilllegung 1962 für unbedenklich erklärt. Das Landesbergamt ging offenbar von keiner Gefahr für die Umwelt aus. Der Landkreis habe den Grubenschlamm dennoch von Zeit zu Zeit kontrolliert, aber keine Bodenkontamination feststellen können. Möglicherweise handle es sich bei den jetzt veröffentlichen Messwerten um Proben von einem anderen Standort.

Während Bohrschlamm heute für viel Geld entsorgt und deponiert werden muss, wurde er in den 50er- und 60er-Jahren schlicht in ein Grube unweit der Bohrstelle geschüttet. Diese Gruben waren meist nicht abgedichtet, sodass zum Beispiel ölhaltiger Bohrschlamm in tiefere Bodenschichten eingedrungen sein könnte.

Den bisherigen Untersuchungen des Labors Agrolab zufolge lagen die Proben im Landkreis Rotenburg mit 53 000 Milligramm Mineralölkohlenwasserstoffen pro Kilogramm Aushub deutlich über dem Schwellenwert von 5000 Milligramm pro Kilogramm. Bei einer Sanierung müsste der Boden ausgekoffert und entsorgt werden.

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